Druckschrift 
Hamburgische Wappen und Genealogien
Entstehung
Seite
XIV
Einzelbild herunterladen
 

XIV

Herren Landrichter vr. Caesar Amsinck, Pastor D. Carl Berrheau,Theodor Henry A. Des Arrs, Candrichrer Or. jur. Ernst F. Goverrs,Iac. Gottfried Ianifch, Gustav Theodor I e n c ^ ucI, Dr. ?l. H.Rcllinc; Hufen. Peter -Heinrich sssölting, Dr. pdil. w. Gillcm, ArnoldVers mann, Gtco E. wcstpkal für die Zustellung der von ihnen ge-arbeiteten Gencalogicen ikrer Familien. Im übrigen aber bitte ich umVZ ach siebt. Ein jeder, welcher einige Erfahrung auf dem Gebiete derGenealogie hat, wird etwaige, ganz unvermeidliche Fehler gerecht beurtheilen.Es war mir nicht möglich alle Daten auf ihre Urknndlichkeir hin zu prüfen.Ich habe nur diejenigen Materialien einer Bearbeitung, Berichtigung undErgänzung unterzogen, welche auf wissenschaftlicher Grundlage beruhen undden Stempel der Zuverlässigkeit tragen.5°) Indessen war ich bei Ergänzungenvon auswärts ganzlich auf schriftliche Aufgaben angewiesen, deren Richtig-keit ich nicbr prüfen konnte. Die Auswahl ist ohne besondere Berücksichtigungdcs Alters der betreffenden Familien getroffen; sie zeigt in bunter Folge, wiesicb manche Geschlechter von alccrs her bis zur Gegenwart eine hervorragendeund geachtete Stellung im bürgerlichen Eeben bewahrten, andere durcb dieUngunst der Zeitverhalrnisse und durch Selbstverschulden dies nicht ver-mochten, wahrend wiederum manche aus bescheidenen Anfangen durchTüchtigkeit und Thatkraft sich zu Bedeutung und Ansehen emporschwangen.

Genealogiecn haben nicht nur einen wissenschaftlichen Werth; in allenFamilien, welche Familien-Stiftungen besitzen, sind sie aucb von rein prakrischcr Bedeutung und unentbehrlich.

Indem sie den Rückblick in die Vergangenheit eröffnen, wirken siebelehrend und ermahnend auf die heranwachsenden Geschlechter, wieGoethe das in seiner „Iphigenia auf Tauris" 1 Auszug, Z Auftritt,^Ausgabe 1787) in die schönen Worte zusammen gefaßt han„IVohl dem, der seiner Vater gern gedenktDer froh von ihren Thaten, ihrer GrößeDen Hörer unterhalt und still sich freuendAn's Ende dieser schönen Reihe sich geschlossen sieht!"

50) Nochmals muß ich auf 12h. will). Marnitz hinweisen, welcher Schwindler nicht nur Wappensondern auch Genealogien massenhaft fälschte. 'Ein sehr anschaulicher Fall sind die vor mir liegenden .„Nachrichten über den Ursprung und die Verbreitung des Geschlechtes Biebcr nach den vorhandenenUrkunden und authentischen O.uellen des B. 'Ix. Reichs HosrathS - Gerichts - Archivs in Wien." Die FamilieBieber, eine urkundlich nachgewiesene Genealogie besitzend (mitgetheilt Dheil 2 Seite 41 u. s. f.) bewahrtdie Fälschung zu gel, gentlichen Scherzen. In der That ist der Anfang gleich wie für die „Fliegenden Blätter":

„Das Geschlecht Viewer ist ein uraltes deutsches Geschlecht, welches schon zu 'Baiser Carolo MagniZeiten in der wetterau und in Franken verbreitet und begütert gewesen, vielleicht ist der Orlando de Castro,welcher ums Jahr mich Deutschland zu Baiser Carolo Magno nach 'Aachen gekommen, der ältestevorfahre, wie aus dem Stammbaum der Bieber von Bieberstein erhellet. Aus Castro ist das lateinischeCastor entstanden, welches zu Deutsch Biebcr bedeutet, wahrscheinlicher ist aber die Abstammung desGeschlechtes Biebersron Theuderich, genannt Castor (der Biebcr), welcher Anno 451 in der großen Schlachtbei ChalonS sur^Uarnes gegen 2lttila kämpfte. Das Wappen: der -Bieder aus einem Holzstamme liegendkommt schon im Jahre 9C7 in einer Urkunde Baiser Otto's d. Gr. für Ortavian Heinrich, genannt Castorvor. Dieser war der erste dieses Geschlechtes, über den wir authentische, schriftliche Mach richt besitzen (!)u. s. s." — Moch viele andere Marnitz'schc Fälschungen sind mir vorgekommen, von denen leider mancheals „echt" beschworen werden. 'Er beschränkte sich übrigens nicht auf die besten und besseren Breise: einemczrmen Hausknecht lockte er z. B „12 jute Iroschen" (Marnitz war ein Berliner) aus der Dasche für denMachweis , das; der Hausknecht, Wedekind mit Mamcn, von Wittekind abstamme! — Unabsichtlich befördert,wenn nicht hervorgerufen wurde der Marnitz'schc Schwindel durch die Bemühungen der „biographischenSection des Vereins für Hamburgische Geschichte." Diese Section erließ zu Ansang der 42. Jähre Rund-schreiben an die angesehenen Mitbürger der damaligen Zeit und erhielt aus ihre Bitte um 'Einsendung desWappens und genealogischer Angaben auch eine größere Anzahl „Marnitze", wie die mir vorliegendeSammelmappe der Section beweist. Im allgemeinen war gar kein Interesse für die Bestrebungen derSection vorhanden, deren anerkenncnswerthes Streben deshalb auch im Sande verlief.

AbgeschlossenHamburg Juni 1K92.

Oscar Tesdorpf.