Druckschrift 
10 (1852)
Entstehung
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Die Bibliothek ist auch, wie oben schon angedeutet, reich an sehrwerthvollen Einzclnheiten, sowohl in seltenen Drucken, Jncunabeln,Prachtausgaben u. s. w., als auch in Manuskripten. Von den letzterennennen wir nur: Die eigne Handschrist Luthers von seiner Bibel-übersetzung; Hans Sachs Gedichte, Originalhandschrift! Scenenaus Göthe's Faust, in seiner eignen Handschrist; Schiller'sWallen stein, eine von seiner Hand corrigirte Handschrift; Lessing'sEmilia Galotti, eigne Handschrift; Briefe des großen KurfürstenFriedrich Wilhelm von Brandenburg und Friedrichs des Großen;auch eine von dessen eigner Hand geschriebene, für die berühmte Sän-gerinMara von ihm selbst eingerichtete Arie; BrieseWinkelmanns,Melanchthons, Luthers, Catharinas der Großen, u. s. w.Unter den Schön drucken wollen wir nur den der italienischenClassiker auf Ziegenpergamcnt nennen, wo jedes Blatt ein Ziegen-sell gekostet hat, ein Druck der für den schönsten in der Welt gehaltenwird, und der, obgleich die Ausgabe groß Folio ist, durch die Lupe be-trachtet, nock einem Kupferstich gleicht. Laetitia Bonaparte verkauftediese Prachtausgabe, deren Herstellungskosten ungeheuer waren, für AllThaler! Aus der neuesten Zeit ist der Druck der Werke Friedrichsdes Großen, deren Ausgabe der König veranstaltet hat, das schönstewas typographische Kunst geleistet hat; besonders ist das Papier daznunübertroffen. Auch das Modell der ersten Luftpumpe, von Ottovon Gericke in Magdeburg erfunden, befindet sich auf der Bibliothek.Dieser für eine Büchersammlung seltsame Gegenstand gehörte eigentlichin die Kunstkammer, allein es sind mit demselben die Bücher des be-rühmten Physikers in ein Legat verbunden, und so das physikalische In-strument in die Bibliothek gelangt. Komischer Weise befinden sich ineinem englischen Reisehandbuch die Metallglockcn, welche zu dieser Luft-pumpe gehören, als die Barbierbecken Karls V, bezeichnet, und reisendeEnglander schauen sie mit Andacht als solche an.

Inzwischen genügt doch der vorhandene Bau den Bedürfnissen nichtmehr. Sowohl eine größere Räumlichkeit wird gefordert, als einein manchen Beziehungen vortheilhaftere. Seit langer Zeit ist ein Neu-bau im Werke, doch immer wieder verschoben worden, und, unseresWissens auch noch kein bestimmter Entwurf dazu gemacht, kein festerPlan gefaßt. Es ist der Borschlag gemacht worden, in der Nähe derUniversität, in der Univcrsitätsstraße, ein neues Gebäude zu errichten.Doch sachkundige Stimmen haben sich gegen diesen Platz erhoben, alseinen, der zu wenig Licht und Luft für das Gebäude zugelassen würde.Der Bibliothekar U>. Spiker hat vor einigen Jahren, in lichtvollenAussätzen der von ihm redigirten Spenerschen Zeitung, nachgewiesen,wie schon die jetzigen Räume ver Bibliothek, der Aufbewahrung vonBüchern und Manuskripten unzuträglich seien, weil sie nicht hinlänglichgelüftet werden könnten, und daher Papier und Pergament zu starbenbegönnen. Noch mehr aber würde dies in einem Neubau der Fall sein,der an sich immer schon schädliche Feutigkeitcn enthält, zumal falls die-ser in eitter engen Straße vorgenommen würde. So viel ist gewiß:Ein neues Bibliothekgebäude ist sehr wünschenswcrth für die vorhande-nen Bücherschätze, und für Berlin; und eben so wünschenswerth alsdaß ein neues entstehe, ist es, daß das alte verschwinde, und einemandern, zu andern Zwecken Platz mache. Denn die Bibliothek wiederdorthin zu bauen, wäre einesthcils nicht thunlich, weil man, so langekein Neubau da ist, das alte Gebäude conserviren muß, indem ohne dieunermeßlichste Mühe und Kosten ein temporaires Ausquartieren diesergelehrten Bücherbesatzung unmöglich ist; anderntheils würde der Bau-platz auf der alten Stelle zu eng sein. Endlich ist derselbe ein ge-fährlicher, durch die Nähe des Theaters. Denn bei dem Brandedes Opernhauses 18. August 1843, war die Bibliothek in der äußerstenGefahr, und nur die gemeinsame Anstrengung der Beamten vieler pa-triotischen Mitbürger, und der glückliche Umstand, daß der Wind dieFlammen nicht auf das Gebäude zu trieb, rettete diese unersetzlichenSchätze. Theater sind aber bekanntlich so leicht brennbar, fast keine Feuer-Versicherungsgesellschaft sie in ihren Assekuranzen aufnimmt. Ein neuerTheaterbrand wäre darum nichts Unmögliches, und könnte zugleich ein Bi-bliothekbrand veranlassen, ein Schaden, der nicht durch Geld zu ersetzen ist.

Der nächste Nachbar der Bibliothek ist das Palais des Prinzenvon Preußen. Die Entstehung dieses Gebäudes gehört der neuerenZeit an. Es stand früher auf derselben Stelle, zum Theil mit denselbenMauern, ein kleines, architektonisch wenig schönes Palais, welches zurWohnung des Gouverneurs von Berlin diente. Früher hatte esdem Markgrafen von Schwedt zugehört. Im Jahr 1834 aber wurdebeschlossen, dasselbe ganz umzubauen, es mit andern Gebäuden, die vonden Linden, nack welche» es die Hauptfront hat, bis zur Behrenstraßedurchgehen, in Verbindung zu setzen, und es so zur Wohnung für denPrinzen Wilhelm, Sohn des Königs, jetzigen Prinzen von Preußeneinzurichten. Der Bau wurde dem Geheimen Oberbaurath Langhansübertragen, demselben welcher später das neue Opernhaus erbaut hat.Dieser löste die Aufgabe im edelsten Geschmack. Von außen hat dasGebäude ein imponirendcs Ansehen. Ein auf vier Säulen ruhenderbreiter Balcon springt aus der Mitte der Front hervor, und unter dem-selben befindet sich eine breite Rampe mit der Auffahrt zum Eingangedes Gebäudes. Die Hauptfront ist der Lindenpromenade zugewendet,und unmittelbar vor den Fenstern derselben, wird sich binnen Kurzemdas Denkmal Friedrichs des Großen erheben, die Säulenfrontzur Linken (des Beschauers) wendet sich nach dem Opernplatz, undstößt dicht an das Bibliothekgebäude. Sie hat nur drei Fenster, abervon außerordentlicher Höhe und Breite, während die Hauptfront derendreizehn hat; der andere Flügel des Hauptgebäudes geht in eine engeSeitengasse hinab, welche zu den Hintergebäuden nach der Behrenstraßehinaus führt, die mit dem Palais in Verbindung stehn. Sowohl dasVerhältniß der Fenster, des Balkons, und der ihn tragenden Säulenzum Ganzen der Front, so wie die schöne Construktion des flachenDaches mit einem das obere Stockwerk zierenden Gesims, geben demGebäude, bei der vollkommensten Einfachheit des Stils, doch eine höchstglänzende Außenseite. Die kleine Seitenfront nach dem Opernplatz istmehr in der Weise Schinkels aufgefaßt, der allen seinen Bauten stetseinen so malerischen Anstrich zu geben wußte. Hier nämlich wird dasuntere Stockwerk durch eine breite, vorspringende Laube verschönert, dieeinen Perron deckt, auf den man unmittelbar aus dem Wohnzimmerdes Prinzen gelangen kann, und deren schlanke Säulen und Ucbergittcrungdurch anmuthiges Grün umrankt werden. Ein ganz kleiner Gartenbildet gewissermaßen einen grünen Fußteppich, auf welchem dieser Theildes Gebäudes steht.

Die Räume im Innern sind durchaus geschmackvoll und glänzendzugleich. Im untern Stockwerk, links vom Eingang wohnt der Prinz;gegenüber sind die Zimmer der prinzlichen Kinder und Erzieher. DiePrinzeß von Preußen bewohnt die obere Etage. Diese bietet zunächsteine prächtige Enfilade von Zimmern in der Front nach den Lindendar. Von dort aus aber beginnt erst hgs eigentliche Gesellschaftslokal,welches sich in einer Kette von schönen Sälen, die durch Marmor, Ver-goldungen, Plafondsmalereien, und prächtige Draperieen geschmücktsind, bis in die nach der Behrenstraße hinausgehenden Gebäude hinzieht.Besonders ist ein schöner Kuppelsaal mit einer Säulcngallerie merk-würdig, der zum Haupttanzsaal oder Conzertsaal bei großen Soir.'endient. Auf die Ausstattung und Einrichtung der Zimmer ist aller Luxus,den die neuere Architektur und die mit ihr in Verbindung stehende In-dustrie nur ersonnen haben, verwendet. Die Thüren, die Fenster, sindin den edelsten polirten Hölzern gearbeitet, und wahre Kunstwerke derTischlerei. Eben so das Ameublement, die Tapezierarbeiten u. s. w.Und doch ist der Grundsatz festgehalten worden. Alles von einheimischenArbeitern, und fast durchweg auch von einheimischen Stoffen und Holz-arten fertigen zu lassen. Es ist dies mit aus dem Wunsch und Willendes Prinzen und der Prinzeß hervorgegangen, welche stets mit wahrerLiebe zur Heimath die vaterländische Industrie ganz besonders gepflegtund in Sckutz genommen haben. (Diese Gesinnung ward ihnen, wirwerden gleich erzählen wie, bei dem Ausbruch der Revolution im Jahr1843 wenig gelohnt) Das Palais des Prinzen von Preußen bietet näm-lich ebenfalls einen jener denkwürdigen Schauplätze der Rcvolutions-scenen dar, wo dieselben die eigenthümlichste Gestaltung annahmen, (sobarock, daß das Abscheuwerthe hart ans Komische grenzte.)