Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
467
Einzelbild herunterladen
 

467

„nehmung der neuen Grevenwahl, welche durch zwey anwesende„Notarien und zu mehrerem künftigen Beweis nicht, wie sonst,„blos mit Strichen, sondern mit Beysetzung des Namen eines jeden„Stimmenden bewürbet werden wollte," und man verlangte zudem Ende von dem noch anwesenden Bürgermeisterdiener Driessen,„dass er das zu Stillung aller Unruhen erforderliche Friedgeboth *)„ankündigen solle; dieser wollte sich aber, alles dreymalig wieder-„hohlten Gesuchs ungeachtet, darum darzu nicht verstehen, weil,„wie er sagte, Herr Grev Nicolai und Herr Schillings ihm solches„scharf untersagt hatten. Hierüber waren alle Zunftgenossen sehr„aufgebracht, erklärten sohin, keines Friedgeboths zu bedürfen,„weil sie sich ohnehin friedlich zu betragen gedächten und nie„Unruhen und Unordnungen zu stiften im Schilde führten, und„so wurde, aller im Weg gelegten Hindernissen ungeachtet, die„Wahl ingefolg der Tags vorher von den Greven geschehenen„Ansagung, Konslitutions-mässig, ruhig und auf besagte Art mit„Beysetzung des Namens eines jeden Stimmenden vorgenommen„und fiel mit einem grossen Uebergewicht von Stimmen**) zum„Vortheil der neuen Parthey aus."

§. 112. Hierauf liess Herr Bürgermeister Dauven ganzungesäumt eine ausserordentliche Versammlung des kleinenRaths ***) auf den künftigen Tag ansagen, und in dieser solltenun der Verlust der Krämergrevenwahl wieder gut gemacht unddie Rathswahl eben derselben Zunft, welche zugleich mit der erstemauf den folgenden Tag, als den 26ten Junius, angesagt wordenwar, gehemmet werden. So legte nun das sub Num. 77. beyliegendeUeberköminst, welches in dieser andern Tags wirklich gehaltenenkleines Rathsversammlung verfertiget ward, alle bisher angeführteund bewiesene magistratische Mäckeleyen der neuen Parthey zurzur Last und es hiess : „Der hohe Rath nehme offenkundig wahr,

*) Die Ankündigung des Friedgebotts pflegt in Aachen allenvorzunehmenden Wahlen vorauszugehen, und man suchte altpartheyischerScits diesmal durch Versagung desselben der vorzunehmenden noch einHindemiss mehr in den Weg zu legen.

**) • Die neue Parthey hatte in der Krämerzunft so viel Stimmenmehr, dass, obgleich von den obenerwähnten ungültigen Gliedern bis zuder Ao. 1787 vorgekommenen Grevenwahl wenigstens hundert zurStimmfähigkeit gelangten, so wäre dennoch auch damals die DauvensclieParthey um ein paar hundert Stimmen schwächer, und es fiel auch dieseWahl zum Vortheil der neuen Parthey aus, wie solches das von dernoch anwesenden Kraiskommission dabey geführte Protokoll erweiset.

***) Solisten versammelt sich der Stadt Aacliensche kleine RathKonstitutions-mässig und gewöhnlich nur alle Freytag.