332 Meklcnlmrgischc Linie.
reiste selbst nach Wien. Darauf ließ der Kaiser denGrafen v. Bassewitz schwören, daß er sich nicht in dieMeklenbnrgischen Angelegenheiten mischen und darübercorrespondiren wolle. Der Kaiser theilte dies am 22.Februar 1738 auch dem Commissarius Herzog ChristianLudwig mit dem Auftrage mit, daß er den beiden Land-rathen zu vernehmen geben möge, wie er. der Kaiser, ihrBetragen für „aufrührerisch" erkenne, und daß sie wedermit dem Grafen v. Bassewitz, noch mit irgend einemAndern über die Abänderung der Verfassung handeln odergegen den Engeren Ausschuß und insonderheit gegen den v.Plüskow Rathschlüge geben sollten. Der Herzog lud am1. April 1738 die beiden Landräthe in Person zum 28.vor. Nach vielem Einreden und Aufschub stellten sie sicham 10. Juni 1738. Das Ende war, daß sie forderten,man möge ihnen die „Originale" der Briefe vorlegen, diesie an den Grafen v. Bassewitz geschrieben haben sollten.Damit scheint die Sache ihre Endschaft erreicht zu haben.
Wie merkwürdig die Positionen der einzelnen Persön-lichkeiten in diesem alles verwirrenden Kampfe sich gruppircn,zeigt die Korrespondenz, welche gleichzeitig mit diesemZwiste der Graf v. Bassewitz mit dem Herzoge KarlLeopold unterhielt; sie reicht vom Jahre 1736 bis zuEnde 1738, also über die kaiserliche Reprimande hinaus.Hier hat er dem Herzoge zu Vermittelung des Verfassungs-streites niemand anders empfohlen als den (gleichfallsersten) Grafen Friedrich Wilhelm v. Grävcnitz, der ausWürtemberg so wenig wie Bassewitz aus Holstein einenangenehmen Namen mitgebracht hatte. Und dieser warmit dem Landrathe v. Plüskow nicht all zu fern ver-schwägert. i) Und weiter: Graf v. Bassewitz und Siegfried
0 Durch dessen Bruder (s. S. 330, Amkg.) Hans Albrecht,welcher mit Dorothea Elisabeth 0. Ocrtzcn aus dem Hause Kotclowvermählt war, während deren Schwester Katharinc Luise eben denGrafen 0. Grävcnitz zum Gatten hatte, den Bruder der schlecht-berufenen Gräfin Würben. — Durch solche Ancrbictungen —Grävenitz wollte als „Premier-Minister" bei Karl Leopold eintreten —erläutert sich der Sinn von Aeußerungen, wie sie oben (S. 329) überHelmuth Friedrich berichtet sind : daß er nicht gesonnen sei, herzoglicheDienste zu nehmen.