Druckschrift 
10 (1852)
Entstehung
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prachtvolle Theater, einladende Vergniigungssäle und Lustgärten, sie alle treten in ihren äußerenFormen und architektonischen Umrissen sprechend vor unsre Blicke und haben noch dazu in der bei-folgenden Beschreibung einen tüchtigen Cicerone gefunden. Unter diesen beredten Zeugen des inBerlin waltenden Geistes hat die Statue des Königs Friedrich III. im Thiergarten in ihrer anspruch-losen Einfachheit etwas wahrhaft Rührendes und muß die Sicherheit, mit welcher der thatenreichegroße Friedrich, den das Volk in liebevoller Zutraulichkeit nur seinen alten Fritz genannt, über densich drängenden Bestrebungen des Kriegs und der Wissenschaft, des staatlichen und des gewerblichenLebens als ruhig fester Beherrscher des zur Macht und Größe erhobenen Reiches hoch auf stolzemRoß erscheint, als höchst treffend bezeichnet werden.

Die Fahrt kaum Eines Tages versetzt uns nach Erfurt. Diese an Kirchen und Thürmenreiche, schon in der Heidenzeit erbaute Stadt sah große Erscheinungen in ihrer Mitte> Bonifacius,der ihre erste christliche Kirche gegründet, hohenstaufische und Habsburgische Kaiser, Reichstage inalter und neuster Zeit, Verkünder von Bann und Znterdict, Universitätsstiftung, blühenden Handelzur Zeit der Hansa, den Bußprediger Capristrano, welcher der üppigen Bürgerssranen eitlen Putzund Tand ans offner Straße verbrannte, Luther, dem hier in seiner Zelle das Licht der reinenChristuslehre ausging, Fenersbrünste und Bauernkrieg, den Schwedenkönig Gustav Adolf, welcher derprotestantisch gesinnten Bürgerschaft seine Gemalin anvertraute und hier den letzten Abschied von ihrnahm. Doch die frühere Größe ist verschwunden, und die tiefen Klänge der Naiia ^loriosa vondem Dom herab vermochten die alten Herrlichkeiten nicht mehr zurückzurufen.

Beim Besuch in Münster bemühen wir uns, die Gräuel der Wiedertäufer, die traurigeBeendung eines noch traurigeren Krieges und manche Handlungen religiöser Unduldsamkeit zu ver-gessen, und erfreuen uns an den reichgeschmückten Gotteshäusern und weltlichen Gebäuden, die unsernKünstlern einen so ergiebigen Stoff zu anziehenden Bildern dargeboten haben.

Darmstadt, den 2l). Juni 1852.

K. W,