Druckschrift 
5 (1846)
Entstehung
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pflegt an dem Rheine. In Worms hielt einst, wie die Geschichte meldet, Gnnther, ein König derBurgunden, seine Feste nnd Turniere, und an seinen Hof knüpfen die Nibelungenlieder die Aben-teuer eines in Lieb' und Haß heiß glühenden Heldengeschlechtes. Eben hier ward im 16ten Jahr-hundert eine Schlacht der Geister geschlagen, in der ein einzeler Mann wie ein unüberwindlicherFels im Wogengedränge stand. Oppenheim sah einen großen König für Glaubensfreiheit fechten,nnd zur Seite seiner stattlich schönen Kirche ruhen die gebleichten Gebeine vieler schwedischen Krieger,die für eine heilige Sache in den Tod gingen. Das einzige Mainz schließt ein Meer von wichti-gen Ereignissen ein. Dort gründete der Apostel der Deutschen seinen Bischofssitz (745), dort tratdie Buchdruckerknnst in die Welt, nicht wie ein unmündiges Kind, sondern gleich, wie Pallas Athe-ne ans dein Haupte des Zeus, als geharnischte Jungfrau. Im Geiste hören wir zu Niedcrlahn-stein iu der Johanniskirche, die des Königs von Preußen Majestät wieder herzustellen den erfreulichenPlan hat, da hören wir den heiligen Bernhard von Clairveanr mit göttlicher Begeisterung denKreuzzug predigen und sehen eben da die Kurfürsten zu Rath versammelt, den Kaiser Wenzel zuentsetzen; wir glauben den biedern Rudolf von Habsburg zu sehen, wie er mit seinen Mannen vonHöhe zu Höhe steigt, die Burgen des ranbsüchtigeu Adels und die Herbergen des Faustrechtes zubrechen. Doch wie läßt sich die Mannigfaltigkeit der Gefühle und Gedanken andeuten, die sich amschönen Rheinstrome zur Sprache drängen? Fast jeder Einblick in jene wundervolle Welt macht ei-nen tiefen Eindruck nnd spiegelt sich lange in der Seele des Beschauers ab, wie die Töne einer ge-haltvollen Musik lang in dem Herzen wiederklingcn. Und doch erbleichen allmälich die Bilder derErinnerung. Wie die Kreise des bewegten Wassers in dem stillen Teiche immer weiter und flacherwerden, bis sie ganz verschwinden, so verschwimmen auch mit der Zeit die Umrisse einer vor Jah-ren mit Wonne betrachteten Landschaft oder eines mit Bewunderung angeschauten Bauwerkes. Jenelieben ersten Eindrücke bleibender zu machen, jene freundlichen Erinnerungen aufzufrischen, dazudürfte Nichts geeigneter sein, als ein Werk, wie das vorliegende. Und dies um so mehr, da derZeichner es verstanden hat, das Eigenthümlichste und Merkwürdigste an jedem Orte auszufassen undmit Geist auf dem Blatte wieder zu geben, nnd der Kupferstecher seinerseits jenen, in Tüchtigkeitgleich zu kommen bemüht war.

Bei der Schilderimg des Rheinthals sind unsere Gedanken über die Gränzen dieses Bandesvorgedrungen. Aber das romantische Heidelberg, das rasch aufblühende,freundliche Mannheim,das gleich und heiter gebaut ist" ^), und andere anziehende Punkte in der Nähe des Rheins ha-ben uns zu lange gefesselt, wir können diesmal nur Koblenz erreichen. Zügeln wir unsere Sehn-sucht nach der weiteren Fahrt; ist der Himmel uns günstig, so schweifen unsere Blicke in nächsterZeit ans dein schönen Siebengebirge!

*) Göthe in Hermann und Dorothea, III, 21.

Darmstadt, am 9. Dezember 1846.

vl. Karl Wagner.