Vorwort zum fünften Bande,
den Rheinansichtcn vonMannheim bis Koblenz.
An den Rhein, an den Rhein, zieh nicht an den Rhein,
Mein Sohn, ich rathe dir gut;
Da geht dir das Leben zu lieblich ein,
Da blüht dir zu freudig der Mut.
Siehst die Mädchen so frank und die Männer so frei,
Als wär' es ein adlig Geschlecht,
Gleich bist du mit glühender Seele dabei:
So dünkt es dich billig und recht.
Und zu Schiffe, wie grüßen die Burgen so schön
Und die Stadt mit dem ewigen Dom:
In den Bergen, wie klimmst du zu schwindelnden HöhnUnd blickst hinab in den Strom.
Und im Strome, da tauchet die Nir' a»S dem Grund,
Und hast du ihr Lächeln gesehn,
Und grüßt dich die Lurlei mit bleichem Mund,
Mein Sohn, so ist es geschehn:
Dich bezaubert der Laut, dich bethört der Schein,
Entzücken faßt dich und Graus:
Nun singst du nur immer: am Rhein, am Rhein!
Uno kehrst nicht wieder nach Haus.
(K. Simro ck.Z
^^eber das Rheinthal, in das uns der 5te und 6te Band dieses Werkes einführt, ist ein unwi-derstehlicher Zauber gebreitet, besonders da, wo sich der mächtige Strom durch das Gebirg Bahnzu brechen hatte. Hier hat die schöpferische Natur ihre gefälligsten Formen gewählt und der Men-schen Kunst mit ihr zu wetteifern gesucht. Welch' eine Fülle von Sehenswürdigkeiten ist da ans en-gem Raume zusammengedrängt! Schönheitssinn und Erwerblust, das Ideelle und Materielle habensich geschwisterlich die Hände gereicht. Und wie gewinnen jene reizenden Gebilde der Natur nochhöhere Bedeutung durch das rege Menschenleben, das sich zu allen Zeiten hier entfaltete! Der glän-zende Spiegel des majestätischen Stroms ist doppelt schön, weil er unzähligen Kähnen und Schiffenden Rücken beut, fernwohnende Menschen leicht zusammenführt und den Austausch fremder Waarenund Erzeugnisse fördert. Wer könnte den lieblichen Wechsel von stolzen Burgen und Schlössern,von Rebhügeln, Saatfeldern und Waldhöhen, von reichen Städten und Flecken mit ihren ragendenZinnen und Thürmen in, Rheinthal ohne Entzücken sehen? Aber zumeist doch wird es dessen Seeleergreifen, dessen geistigem Blick auch die Gestatten erscheinen, die in der Vorzeit hier gewaltet, derda weiß und empfindet, was Menschen hier vollbracht, erlitten und erlebt haben. Denn mehrals das Schönste in Kunst und Natur zieht den Menschen der Menschen Schicksal an. Und welch'eine Kette bedeutungsvoller Tage an den grünen Fluten des Vaters Rhein, seitdem sich die Ubieran seinem linken Ufer angesiedelt jsim I. 20 vor Chr. Geb.) und Agrippina, die Tochter des Ger-maniens, ihrem Geburtsorte durch eine Kolonie römischer Veteranen den Namen gab! (51 nach Chr.Geb.) Des Friedens, wie des Krieges Künste sie versuchten sich, sie wurden geltend geinacht und ge-