Haus Roggvw. 7
sie nochmals gefangen nehmen und durch 80 Reiter wiedernach Rostock bringen und bis zum 20. October im WeißenKollegium einsperren. Jaspar v. Oertzen ward in dieserLcidenszeit von seiner Frau nicht verlassen. „Ihr liebster„Ehgemahl war ihr nächst Gott alles", so sagt die Leichen-predigt bei ihrem Begräbniß, „und wo der sein würde,„sollte auch ein hartes Gefängniß ein schöner Lustgarten„und die bitterste Einsamkeit selbst ein Vergnügen sein.„So hielt sie dann mit ihrem Geliebten vierzehn ganzer„Wochen aus, da sie bald hie bald dorthin mußte, und„zwar meistens an gar unbequeme und beschwerliche Ocrtcr,„da wenig Pflege zu haben, welches alles die Hochselige„mit großer Standhaftigkcit, ungeachtet ihrer schwachen„Konstitution, aushielt und mit allen Liebesdiensten ihremEhgemahl die Sorgen erleichterte, wie eine andere Alcestis".
In einem dumpfigen, kaum zum Bewohnen geeignetenRaume eingepfercht, sähen die vier Gefangenen trübe Tage.Jaspar von Oertzen klagte über einen schmerzhaften „Fluß",besonders im Arme. -Endlich ließ sich der Herzog herbei,gegen immerhin lästige Bedingungen Befreiung zu gewähren.Die Verhafteten mußten am l9. October 1716 einen eidlichenRevers vollziehen, daß sie, jetzt durch des Herzogs „Ver-mittelung des von Jhro Groß-Czaarischen Majestät ver-hängten Arrestes erlediget", sich allemal auf Erfordern demHerzoge stellen und ohne seine Erlaubniß nicht aus seinem„Territorio weichen" würden.
So konnte von Oertzen wenigstens seine schwer bedrohteGesundheit retten. Auch die seiner Gemahlin hatte gelitten;daher erbat er am 21. April 1717 vom Herzoge die Erlaubnißzu einer Badereise, treu seinem gegebenen Worte, da dieRückgabe des Reverses ihm verweigert wurde.
Anfangs August waren die Gatten soweit hergestellt,daß sie die Kur abschließen konnten. Auf dem Rückwegekehrten sie in Gudow ein, dem lauenburgischen Gutedes Landmarschalls und Landraths Joachim Werner vonBülow, des Schwiegervaters von Jaspar's von Oertzenjüngerem Bruder Helmnth Friedrich. Dieser war den zuseiner Aufhebung ausgeschickten Russen glücklich entgangenund hatte mit seiner ganzen Familie in Gndow einen