den er durch die Errichtung eine? besonderen Chorherrnkollegiums zu einemeigenen Kollegiatstist erhob. Von Italien aus durch den Kaiser miteiner wichtigen Gesandtschaft nach Konstantinopel beauftragt, starb er aufder Reise am N.März lll8. Ihm folgte Theodorich oder Dieterich II.(bis 1127), gewöhnlich, aber unrichtig, genannt von Winzenburg,Sohn des Grafen Otto von Zütphen. Dieser war mit mehren sächsischenFürsten ein entschiedener Gegner des mit den Päpsten im Jnvestiturkampfebegriffenen Kaisers Heinrich V.. der aber unter den sächsischen Fürsten aucheinige, besonders den Grafen Friedrich von Arnsberg, auf seiner Seitehatte. Selbst die Lehens- und Dienstleutc des Bischofs Dieterich erklärtensich gegen ihn. und verjagten ihn, als er von einer Aussöhnung und Ver-bindung mit dem Kaiser nichts wissen wollte. Er nahm jetzt seine Zufluchtzum Herzoge Lothar von Sachsen, der im I. 1121 mit den meisten Für-sten Sachsens vor die Stadt rückte, sie belagerte, einnahm, nebst derDomkirche größtentheils einäscherte, und die ganze Besatzung gefangenwegführte. Bei dieser Gelegenheit wurde auch die neue von Burchard er-richtete Mauer niedergeworfen. Indessen erfolgte schon im Herbste d. I.auf einem Reichstage zu Würzburg die vollständige Aussöhnung zwischendem Kaiser und den gegen ihn verbündeten Fürsten, und im Oktober 1122auf einem Reichstage zu Worms wurde auch der Jnvestiturstreit zwischenKaiser und Papst beigelegt. Nun schöpfte Deutschland, und mit ihm auchdas schwer getroffene Bisthum M., wieder Athem. Der Gottesdienstruhete fast überall in der Stadt, die Dom-Kanoniken waren zerstreutebenso die Nonnen des Ueberwaffer-Klosters. welches nebst der Kirche eben-falls niedergebrannt war. Dieterichs erste Sorge wandte sich den Dom-Kanoniken z», und er führte diese, da an den Wiederaufbau des neuenDomes vor der Hand nicht zu denken war, wieder in den alten Domzurück, so daß die alte Prophezeiung des Bischofs Sweder in Erfüllungging. Er gab ihnen übrigens viele Privilegien und suchte ihr hartesSchicksal soviel als möglich zu erleichtern. Er starb am 29. März l >27. —Sein Nachfolger Egbert (bis 1132), bisher Domdechant in Köln, wirkteungeachtet seiner kurzen Regierungszeit sehr segenvoll in der zerrüttetenDiöcese. Die niedergebrannte Domkirche stellte er wenigstens nothdürftigwieder her. und gab ihr ein Dach von Blei; auch die Marien- oderUeberwasserkirche nebst dem Kloster setzte er wieder in Stand, und riefdie während des Krieges zerstreute» Nonnen unter Androhung des Kirchen-bannes wieder in dasselbe zurück. Er starb zu Köln, wohin er den ihnsehr achtenden Kaiser Lothar begleitet hatte, am 9. Januar 1132; leineLeiche wurde nach M. gebracht, und unter großen Feierlichkeiten in derDomkirche begraben. — An seine Stelle wurde Wernher, bisherigerCanonicus zu Halberstadt, ein Verwandter des h. Anno, erwählt (bis1151). Er war der letzte Bischof, der sich noch des alten, wahrscheinlichseit Erpho nur noch im feierlichen Kanzleistile üblichen Namens „Bischofvon Mimigardevord" bediente, während er auf seinen Siegeln klgiscvpnsUnnsstoi'iensis genannt wird. Gewiß erhielt nicht lange nach denZeiten Herrmanns I. der Name Münster im Munde der Bewohner undden Schriften der Ausländer das Nebergewicht; in einer Urkunde desMarkgrafen Conrad von Meißen vom I. 1118, die Verhältnisse des Klo-sters Gerbstädt betreffend, werden die Bischöfe Friedrich I., Erpho, Burchardund Dieterich II. durchgängig als Lpisoopl.»onusteriensos bezeichnet; nachWernhers Zeiten nennen sie sich selbst so. Für die Donikirche machtedieser Bischof im I. k l.37 eine bedeutende Mcmorienstiftung, worin er derKirche u. a. einen vollständigen bischöflichen Ornat nebst Meß-Geräth-schaften schenkte. Dem Kloster Ueberwasser bestätigte er die gemachte»Schenkungen, und fügte noch neue hinzu. Auch den (später verloren ge-gangenen) St. Pauls-Bccher, der nicht mit dem jetzt noch vorhandenenSt. Pauls-Napf zu verwechseln ist, schenkte er der Domkirche, zum Zei-chen der brüderlichen Einigkeit und Liebe, aus welchem am Tage vor demGcburtsfeste Christi alle gemeinschaftlich trinken sollten. Er starb am I.De-ecmber 1151, und wurde, seiner Verordnung gemäß, in dem von Dietrich II.gestifteten Prämonstratenser-Kloster zu Kappenberg begraben. — Nach ihmgelangte Friedrich II., bisher Domkapitular zu M . zur bischöflichenWürde (bis 1163), und empfing zu Aachen an demselben Tage, an wel-chem Friedrich I. von Hohenstaufen dort zum deutschen Könige gekröntwurde, die bischöfliche Weihe. Im I. 1162 folgte er als Freund Friedrichs
diesem nach Italien, war bei der Eroberung und furchtbaren ZerstörungMailands zugegen, und empfing aus der Beute für seine Domkirche dieLeichname der hh. Märtyrer Viktorinus und Florianus. Wahrscheinlichrief diese Erwerbung so ansehnlicher Reliquien in ihm den Gedanken zurErrichtung eines neuen und größeren Domes hervor. Schon hatte erSteine und andere Bau-Materialien für diesen Zweck in Menge gesammelt,als ihn der Tod am 31. December 1168 hinwegraffte. — Sein Nach-folger war Ludwig 1. (bis 1173), aus dem Geschlechte der Grafen vonTekeneburg (Tecklenburg), der an einer epidemischen Krankheit starb. Die-sem folgte Herrmann II. (bis 1263) aus dem Hause der Grafen vonKatzcnelnbogen, der an dem Kreuzzuge Kaiser Friedrichs Theil »ahm.Diese beiden Bischöfe, Ludwig I. und Herrmann II , sind aber für dieStadt und das Bisthum M. so wichtig gewesen, daß wir bei ihrer Wirk-samkeit länger verweile» müssen.
Daß die Pfarrgemeinde Ueberwasser, und schon vor ihr wenigstensder Bispingbof bereits vor der Einäscherung im I. ll21 eine feste Ein-friedigung hatten, ist, wie oben bemerkt, aus dem Gange der Dingewahrscheinlich; ob ferner schon Burchard von Holte eine Lamberti-Land-kirche oder Landkavelle gekannt und mit der nächsten Umgebung einge-friedigt habe, ist eben so wenig ganz unwahrscheinlich, als gar nicht zubeweisen. Noch immer aber galt die Dom-Immunität oder die Burgals der älteste und am früheste» befestigte Theil, als die eigentliche »rkzMimigardevord, oder nach dem jetzt Geltung gewinnenden neuen Namenals die eigentliche Stadt Münster, und alle anderen in ihrer Nähe ent-standenen Niederlassungen als Vorstädte. So sagt z. B. Bischof Wernherin einer Urkunde ausdrücklich vom Kloster Ueberwasser, es liege in derVorstadt (in »nkurbio nostro). Die durch den Herzog Lothar im I. 1l2lniedergeworfene Burgmauer scheint erst von Ludwig I. wieder hergestellt,und der sie umgebende Graben aufs Neue geöffnet und erweitert zu sein.Diese alte Burgmauer (Borchmure, wie sie in den Urkunden vom Jahr1423 und 1472 genannt wird), auf der Stelle der noch älteren desBurchard von Holte erbauet, blieb nun das ganze Mittelalter hindurchdie Befestigung des Domhofes, und von chr sind noch Reste hinter denBogenhäusern und hinter verschiedenen Häusern der Rothenburg zu sehen.Weil Ludwig I. durch eine Urkunde vom I. 1169 den sie umgebendenGraben ausdrücklich dem Domkapitel als Eigenthum zusprach, und baldnachher, vor der oben erwähnten Abtretung desselben, viele Streitigkeitenüber den Besitz desselben zwischen Domkapitel und den Anwohner» ent-standen . so scheinen diese schon jetzt in so großer Zahl auf dem Grundedes Brockhofes und in der Nähe der Burgmauer angesiedelt gewesen zusein, daß der Grabe» ihnen im Wege, und der Besitz des von ihm ein-genommenen Raumes der Gegenstand ihrer eifrigen Wünsche war, wäh.rend das Domkapitel, vielleicht um mancherlei Störungen zu vermeiden,gerade durch den Graben die Anwohner etwas entfernt zu halten wünschte.Die Kriegsunruhen der jüngst vergangenen Zeit, und das Bedürfniß derSicherheit in der Nähe einer Burg, ferner das Bedürfniß des Handelsund des Verkehrs mochte theils die ursprüngliche» Hofbcwohner, theilsmanche Fremde herangezogen haben, und wirklich erscheint der östlicheTheil der Stadt, die Gegend des jetzige» Prinzipal-Markts, sowie desRoggen - und des Alten-Fischmarkts, als der älteste Sitz des städtischenHandels, als das älteste Forum der Stadt. Einzelne getrennt liegendeFamilien-Wohnungen der ersten Ansiedler mochten bald durch neue An-kömmlinge vermehrt, und durch diese die vorgefundenen Zwischcnräumebebauet sein, bis sich allmählich durch fortgesetztes Vor- und Zwischen-bauen solcher Häuser geschlossene, wenn auch unregelmäßige und gekrümmteStraßen bildeten, bei denen unzähliche Zwischen - und Neben-Gassen undviele in umgebenden Höfen getrennt stehende Häuser au das allmählicheund zufällige Entstehen der Stadt erinnerten (und zum Theile noch jetzterinnern). In ähnlicher Art mochten schon früher auf dem Govevelbes-hofe die Stadttheile sich ausgebildet haben; überhaupt aber spricht nochjetzt die äußerst unregelmäßige Gestalt der Stadt für eine durch allmäh-liche Ansiedelung zwischen einigen frühere» Familien-Wohnungen bewirkteEntstehung der einzelnen Stadttheile und Straßen. — Entscheidend sprichtaber um diese Zeit für den großen Zuwachs der Bevölkerung des Brock-hofes in der Nähe der Burg, wann und woher sie auch mochte gekommen