Das Königliche Haus.
Die Wappen des Hauses Württemberg.
Das Wappen des württembergischen Grafenhauses(Taf. I. 1336) bestand in drei liegenden, von der Rechtenzur Linken gehenden, schwarzen Hirschhörnern im goldenenFelde. Die Zahl der Zinken, als welche späterhin 4 für diezwei obern Hirschhörner, 3 für das unterste festgehaltenwurde, schwankte früher (Stalin, Wirtemb. Gesch. 2, 479).
Nach dem Tod der Gräfin Henriette von Mömpelgard,1444, nahm ihr Sohn, Graf Ludwig, durch den Hausvertragvon Urach die Mömpelgardischen zwei Fische dazu, goldenim rothen Feld (Taf. I. 1447). 1473 wurde ein geviertesWappen eingeführt: mit den Württembergischen drei Hirsch-hörnern im ersten und vierten, und den Mömpelgardischenzwei Fischen im zweiten und dritten Felde (ebend. 3, 603. 787).Der Münsinger Vertrag 1482 setzte in die Mitte den Palm-baum mit einem Schriftband, worauf Eberhards des AelternWahlspruch attemptö (— attento , ich wag's) stund, rechtsund links von diesem Baum je einen gevierten Wappenschildmit den Württembergischen Hirschhörnern und den Mömpel-gardischen Fischen (ebend. 608).
Der Helm war Anfangs gewöhnlich ein geschlosseneroder Stechhelm; seit Graf Eberhard IV. führen die Grafen,mit einziger Ausnahme seines Sohnes Ludwig, den offenenoder Turnierhelm. Der Helmschmuck, das Jägerhorn, warimmer roth und mit einem gelben Band geziert, die Straussen-federn dreifarbig, die mittlere weiss, die rechte roth, dielinke blau (Lebret in Württemb. Jahrb. 1818 S. 170).
Als König Maximilian I. am 21. Juli 1495 den GrafenEberhard mit dem herzoglichen Rock, Mantel und Hutbekleidete und ihm das Herzogsschwert in die Hand gab,verlieh er ihm zugleich ein gemehrtes Wappen, in welchemdie Hirschhörner als Stammwappen das erste Feld, die Tecki-schen Wecken das zweite, die Reichssturmfahne das dritte,die Mömpelgardischen Fische das vierte einnahmen (ebend.639 f.). Von den Hirschhörnern und Fischen war schon dieRede. Die Wecken oder Rauten der im Jahr 1439 ausge-storbenen Herzoge von Teck sind schwarz im goldenen Felde;die Reichssturmfahne, ein Lehen der Stadt Groningen (Mark-gröningen), welche Württemberg 1336 erwarb, war gelb mitdem schwarzen einköpfigen gegen die rothe Fahnenstangestehenden Adler im blauen Felde. Helme wurden gemeinig-lich nur zwei geführt: der Württembergische mit dem Jäger-horn und der Teckische mit dem geweckten Brackenkopf mitroth ausgeschlagener Zunge. Erst als mit Herzog Friedrich I.die Mömpelgardische Linie zur Regierung kam, wurde vonihm auch der Mömpelgardische Helm (mit einem gekröntenFräulein, das statt der Arme zwei Barbenfische, rothes Ge-wand mit gelbem Gürtel und Saum und aufgeflochtene gelbeHaare hat) in die Mitte zAvischen die beiden andern gesetzt(Taf. I. 1595).
Im Anfang des 18. Jahrhunderts nahm Herzog Eber-hard Ludwig das Wappen der schon 1450 erworbenenHerrschaft Heidenheim auf. Es ist das Brustbild eines bärt-igen Mannes (Heiden) im goldenen Feld mit rother blauver-brämter Mütze, silbernem Halsband und rother blauausge-schlagener Kleidung (Taf. I. 1730).
Der Herzogshut statt der Helme findet sich schon unterden Herzogen Friedrich I. und Johann Friedrich, andauerndund vorherrschend aber erst unter Karl Alexander, der nun
auch statt der gewöhnlichen Helmdecken die Wappenzelteoder Wappenmäntel einführte.
Herzog Karl vollendete die Vermehrung des Herzog-lichen Wappens 1785, indem er mehrere neue Erwerbungen,welchen er Stimmen im Reichstag oder dem schwäbischenund fränkischen Kreistag verdankte, in dem Wappen zumAusdruck brachte. Er gab diesem einen der Länge nach undzweimal quer getheilten Haupt- und einen Mittelschild. Letz-terer trug das Geschlechtswappen, die Hirschhörner; derHauptschild enthielt: 1) das Wappen von Teck, 2) die Reichs-sturmfahne, 3) die Mömpelgardischen Fische, 4) das Wappender Herrschaft Justingen, bestehend in einem schrägen ge-ästeten silbernen Balken im blauen Feld, 5) das quadrirteLimpurgische Wappen, in welchem sich in dem obern rech-ten und in dem untern linken Feld je 3 ins Rothe aufsteig-ende silberne Spitzen (wegen des Herzogthums Franken) undin dem obern linken sowie in dem untern rechten blauenFeld 5 silberne Heerkolben (wegen Limpurgj befinden, 6) ineinem quergetheilten Feld oben das Heidenheimische undunten mit dem silbernen Mond im rothen Feld das Wappender Ganerbschaft Bönnigheim. Taf. I. 1800. (Lebret a. a. 0.175 f. 182 ff.)
Das Kurfürstliche Wappen (Taf. II. 1803) erhielt,wie das vorige, einen Mittel- und Haupt- oder Riickschild.In dem ersteren, der aus zwei Feldern bestand, kam rechtsdie Reichssturmfahne als das Sinnbild der Kurwürde und desErzamtes, links das dem Amtswappen folgende Geschlechts-wappen zu stehen. Ueber dem Mittelschild schwebte der Kur-hut, mit welchem dieser Schild häufig das vollständige Wap-pen vertrat. In dem Hauptschild oder Riickschild trat andie Stelle der Fahne eine goldene Prälaten-Inful im silbernenFelde, als das Zeichen der geftirsteten Probstei Ellwangen,weiche 1802 Württemberg zugefallen war, Die zweite Reiheblieb unverändert (Mömpelgard und Justingen); in der drittenwurde neben das Wappen von Limpurg in die Mitte das vonHeidenheim und Bönnigheim vorgerückt und an letztere Stelleein quadrirter Schild mit drei den Besitz vormaliger Reichs-städte andeutenden Zeichen, nämlich den Wappen von Rot-weil (weisses Kreuz), Esslingen (Adler) und Hall (Hand) undeinem leeren oder sogenannten Wartschild. Statt des Her-zoglichen Huts ward eine Krone gesetzt, unter welcher —wie auch schon am Herzoglichen Wappen der letzten Zeit —ein das Wappen bekleidender aufgeschlagener Hermelinmantelherabhieng.
Dieses Wappen wurde schon nach dritthalb Jahrendurch das Königliche Wappen (Taf. II. 1806) abgelöst,welches König Friedrich folgendermassen anordnete. DerMittelschild erhielt zwei neugeordnete Felder und der Riick-schild wurde statt in 3 nun in 4 Reihen und 17 Felder ge-theilt. Im Mittelschild trat das Stammwappen in seine altenRechte ein, es erhielt den Ehrenplatz; ins zweite goldeneFeld kamen die drei schwarzen Löwen des berühmtestenHauses, das einst auf dem jetzt Württembergischen Bodengeblüht, des Hohenstaufischen. Ueber den beiden Feldernschwebte die Königskrone, mit welcher, wie bei dem Kur-fürstlichen Wappen, der Mittelschild häufig das vollständigeWappen vertrat. Der Rückschild beginnt mit dem Tecki-schen Wappen, ihm gegenüber links steht die rothe drei-zöpfige Fahne wegen der ehemaligen Pfalzgrafschaft Tübingen.