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10 (1852)
Entstehung
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umgeben war, läßt sich aus einigen Andeutungen, so wie aus dem Gangeder Dinge vermuthen. Ob sich schon außerhalb des Dvmplatzes und inunmittelbarer Nähe, sowohl auf dem Brockhofe als auf den beiden ande-ren Höfen Ansiedler niedergelassen hatten, ist nicht z» ermitteln, wenn esauch nicht unwahrscheinlich ist, daß sich hier, wie überall in der Nähe derDomkirchcn und der sie umschließenden Burg, mehre Wohnungen, vielleichtvon Handelsleuten, oder von Dienstleuten des Bischofs und der Dom-herren, mit Genehmigung der Hofbesitzer zusammendrängten. Einige wol-len die Arkaden auf dem Markt durch eine dort früher befindliche bischöflicheScharwache entstanden wissen, Andere durch einen für die Handelsleuteerrichteten Säuleugang; beide durften natürlich auf dem für Geistliche be-stimmte» Domplay nicht ihre Wohnung haben. Auch mochte der Domplatz(oder die Dom-Immunität, wie er allgemein hieß, und aus dem jetzi-gen großen freien Platze, den beiden Kirchen und den zunächst angränzen-deu Gebäuden bestand« für sie keinen Raum bieten. Es ist ferner nichtunwahr-cheinlich, daß schon früh, und vielleicht schon um diese Zeit, aufden anderen beiden Höfen, und vielleicht auf Abtheilungen dieser Höfe,kleine Landkirchen au der Stelle der späteren Pfarrkirchen bestanden, weilselbst die neue Domkirche (und die Ludgeruskapellc im Kirchsp, Ueberwasser)schwerlich die ganze Menge der Gläubigen aus nächster Umgegend fassenkonnte, jedenfalls läßt sich aber die Entstehung der eigentlichen Stadt(so weit die vorhandenen Nachrichte» reichen), d. h. die Entstehung be-wobnicr und geschlossener Plätze außerhalb der Dom-Immunität, zuerstfür das Kirchspiel Uebcrwasser nachweise», ohne daß dadurch ein ältererAnbau des Marktplatzes und der übrigen zum Brvckhof gehörenden Stadt-iheile geläugnet werden tönnte. Der Brockhof und der Kamperbeckesholgehörten nämlich als zwei Haupthöfe ,ur ältesten Ausstattung der Kathe-dralkirche; bei der erwähnte» Güterthcilung zwischen Bischof und Dom-kapitel fiel der erstere dem Domkapitel, der letztere dem Bischof zu. Vondem Brockhof, dessen Hofesverfassung sich am längsten erhalten hat, wissenwir, daß mehre andere Höfe von ihm als einem Haupthofe abhängig wa-ren, unter andern der das Kirchspiel Uebcrwasser bildende Godevclvs-Hof(auch Jodcvelds- und ZüddeveldS-Hof genannt). Um die Zeit dieser Gü-tertheilung erscheint am linken Ufer der Aa auf dem Grunde des Godevelds-Hofes noch ein anderer, der Bispinghof (eurtis «piscopi), dessen Nameschon auf einen eigenthümlichen Ursprung hindeutet. Er umfaßte theilweisedie südöstliche Ecke des Godevclvs-Hofes, nämlich den heutigen Neuen Platzgrößtentheils, ferner die Neue Straße nebst dem westlich angränzenden sog.Galenschen Garten, den Krummen Timpe» und die unter gleichem Namennoch fetzt bekannte (unv früher von uns genannte) Straße nebst den zwi-schenliegenden Gärten, endlich die Georgs-Kommende. Der Name weisetauf seine Entstehung; diese mußte durch einen Bischof geschehen sein. Wahr-scheinlich war bei der Gründung des Bisthums das häufigen Uebcrschwem-mungen ausgesetzte linke Aa-User noch ein Sumpf, und, mit Ausnahmeder von Ludger gegründeten Kapelle, noch »»bebauet unv ohne Wohnun-gen, wenigstens in unmittelbarer Nähe der Aa, Hier hatten also dieBischöse auf dem bloß den Rang eines UnterhofeS einnehmenden Gode-velves-Hofe von den frühesten Zeiten her freie Hand, nach Belieben einenTheil des vorher wüsten Landes zu bebauen und mit Wohnungen oderHofstätten zu versehen. Da die Entstehungszeit des BiSpinghofcs nichtfüglich nach der Gütertheilung zwischen Bischof und Domkapitel wegender gegenseitigen Abfindung anzunehmen ist, da also das bald darauf er-scheinende Auftreten der als Bispinghof später bekannte» Landstrecken imRange eines Hofes eine vor dieser Gütertheilung geschehene Hofes-stiftnng gewiß macht, diese aber wieder eine schon lange vorher begonneneUrbarmachung des Landes voraussetzt, so kann es nicht befremden, daßgleichzeitige und spätere Nachrichten den Bispinghof schon für frühere Zei-ten erwähnen, und daß der NameHof" »n frühere Zeiten zurückgesetztwurde, als an eine förmliche Hof-Verfassung, wie sie die Hanpthöfe hat-te», namentlich an eigene Gerichtsbarkeit mit eigenem Hofcsschulzen amwenigsten für dieses Stück eines UnterhofeS zu denken war. Daß dieBi'chöie schon lange vorher diese mit Mühe auf dem sumpfigen Grundeurbar gemachte» Ländcreien mit einem Wohnhause versahen und als einenvor der Stadt liegenden Landsitz zuweilen bewohnten, läßt sich vermuthen idaß sie ihn nach der Gütertbciluuq, obgleich der vom Brockhofe abhängige

l! Godeveldeshof dem Domkapitel zufiel, sich vorbehielten und nicht demDomkapitel, den Besitzern des ersten und daher auch des davon adhängi-I gen zweiten, Herausgaben, erklärt sich aus der für ihre Schöpfung ge-faßten Vorliebe und eigenem Interesse, Wirklich blieben sie viele Jahr-hunderte in diesem Besitze, während das Domkapitel den ganzen übrigenGodeveldes-Hos beherrschte. Daß sie ihn mit einer Einfriedigung, so wieinsbesondere ihre dortige Wohnung mit einer Befestigung umgaben, erklärtsich aus den vielen Fehden des Mittelalters und der Sitte der damaligenZeit. Daher konnte auch fetzt bald von einer bischöflichen Burg auf demBispinghofe die Rede sein, obgleich diese Burg nicht anders als ein be-festigter Landsitz, oder als ei» Oekonomie- oder Vorwerks-Hof gedachtwerden kann, und für jede andere Annahme wenigstens alle urkundlichenBeweise fehlen. Auch ist niemals auf dem Bispinghofe die eigentliche bi-schöfliche Residenz (die cu,!-, egisogi) gewesen, die immer in der Dom-Immunität war, und nach der alte» Kirchenverfassung dort sein mußte.Der eigentliche Stifter des Hofes ist unbekannt. Die Meldung des glaub-würdigen Chronisten Ditmar, daß der Bischof Sweder sich auf dem Bis-pinghofe aufgehalten, daselbst von einem fungcn Edelmann überfallen, undder Schulze (villwus) des Hofes in seiner Gegenwart erschlagen sei, könntevielleicht auf diesen Bischof als Gründer hindeuten. Aus dem Gesagtenerhellt, daß der Bispinghof, wenigstens so viel die historischen Spurennachweisen, als die älteste städtische Gemeinde nächst der Dom-Immunitätgelten muß.

Eine wichtige, für die Geschichte der Stadt Epoche machende Begeben-heit fällt in die Zeiten von Siegfrieds Nachfolger, Herr mann I. (bislvgzz. Sie ist die Gründung der Liebfrauen-Kirche und desLiebfrauen-Klosters im Kirchspiel Ueberwasser. Bis zum I. M49 moch-ten die Bewohner des BiSpinghofcs, so wie die des übrigen vor und nachweiter angebauten Godeveldeshofes so zahlreich geworden sein, daß eineeigene Pfarrkirche für sie nicht mehr entbehrlich schien. Bischof Herr-mann I. erweiterte die aus Ludgers Zeiten noch erhaltene Kapelle (welchedie Jungfrau Maria als Schutzpatronin verehrte und daher Marienkapellehieß) zu einer Pfarrkirche, erbaute neben ihr ein Nonnen-Kloster, welchemdie Kirche einverleibt wurde, und weihte beide am 29, Deceinber lO-tl),als der Kaiser Heinrich III gerade zu Mimigardevord zur Feier des Weih-nachtsfestes sich aufhielt, in Gegenwart desselben und vieler Fürsten undEdelen geistlichen und weltlichen Standes feierlich ein. Als Pfarrsprengelwurde der Kirche der ganze Godeveldeshof, den Bispinghof eingeschlossen,zugewiesen. Der Kaiser stattete das neue Kloster reichlich aus; vielefromme Gaben kamen bald hinzu, und es war bald eines der reichstenKlöster im Lande, durste nur Nonnen von ritterdürtigem Adel aufnehmen,aber keine Töchter von Bürgern, selbst nicht von Patriciern. Die Äbtissinmußte immer eine Gräfin sein. Im 15, Jahrhundert nahmen die Nonnendie Regel des h. Benedikt an, und mit dieser hörten manche früher vor-gekommene Ungebundenheiten auf. Nicht lange nachher, zu den Zeitender Wiedertäufer, trat aber die frühere Neigung zu ausgelassenem Lebe»unv der Abscheu vor der Klausur wieder für längere Zeiten hervor. Dieerste Äbtissin soll Kaiser Heinrichs III, Schwester gewesen sein. Umdiese Zeit wird in einer glaubwürdigen Urkunde die Stelle, an welcherBischof Herrmann das Kloster neu erbauet hatte, nur ein zu Mimigarde-vord gehöriger Ort (Muigkn'llovui'wnsis locus) ohne bestimmten Namenbezeichnet. Das Kloster führt in den Urkunden, gleich dem alten Dom-kloster, den Namen Nonnster»»», Es ist nicht unwahrscheinlich, daß dieWohnungen um dasselbe sich sehr schnell vermehrt haben, und wir finden,daß bald nach dicker Zeit im gewöhnlichen Leben der NameMimigarde-vord" der neuen BenennungMünster" Platz machte, während dererstere noch einstweilen der Amtsname blieb. Ungewiß aber bleibt es, obder neue (ohne Frage aus dem Worte älonszteiium entstandene) Namevon dem alten Dom-Kloster, oder dem neuen Lieb-Frauen-Kloster entnom-men sei. Die alte Sage, daß im Kirchspiel Uebcrwasser der älteste Theilder Stadt zu suchen sei, bat weder äußere noch innere Gründe für sichwen» man den zuerst bebaueten Theil der Stadt darunter versteht. Aller-dings aber scheint hier durch Landanweisunge» auf dein untergeordnetenHole von Seiren des Domkapitels, so wie durch Vorliebe der Bischöfe fürihren Bispinghof und dessen Umgegend eher als in anderen Stadttheilen