Im Jahre 1852 zum Pfingstfeste hatte ich die großeFreude, daß mein Vater mich in Neinstedt besuchte, inBegleitung meines Schwagers Werner, wo wir einige Tagefröhlich mit einander verkehren konnten. Mein Vater theiltemir auch mit, daß mein Bruder August als Schnhmachcr-lehrling sich fleißig und ordentlich hielte und mein BruderHermann in der Schule gute Fortschritte mache. — ImAugust und September hatte der Vater viel an Brust- undKrcnzschmerzen zu leiden. Ich schenkte ihm deshalb zuseinem Geburtstage „Tictzens Wasserqnclle", über welchesköstliche Buch er sich herzlich freute und erquickte. Imselbigen Monate bekam ich das Nervenficber und wurdesehr krank, genaß aber davon durch Gottes Hülfe, worübersich auch meine Eltern sehr freuten und mein Vater mireinen gar köstlichen Brief schrieb.
Der Winter von 1852 ans 1853 war besonders kaltund brachte viel Krankheiten, besonders unter den Kindern.Mein Vater schrieb mir damals, daß fast kein Tag ver-ginge, wo nicht 3, 4, 5 Leichenzüge wären. Am 21. Aprildieses Jahres hatten meine Eltern die Freude, ihre jüngsteTochter Friederike eingesegnet zu sehen, und bald daraufkonnte ich meine Eltern von Neinstedt ans besuchen, wo-durch ich ihnen große Freude bereitete. In diesem Jahrewurde auch mein Bruder August Geselle und am 22.September verheirathete sich meine Schwester Auguste mitdem Maler Albert Werner, welche dann bei meinen Elternwohnten, so daß mein Schwager meinem Vater mit be-hnlflich sein konnte in seinem Amte.
Ostern 1854 besuchte ich meine Eltern und Geschwisterund konnte ihnen gleichzeitig die freudige Nachricht bringen,daß ich als Hausvater an das Prignitzer Rettungshaus zuSchönebeck kommen wurde. Acht Tage weilte ich in ihrerMitte, dann reiste ich nach Neinstedt zurück und gleichdarauf an meinen Bestimmungsort, wo ich am 27. Aprilankam und am 1. Mai eingeführt wurde.
Meinen Eltern ging es in diesem Jahre durch GottesGnade wohl und schenkte ihnen Gott die Freude, daß sie