Druckschrift 
8 (1850)
Entstehung
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Vorwort zum achten Bande.

Zn fester Mauern Mitte blüht eine frische Welt,

Da ward die milde Sitte zum Wächter wohl bestellt;

Die hat gar treu gehütet den anvertrauten Schatz,

Als rauher Sturm gewütet, stand sie an ihrem Platz.

M. v. Schcnkendorf.

^nter den 18 norddeutschen Städten, zu denen uns dieser Bond hinfürt, ist keine Welt-stadt, keine Residenz eines Fürsten, kaum eine und die andere, die nach ihrer Seelenzal zn dengrößeren in Deutschland gehört. Aber eine jede schließt eine Welt von Ergebnissen, von Thatenund Bestrebungen, von Eigenthümlichkeiten und merkwürdigen Persönlichkeiten ein; mehrere sind derSitz von Kunst und Wissenschaft gewesen, in andern hat der Gewerbsfleiß seine Stätte aufgeschla-gen, in fast allen ist ein kühner freier Geist in den Bürgern zu Tag getreten, eine jede hat ihreglänzende Zeit in der Geschichte erlebt. Es konimt nur daraus an, daß sie ihren Macchiavelli oderZustus Möser findet, und so stellt sich, wie an der kleinsten Blume des Schöpfers Größe, so injeder Stadtgeschichte die menschliche Natur in ihrer Vielbegabtheit zu wirken und zn dulden dar.Zum Belege meiner Behauptung diene die erste Stadt, zu der wir in diesem Bande treten. DerName Soest ist fast verschollen, die Zal seiner Bewohner aus 8- 0000 geschmolzen. Geht indie frühere Zeit zurück und ihr findet innerhalb der riesigen Wälle und Thürme derselben Stadt40,000 freie Bürger in lebenskräftigster Regung; ihr Stadtrecht diente andern Gliedern der Hansa,selbst den Lübeckern und Hamburgern zum VMilv;- ihre Handelsflagge wehte aus fernen Meeren,der Mut ihrer Bürger und die Festigkeit ihrer Mauern trotzte (1447) den Stürmen des mit60 80,000 Mann sie belagernden Erzbischoss Dietrich von Cöln. Schon dieseSoester Fehde"allein, in der fast ganz Westfalen aus des Bischofs Seite stand, bietet ein sehr lehrreiches Bild darwie von der damals unmenschlichen Kriegessitte, so von dem nnerschrocknen, bis zu Leidenschaftund Fanatismus gesteigerten Freiheitssinn der Städte gegenüber dem willkürlichen Bedrückungsge-lüsten der geistlichen Herrscher. Der Erzbischof wollte die beschwornen Rechte der Stadt antastenund ihr eine Schätzung auferlegen; da wagte es die einzele Stadt, ihm einen Absagebrief zu sendenund zum Kamps herauszufordern. Zn dem Heere Dietrichs trugen besonders seine wilden Hordenaus Böhmen allen Druck des Kriegs und alle Gräuel einer türkischen Barbarei in das friedlicheWeichbild. Vergeblich wurden Gefangene geschändet und gemordet; die Bürger blieben standhaft.Da nahm der geistliche Herr zu einem ganz eigenthümlichen Schrecknisse seine Zuflucht. Er ernnnerte sich wol der Schakale des Simson oder der feuertragenden Stiere des Haunibal und ließplötzlich eine große Menge von Katzen, denen Feuerbrände an die Schwänze gebunden waren, indie Stadt hinein jagen. Aber auch das fruchtete Nichts; die wachsamen Bürger trieben die rasen-den Thiere ins Lager ihrer Absender zurück. Beim Hauptsturm endlich gössen die Soester Weiberden Böhmen siedende und brennende Stoffe auf die Köpfe, und der freiheitsfeindliche Erzbischofwurde mit Hilfe des Herzogs Johann von Eleve zum schimpflichen Abzug genötigt. Die kirch-liche Reformation konnte in einer so freisinnigen Stadt wie Soest nicht ohne mächtigen Anklang, diegewaltsamen Mittel, sie zn unterdrücken, nicht ohne die heftigste Aufregung bleiben. Ein angesehenerBürger der Stadt, ein Gerber, welcher für die neue Glaubenslehre geeifert, wurde von der Obrigkeitverhaftet und zum Blutgerüste geschleppt. Das Schwert des Scharfrichters verfehlte die rechte Stelle;da zerriß der Reformator, wiewol im Rücken furchtbar verwundet, in der Wut seines Schmerzes