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10 (1852)
Entstehung
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führt auch eine große Zahl derselben an diese ernste, stille Ruhestättedes Königspaares. Und es ist nicht blos der in der That hohe, edleKunstgenuß den die Hinzudrängenden aufsuchen, sondern eine Erholungder Seele in Treue, Liebe, Ehrfurcht, und heiligen Erinnerungen und

Verpflichtungen, endlich in religiöser Sammlung, hier wo der Glanzdes Irdischen vor der Erhabenheit des Ewigen erlischt, und die Ruhe-stätte der hohen Sterblichen von einer höheren Geisterwelt in ahnungs-vollen Schauern umwebt wird.

Die Werde,

Der Bau den wir hier vor uns sehen, hat auf denselben Haupt-mauern, die ihn noch heut einschließen, manche Umwandlungen erfahren.In den ältesten Zeiten war derselbe eine große Reitbahn, die indeß imJahr 1669 (nach andern Angaben 1699, was wahrscheinlicher ist) zueiner Kirche umgebaut wurde. Dieselbe bildete ein ziemlich unförmlichesGebäude, ein langes Viereck mit einem plumpen gerundeten Dach. DieKirche war getheilt, und dienie einerseits der deutschen, andrerseits derfranzösischen Gemeinde, von der in Berlin seit >685 ansäßigen fran-zösischen Colonie. Man fühlte endlich das Bedürfniß, den ungeschickten,gegen die übrigen architektonischen Fortschritte in der Stadt allzusehrabstechenden Bau in einen, der heutigen Gestalt der Residenz würdigen,zu verwandeln. Wie immer, wo es auf solche Aufgaben ankam, begeg-nen wir auch hier dem Namen Schinkels. Derselbe besaß das ganzeigenthümliche Genie der Umgestaltung und gewissermaßen Neugebährungder Formen aus irgend einem starren veralteten Tppus. Kein Gebäudewar zu plump, zu unregelmäßig, zu barock, zu winklig, das er nichtmit seinem schöpferischen Genius, in irgend eine anmuthige oder wür-dige Form einzupassen verstanden hätte. Bald, indem er es mit An-sätzen, wie mit einem neuen, organischen Anwuchs umgab, bald, indemer es so von lästigen Auswüchsen befreite, oder nach Umständen beidesthat, hier hinzufügte, dort hinwcgnahm. Und ehe man es ahnte, waraus dem unscheinbaren oder unschönen alten Bau, ein geist- und sinn-voller neuer entstanden. Wir möchten fast behaupten, daß die Ausgaben,welche Schinkel in dieserWeise löste, noch diejenigen, wo er ganz freischöpferisch verfahren konnte, an geistiger Bedeutsamkeit und überraschen-der Erfindungskraft übertreffen, als ob die zu besiegenden Schwierig-keiten seine Kraft erst recht herausgefordert hätten. Eine solche Lösungsteht in der Werderschen Kirche, welche wir auf unserm Bilde dargestelltfinden, vor uns. Wer sich des alten, ungethümen Bau's zu erinnernweiß, wird gar nicht glauben, daß es dieselben Grundlinien und Mauernsind, die aus dieser rauhen plumpen Verpuppung, in diese neuen, zier-lichen und doch würdevollen, dem Ernst des Gegenstandes entsprechen-den Formen übergegangen sind. Wie wir die Kirche jetzt vor uns sehen,ist sie in den Jahren 1827 bis I8Z9 gestaltet worden. Aus einem Stil,der eigentlich gar kein Stil zu nennen war, eine rohe backofenartigeForm, ist sie in den leichteren, zierlichen gothischen Stil übergegangen,der sich Gebäuden von nicht allzugroßen Dimensionen so glücklich an-paßt. Sie ist von gebrannten Steinen aufgeführt, und hat im Ganzeneinen hellröthlichen Ton, der die architektonischen Linien und Formenbesonders klar hervortreten läßt. Die Hauptfront ist die, welche sich !uns zuwendet, und die zugleich den Eingang enthält. Zwischen zweileicht aufsteigenden gothischen Thürmen, befindet sich die Eingangspforte, iund ein großes gothisches Fenster, das der Kirche, die zwischen engedunkle Gassen eingebaut ist, auf sehr zweckmäßige Weise das Hauptlicht !giebt. Die Pforte besteht aus zwei Thüre» von Bronze, mit schlankenSäulen eingefaßt. Zwischen beiden befindet sich eine eigenthümlicheVerzierung, die so angebracht, selten an Bauwerken vorkommen wird.Es ist auf dem Pfeiler der die Eingänge trennt, eine Bildsäule auf-gestellt, die den Erzengel Michael darstellt, welcher den Drachen in Gestalteiner Schlange bekämpft, und dessen ausgebreitete Flügel sich über diePforten hin, bis zur Spitze derselben ausbreiten. Dieses Skulpturwcrkhat auch eine technische Merkwürdigkeit. Das Modell zwar ist vonder Hand eines Künstlers, Professor Wichmann, allein die Statue

r sch e Kirche.

selbst besteht aus gebranntem Thon, und ist aus der berühmten Feil-nerschen Fabrik, ursprünglich eines Töpfers, der aber nicht nur durchseine äußerst zweckmäßigen und zierlichen Ofen - Construktionen, sondernauch durch die mannichfachsten schönen Arbeiten in gebranntem Thoneben so großen Ruhm als Reichthum erworben hat. Alle die auf denBilderchen sichtbaren, wenn auch bei dem kleinen Maaßstabe nicht sehrhervortretenden leichten, durchbrochenen Steinarbeiten, bestehen aus ge-branntem Thon, und rühren aus dieser Fabrik her. Sie geben dem Bauein überaus zierliches, luftiges Ansehen. Dem Charakter des Ganzenentsprechend, sind auch die Seitenfronten, von denen die eine hier zumTheil sichtbar ist, durch kleine Thürmchcn mit scharfen Spitzen geschmückt.Der Bau erhält dadurch einen ganz eigenthümlichen Gipfel, der mitseinen vielen Zacken um die Bedachungen rings emporragend, besondersin der Abendsonne, bei dem röthlichen Ton des Materials, eine über-raschende Wirkung hervorbringt.

Treten wir jetzt in das Innere der Kirche ein, so verwandelt sich deräußere, mehr gefällig wohlthuende Eindruck in einen durchaus ernsten,würdigen, der Heiligkeit des Orts entsprechenden. Es ist eines derwenigen Gotteshäuser Berlins, in welchen die eigenthümliche Lichtwirkung,welche durch die Glasmalerei entsteht, mittelst der schönen farbigen Glä-ser in den Fenstern erreicht wird. Dieselben sind zwar in der Haupt-sache von weißem Glase, da die schon dunkel gelegene Kirche sonstnicht die nöthige Helle erhalten könnte. Allein dieses ist mit zierlichenfarbigen Rändern umgeben, und mit Rosetten im schönsten Farbenspielgemischt. Dadurch wird, bei der schwachen Beleuchtung des Innern,gerade der hinlängliche Zusatz bunter Lichtfärbung gewonnen, um denmagischen Eindruck zu erzeugen, den die alten l ohen Dome mit ihrenGlasmalereien hervorbringen. Das Schiff hat eine Länge von 186Fuß, (die äußere Länge des Baues beträgt 199, die Breite 66, die äußersteHöhe der Seitcnwände 76 Fuß,) und die Form eines Vierecks, doch andie dem Eingang gegenüber befindliche schmale Seite stößt ein halbesZehneck, gewissermaßen den Bau durch eine Nische mit fünf Faeettenabrundend, an, welches den Altar und einen hohen Chor enthält, unddurch lange Bogenfenster Licht empfängt. Die innere Höhe der Kirchebeträgt 73 Fuß, die Breite des Schiffs öl Fuß. Das Fenster über demEingange hat im Lichten eine Höhe von 70, eine Breite von 16 Fuß.An jeder Längenseite der Kirche befinden sich acht Strebepfeiler, die nachAußen und Innen vorspringen, und am Dach äußerlich in jene, schonoben erwähnten spitzen Thürmchen enden, im Innern sich an das Ge-wölbe, welches das Schiff deckt, schließen, und dasselbe tragen. Ebendergleichen Pfeiler theilen auch die Seiten des halben Zehnccks. Diegroßen Abtheilungen der Wand-Räume sind vielfach durch Verzierungen,als Arabesken, Blätterwerk, und dgl. bezeichnet; alle diese sind von ge-branntem Thon und aus der schon erwähnten Feilnerschen Fabrik.Die Gewölbe und Pfeiler im Innern sind durch einen Anstrich gefärbt,der einen grünlichen Sandstein täuschend nachahmt und so einen wohl-thuenden Farbenton in das Ganze des Gebäudes bringt.

Mehrere unserer ersten Maler haben sich durch Schöpfungen ihresPinsels in der Kirche verherrlicht. Unter der Orgel auf der Brüstungdes Chors befinden sich drei Gruppenbilder: Glaube, Liebe, Hoff-nung, gemalt von dem Professor Wach, der schon seit längerer Zeitverstorben ist. Das bedeutendste Bild ist das Altarbild vonBegas,welches die Auferstehung Christi darstellt. Ihm zur Seite sieht man