Knieeil lagen und für ihre Throne bangten, zu Joseph, weil dieser die unveräußerlichen Menschenrechtezur Geltung bringen wollte, sich bequemen und nach vierwöchigem Bitten und Beschwören fruchtlosvon dannen ziehen sah; und zum dritten, als sich die frei erwählten Vertreter aller Landestheile(nur die Italiener fehlten, die man damals noch mit Musketen und Kanonen zum Staatsverbandezwingen mußte, und die Ungarn, denen der Kaiser selbständige eigne Verwaltung zugesagt) als, sag'ich, der Reichstag in Wien zusammentrat, eine freie Verfassung zu gründen, und sich durch keineVerlockung und keine Schrecknisse von keiner Seite zu überspannten Forderungen oder maßlosen Be-schlüssen bewegen ließ. Jenen sonnigen Tagen folgten freilich scbwarze nach, als Kaiser Leopold demRetter Wiens mit schnödem Undank lohnte; als Joseph, todesmüd vom Kampf gegen Pfaffen und Adel,ausrief: „Ich sterbe, ich müßte von Holz sein, wenn ich nicht stürbe;" als ein czechischer Fürst mitdem Banns der Kroaten über Leichen und Trümmer in die zerschmetterte Stadt einzog und — zu-wider dem Gebote selbst des römischen Soldaten, Unterworfene zu schonen (bellunte prior, iucentomlenis in Iioswm) — gegen Beruhigte und Waffenlose das Standrecht zu üben begann. Solch eineStadt, an welche die Geschichte Deutschlands auf fast jedem Blatte geknüpft ist, solch ein Land, dasan Siegen und an Ehren reich so kernhaste biedere deutsche Gesinnung hegt, ans dem Reichsver-band abgeschieden zu sehen, kann kein patriotisch Herz verwinden, und die Folgen, fürcht' ich, werdenso unselig sein wie beim Luneviller Frieden; da man die eine Hälfte des Rheinlands weggab,konnte man sich auch der andern nicht erfreuen, und in dem Theile fühlte Jeder des Ganzen Ver-lust. Wozu eitle Klagen, wo keine Abhilfe? Noch ist diese nicht abgeschnitten. Sie liegt in derErkenntniß und dem männlichen Willen der Völker. Stoßen die sechs Millionen Deutsche inOestreich die dargebotene Bruderhand nicht von sich, wollen sie nicht lieber mit Magyaren undWalachen sich vereinen, so werden sie im deutschen Bundesstaat ihre ehrenvolle und gedeihlicheStellung finden.
Die letzten Hefte führen uns aus einen andern und doch auch geschichtlich berühmtem Boden.Konstanz, die Römerseste, unschuldig an Hußens Ermordung, zeigte des herrlichen Namens sichwerth, beharrlich im Widerstand gegen Karl's V. Religionsedict, beharrlich, die Freiheit gegen dieSpanier zu behaupten, beharrlich in der Liebe und Verehrung des von der römischen Curie bitterverfolgten edlen Wessenberg. Und wer kann unserer staatlichen Wiedergeburt gedenken, ohne anzu-erkennen, daß von Frcibnrg, Karlsruhe und dem ganzen badischcn Volke dem ganz Deutschlanddurchdringenden heißen Verlangen nach Freiheit der erste und lebhafteste Ausdruck gegeben wurde,dem Freiheitsdrang?, der sich wie ein Bergstrom unaufhaltsam durch alle deutsche Gauen Bahnbrach, der nicht naturwidrig gehemmt, aber gehörig gedämmt den jetzigen und den kommenden Ge-schlechtern zum Segen werden muß. So treten wir denn mit nationalem Gefühl ein in die vomKünstler trefflich ausgewählten Räume, die das Gepräge von Gottes großer Schöpsungskraft undder Menschen ans Weisheit und Thorheit gemischter Natur an sich tragen.
Darmstadt, den 15. Dezember 1848.
vi. Karl Wagner.