Druckschrift 
3 (1719) Von dem alten und neuen Africa
Entstehung
Seite
110
Einzelbild herunterladen
 

110 Des fmjffcen Vuch>s dzp. X.

Die Gärten sind sehr groß, und alle mit Mauren sammt den Spatzier.Gangen und Gemachern eingeschlossen, in denen es sehr schöne und unge.meine Blumen hat, unter denen der Herr vclbäs zwey »oder dreyerley Gat»tungen Lilien angemercket. Die Baume darinnen sind in schöner Ordnung,und nach der Kunst gepflantzet.

Von dem König zu Ardrcs.

^Bschon die Lander des Königs zu Ardres sich gegen dem Ufer desMeers nicht sehr weit hinaus erstrecken, so breiten sich dieselbe dochgegen dem vesten Lande zu weit aus, und haben in viel Wohnungen,so, daß dieser König eine Armee von viertzig rausend Mann auf die Bestebringen kan.

Der Herr Oelbäe sagt, daß der Konig, welcher An. 1669. daselbst re»gieret, oder geheissen habe, und sehr schön von Pechn,

und einer wohl.proporcwmrten Leibes»Grösse seye. Er Hesse damahls achtzigJahr zu seyn geschienen, wäre guten Verstands, hurtig mit antworten, undeines freyen und freundlichen Gemüths. Als oberwehnter Herr O-lbc- dieEhre gehabt, ihme auffzuwarten,und eine ^uckentz zu haben, ist solches in ei»nem Garten des Pallastsgeschehen, allwo dieser König in einem bedeckten Gangunter einem Himmel von Damast gesessen. Er war mir zweyen PerstanischenRocken , einer über den andern, angethan, worunter der untere Rock vonBasset, der obere aber zerschnitten, und der übrige Leib bloß gewesen, aus»genommen, daß er um denselben eine grosse Dassetc Schluppe in Gestaltestnes Köchers, gebunden gehabt. Das Haupt habe er mit einer verbrämtenHauben mit einem langen Schweifs bedeckt, über welche eine Crone, vonschwachem Holtze, welches einen sehr guten Geruch von sich gegeben, gc»leget gewesen. In seiner Hand hatte er etwas wie eine kleine Rutbe gehcä«ten, deren Stiel gar artlich gemacht war. Die Schuhriemen sind dem A»sehen nach, von Linnen oder Seyden gewesen.

Dieser König wird von seinen Unterthanen in so hohen Ehren gehalten,daß niemand, ausser dem Groß^dtts^stoul, sich unterstehet, vor ihm zu er»scheinen, er falle denn aus die Erde nieder, und darss auch seine Augen nichtauffheben, ihn anzuschauen, er werde dann gefragt, und ihme zu antwortenverpachtet.

Dieter König hat einen Sohn, der sehr wohl gestalt, eines Majestatstsehen Altsehens, und von starcker Leibes»Grösse ist. Derselbe wird von seinesVaters Unterthanen gefürchtet und geiiebet, und war, als der Herr Dell?«-zu ArdreS gewesen, bey ,5.Jahr alt.

Anno