Druckschrift 
8 (1850)
Entstehung
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dessen Name nachher in Loz oder Chloz verändert worden wäre; nochandere Ableitungen befriedige» noch weniger. Die Stadt hat 4 Thore3 Pforten »nd manche sehenswerthe Gebäude; hier ist ein königlichesSchloß, ein katholisches Gymnasium, ein Seminar und eine Bürgerschule,außerdem 7 Kasernen, l Militärlazareth, 2 Getreidemagazine, 5 Kirchenund 3 Bäckereien. Bekannt sind die Bierbrauereien und die Branntwein-brennereien der Stadt; Fabriken in Tuch. Damast. Leinwand, Leder.Plüsch und Tabak finden sich daselbst; der Groß- und Kleinhandel, durchGarn-, Getraide- und Leinenmärkte unterstützt, ist nicht unerheblich. DieZahl der Häuser mag über 800. die der Einwohner 8400 betragen.Glaz liegt auf beide» Ufern der Neiße; auf dem rechten Ufer die eigent-liche Stadt »nd die alte Festung; über den Fluß führe» 2 Brücken undt Steg. Die Straßen der innern Stadt sind abschüssig, räumiger dieder Vorstädte, von welche» eine die Frankcnstciner heißt. Zu den ältestenGebäuden der Stadt gehört die katholische Pfarrkirche, sie soll schon 995aus Holz gebaut worden sein; im I. >137 kam an deren Stelle einesteinerne, die Il44 schon einmal abbrannte. Zur Zeit der Reformation,als die neue Lehre auch hier Wurzel faßte, ward diese Kirche zugleichmit der Malteser Probstei den Evangelischen überlassen, welche sie aberin dem Nnglücksjahre des 30jähr. Krieges 1023 den Jesuiten geben muß-te». die hier schon vorher Eingang fanden. Das ehemalige Franziska-nerkloster an der Neiße wurde von Heinrich von Münsterberg, dem SohneGeorgs von Podiebrad, 1470 gebaut; er wollte hier begrabe» sein.Mehrere Herzoge von Münsterberg fanden ihre Ruhestätte in der katho-lische» Stadtpfarrkirche. Die bedeutendste Merkwürdigkeit von Glaz istdie Befestigung; die alte Festung heißt auch Schloßberg, die neue aberSchäserberg. Die Stadt ist unten mit einfacher, die obere Stadt mitdoppelter Mauer umzogen, um beide läuft ein tiefer Wallgraben. der un-ter Wasser gesetzt werden kann. Unmittelbar über der Stadt, auf demlinken Uier der Neiße, liegt die Citadelle, init dreifacher Enceinte befestigt.Der höchste Punkt derselben ist auf dem Thurme des Donjon, mit einerHöhe von 1117', von wo herab man eine herrliche Aussicht genießt. Aufdem rechten Ufer des Flusses zeigt sich der Schäferberg, von Friedrich demGroßen befestigt; er hat eine doppelte Enceinte. Den Boven zwischenBeiden kann man durch Spannen der Neiße unter Wasser setzen. Vorder Stadt auf beiden Ufern des Flusses befindet sich noch in Halbmond-form der sogenannte Kranich und ein theils aus offenen, theils ausgeschlossenen Werken bestehendes festes Lager, welches die Belagerer hin-dert, die Stadt selbst zu beschießen und welches 010.000 Man» einefeste Stellung gewährt. Aus vem Allen erkennt man die Wichtigkeit derFestung Glaz, die wirklich einen Hauptpaß deckt.

Aus der Geschichte der Stadt mag Folgendes bemerkt werden:

Glaz ist angeblich unter König Heinrich I. an die Stelle gebaut'wo früher schon ein Flecken Lueca gestanden haben soll. Nach demböhmischen Chronisten CoSmas, der hierher ein festes Städtchen setzte,war es schon um 981 gegründet und damals nicht unbedeutend. AlsGrafschaft gehörte Glaz nachher zu Böhme», wurde aber im I. >164 bei

einer Theilung von den Söhnen Wratislaws II. zu Breslan geschlagen,von diesem scdoch an verschiedene Familien und zuletzt wieder an Böh-men als Eigenthum überlassen. So kam es nachher im Jahr 1331unter Heinrich VI., Herzog von Breslau, an Breslau als Lehen, 1335fiel es zurück und wurde schon 1341 den Herzogen von Münsterberg zuLehen gegeben, welche es auch bis in das 16. Jahrhundert besaßen.Mehrmals im Dränge der Zeit versetzt, wurde es endlich 1579 vonBöhmen wieder eingelöst. Allein Ferdinand II. schenkte es dem Bischofvon Breslau, dem es auch verblieb, bis es 1742 bei der Abtretung vonSchlesien an Preuße» kam. Im I. 1700 belagerte es Laudon undnahm sogar die Citadelle am hellen Tage durch lleberfall ein, weil erbemerkt hatte, daß die Wachen sehr nachlässig im Dienste geworden waren.Friedrich der Große ließ später die Werke bedeutend verstärken, und, wiebereits angeführt wurde, auch den Schäserberg bauen. Im I. 1807 be-lagerten es zugleich Baiern und Würtemberger; sie erstürmten auch dasverschanzte Lager, als aber die Festung eben übergeben werde» sollte,erfolgte der Abschluß des Friedens. Auch früher schon hatte Glaz mehre-mal Belagerungen ausgehalten und nicht immer glücklich. Im I. 1037nahm Kaiser Konrad die Stadt ein und ließ alle Bürger niederhauen;1049 belagerte sie Heinrich III.; Sobieslaw von Polen zwang sie zurUcbergabe, nachdem er sie in einen Schutthaufen verwandelt hatte, aberdie Hussiten (>428) und die Breslauer (>470) belagerten sie vergeblich;1622 ward sie von den Kaiserlichen gewonnen. Bewundcrnswerth sinddie mit unsäglicher Mühe in die Felsen gearbeiteten Bollwerke. DerLieblingsheilige von Glaz, der heilige Nepoiuuk, findet sich auf allenBrücken und selbst auf dem Schloßthurm Douson bemerkt man eine Bild-säule desselben, die Friedrich II. aus Toleranz stehen ließ. Zu den altenWahrzeichen der Stadt soll eine Trommel, mit der Haut des Ziska über-spannt, gehört habe»; man weiß übrigens, daß ähnliche Trommeln inmehreren Städten von Böhme» vorgezeigt wurden; es würde daher ebenso schwer sein, die ächte auszusinden, als die ächte eiserne Hand desBerlichingen, die bekanntlich auch an einigen Orten in Süddeutschlandzugleich aufbewahrt wurde. Glaz liegt den bedeutenden Städten vonSchlesien nicht so nahe, denn man hat bis Breslau 11 Meilen und über6 Meilen bis Schweiduitz, aber man kann doch von Glaz aus sehr be-lohnende Ausflüge unternehmen. So hat man 2 Meilen westlich nachReinerz, wo bedeutende Industrie und Mineralquellen; 2 Meilen süd-lich liegt Habelschwert mit Fabriken. Ei» schöner Weg durch Wiesen,an Bergabhängen vorüber »nd durch Thäler geht 2 Meilen in hl. W.nach Albendorf, cuiem sehr berühmten Wallfahrtsort, dessen Kircheseit 1218 besucht wird und wo jährlich an 80,000 Gläubige aus Böhmen undSchlesien eintreffen; zur Kirche führen 33 Stufen. Auch Wartha, wo-selbst ei» wunderthätiges Muttergotlesbild, wird im Jahre von etwa40.000 Pilgern besucht; die große Orgel daselbst, eine der schönsten inSchlesien, ist ein Geschenk Friedrichs des Großen, 1760.

Sehr belohnende Ausflüge macht man auch in das Gebirge.