Stille seines begnadigten Geistes entdeckte, Hier sprach er mit einer getrostenFreudigkeit: „„ich bitte Gott nicht nm ein längeres Leben; er hat mich langegenug leben lassen, ich bin fertig zum Aufbruche, ich fürchte mich nicht vor demTode; denn Christus hat dein Tode die Macht genommen und das Leben nndein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht! ich habe zwei Stützen, aufweicheich mich verlaße, die allgemeine Gnade meines Himmlischen Vaters und dasallgemeine Verdienst meines Göttlichen Erlößers; nun soll mir's, unter demgnädigen Beistände des heiligen Geistes, an einem seligen Ende nicht fehlen.""
Diese edlen erhabenen Gesinnungen blieben anch da stets in seiner ge-heiligten Seele lebendig, da es das scheinbare Ansehen hatte, als ob ihm derHErr und Vater nnsers Lebens seine Tage, nach dem gerechten Wunsche allerRedlichen, noch länger fristen würde. Mitten in seiner stillen Freude undVergnügung sprach er noch den Tag vor seiner seligen Auflösung! „„Bei mirheißt es! rühme dich nicht des morgenden Tages!"" Und da er bey dem an-brechenden Morgen eine geschwinde und ungewöhnliche Veränderung in derzerbrechlichen Hütte seines morschen Körpers vermerkte, so waren dieses dielegten Worte, welche dieser sterbende Gerechte, mit einer stammelnden Junge,noch vorbrachte: „„ach! Gott, es gehet etwas Großes mit mir vor; ich binbereit, mein Gott, schicke es mir, wie Du willst!"" Und als er das gesagt,entschlief er.
Müssen wir nicht hicrbey ausrufen: wer so stirbt, der stirbt wohl! Großan Verdiensten, hoch an Iahren, verläßt er diese böse Welt! ein schnell nndselig Sterben ist schnell und selig Erben, dos schönen Himmels Freudcnsaal.Er ist geschwind und glücklich durch das finstre Thal dos Todes hindurch ge-drungen! Er ist bald und glücklich aus der Angst und Gerichte genommen,wer will nun seines Lebens Länge ausreden?
Diese trostreiche Betrachtung kann das zitternde Herz der tiefgebeugtenFrau Gemahlin, der Hochwohlgebohrnen Frau, Frauen Fricdcrickcn Henriettenvon Tümpling, einer gcbohrnon Freyin von Schwan, des noch lebendeneinigen Herrn Bruders, des Hochwohlgebohrnen Herrn, Herrn Christian Gottlobvon Tümpling, Erb-, Lehn- und Gcrichtshcrrn auf Boblaß nnd Neidschlltz, dergleichfalls noch lebenden einigen Frau Schwester, der verwittbcten Frau Stall-meistern! Johannen Eleonoren von Nißmitz, nnd anderer hohen Anverwandtenund Leidtragenden kräftig erquicken und aufrichten.
Es ist wahr, dieser schnelle Tod entreißt Ihnen einen zärtlichen Gemahl,mit welchem Sie qo Jahre in einer vergnügten Ehe gelebt haben, einen lieb-reichen Bruder, einen redlichen Freund, einen andern Vater, und die Ge-schwindigkeit dieser schmerzhaften Trennung verdoppelt mit Recht den Jammerin Ihren Herzen, die Thräne» in Ihren Augen. Sie gehen hin nnd weinen,denn der Herr hat es Ihnen geheißen, denn unser würdigster Herr Domprobstverdient reiches Maaß liebreicher dankbarer Thräne».
Allein auch hier hegt Ihr guter Gott gegen Sie gute Absichten. Auchhier können Sie, mitten unter Ihren gerechten Thräncn, mit einer durch diegöttlichen Tröstungen ergötzten Seele, freudig rühmen: Denen die Gott liebenmüssen doch alle Dinge, auch selbst der Tod, anch selbst der schnelle und Plötz-