IV.
ÄI! Schwende.
In der Grafschaft Stolberg-Stolberg, nahe bei derGräflichen Residenz Stolberg, liegt das Kirchdorf Schwende.Dort wohnte gegen das Jahr 1690, also nicht lange nachBeendigung des 30jährigen Krieges, einer unserer Familien-Vorfahren, der Bauer Eckart. Seine Wirthschaft warnicht so groß, daß er sich ausschließlich davon nähren konnte,wie überhaupt viele der dortigen Wirtschaften wegen dergebirgigen Gegend nur unbedeutend sind und außerdem ihreBesitzer nur kümmerlich ernähren, da der Boden hoch undkalt liegt. Die bergige Lage der Ländereien erfordert anMenschen und Vieh mehr Kräfte als anderwärts, so daß,wenn man im ebenen Lande nur ein Pferd nvthig hat,man hier vollkommen zwei gebrauchen muß Die Ernährungder Pferde muß also auf irgend eine andere Weise wiederausgeglichen werden, durch Nebenverdienste mit denselben.Sonst wie noch jetzt gab der Transport von Brennmaterialfür die benachbarten Städte, die ihren Bedarf aus denGräflichen Forsten beziehen mußten, einen einigermaßenguten Verdienst. Neben seiner Ackerwirthschaft betrieb unserVorfahr noch das Frachtfuhrwescn und hielt sich dazu vierPferde. Später aber gab er dasselbe ganz auf, da erdurch den Verlust mehrerer Pferde zu großen Schadenerlitt, und beschäftigte sich mehr mit dem Ackerbau. Vonfeinen sonstigen Familienverhältnissen habe ich nichts weitererfahren können.
Nach seinem Tode übernahm sein Sohn die Wirth-schaft. Sei es nun, daß er durch Abgabe seines väter-lichen Erbtheils an seine Geschwister den ferneren Bestandder Wirthschaft nicht gesichert sah, oder fand er überhauptsein Auskommen nicht dabei, oder waren es andere Ver-hältnisse, die ihn dazu bewogen: er verkaufte seine Besitzungund zog nach Nordhausen.