Druckschrift 
9 (1851)
Entstehung
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Borwort zum neunten Bande.

Ihr Freunde, lebet wohl!Aus, meine Gelreu'n, wir ziehen ins freundliche Tyrol;

Zwar heißt's ein Bauernkittel, doch lernte schon mancher Mann,Daß in den rauhen Falten man's Herz recht wärmen kann!"

Graf v. Auersperg.

-^er Süddeutsche ist meist durch die Güte der Mutter Natur iu Rücksicht auf Schönheit seinesLandes so sehr vor dem Norddeutschen im Vorzug, wie der, dem der Herr das Brot im Schlafegibt, von dem, der es sich sauer erringen muß. Namentlich hat Gott den Tyroler und den Bewohnerdes reichen Salzkammergutes, zu deren Heimat und Ansiedelung wir hiernächst treten, in eine Weltvoll Reiz und Lust gestellt. Doch wie der Herr im Himmel den unnützen Knecht verwirft, dem ervergeblich sein Pfund geliehen, so verlangt auch das wunderherrliche Bergland eine volle Mannes-kraft, um nicht vor seinen Schrecken und Gefahren zurückzubeben und unter seineil Mühen undDrangsalen zu erliegen. Grüne Thäler zwischen hohen Felswänden, der Horizont rings umsäumtvon Gebirgen, die mannigfaltig in Formen und in Farben sind, rauschende Waldströme, starke Wetter,weit hallende Donner; Stürme fällen die ältesten Eichen, Lawinen drohen und stürzen, Glätscher rückenvor. So lehrt die Natur ihre Bewohner mit Gefahr und Tod zu scherzen, doch an heitern Tagenweckt sie die Lust, zn singen und zu jagen. Sie stärkt der Sehnen nnd der Sinne Kraft, sie bildetfestes Mark der Knochen, sie nährt in den Herzen die Liebe zur Freiheit und die Gottesfurcht.Wer da will Männer sehn," sagt Tieck,geh' ins Tyrvlerland, wie sie so mutig stehn an ihrerFelsenwand. Das Auge kühn und frei, freundlich der Mund, frech nicht, doch ohne Scheu, stehnsie frisch und gesund". So sind sie rüstig von Körper, warm und treu von Gemüt, haben sich alsunermüdliche Helden in vaterländischen Kämpfen oftmals bewährt und bringen, wenn ihr Sinn aufdie Wissenschaft, ans die Thätigkeit des scharfen Denkens gelenkt wird, dieselbe starke Willens- undGeisteskraft herzn, welche sie nach ihres Landes Natur gewöhnlich dem landwirtschaftlichen- undJägerleben widmen. Für Jenes sprechen schon die Namen Josias Schmid, Pestalozzi's liebsterSchüler nnd Gehilse, Sylvester Jordan, Fallmerayer, Beda Weber.

Sei's daß die schöpferische Natur, oder die kunstvolle Hand sinniger Menschen eine Gegendsehenswürdig gemacht, sei's daß eine That, oder ein großer Eingeborner einem Ort einen geschicht-lichen Namen gegeben, jeder der uns hier in. Bilde dargestellten Punkte zieht uns mächtig an.