Druckschrift 
1 (1893) Vom Jahre 1690-1866
Entstehung
Seite
37
Einzelbild herunterladen
 

37

Einmal war er auch in Nordhanscn gewesen, um sichhuldigen zu lassen. Da hat es mein Vater mit angesehen,wie man ihm die Schlüssel der Stadt auf einem seidenenKissen überreichte und er dann mit seiner Begleitung seinenEinzug hielt und der Stadt eine neue Schuldenlast mitseiner lustigen Wirthschaft aufbürdete, dennLnstick, lnstick"(Lustig, lustig) war sein Wahlspruch. Man war froh, daßer endlich fort war und noch froher, als man ihn endlichganz los wurde und Nordhausen nach dem Friedensschlüsseunter das gesegnete Zepter Preußens kam.

Mein Großvater war nach beendigtem Kriege gegendas Jahr 1816 in die innere Stadt gezogen und zwar in dieFrauenbcrger Gemeinde, in die Hütersstraße. Dazu hatteihn theils bewogen, daß er doch meistens in der Stadtarbeitete; theils gingen noch zwei Kinder zur Schule, theilsauch war meine Großmutter kränklich und vermochte nichtweite Wege zu gehen. Hier wurden die beiden TöchterChristiane und Johanne und der jüngste Sohn Wilhelmeingesegnet; der letztere lernte das Mauerhnndwerk, währendder ältere, Fritz, seit 1813 im Dienste des Senators undKirchenvorstehers zu St. Jacobi, Feist, stand und seineEltern treulich unterstützte.

Am 20. December 1820 starb meine Großmutter. Siewar schon seit einigen Jahren kränklich gewesen und littzuletzt an der Auszehrung. So lange sie noch irgend konnte,war sie thätig, bis der sieche Leib nicht mehr fort wollteund sie sich auf ihr Sterbelager legen mußte, wo sie ge-duldig ausharrte, bis sie im Frieden entschlief. Sie wargeboren im Jahre 1775 zu Ilfeld, brachte also ihr Lebenauf 45 Jahre. Auf dem Frauenbcrger Klosterkirchhofehaben sie ihre sterblichen Ucberreste begraben. Da ruhetsie mit ihrer Schwester bis zum Tage der Auferstehung,beweint von ihrem Manne und ihren vier Kindern.

Mehrere Jahre führten die beiden Schwestern dieWirthschaft meines Großvaters, bis auch sie das Vater-haus verließen und mein Vater sich verheirathete, beiwelchen: dann mein Großvater eine Zeit lang wohnte, dann