Druckschrift 
1 (1831)
Entstehung
Seite
20
Einzelbild herunterladen
 

— 20 —

rad, von Körper klein und daher scherzweise der Kurz-bold zugenannt, besaß einen hohen Geist und Adel derSeele; daher der bessere Theil seiner Zeitgenossen ihm mitRecht den Namen des Weisen beilegte. Aber auch im kleinengedrungenen Körper lebte eine außerordentliche physischeKraft. Er streckte einst vor Kaiser Otto einen Löwen mit demSchwert darnicdzr; er spaltctemiteincmStrcichcdas Haupteines Slaven von riesiger Gestalt. Seine Thaten sind Ge-genstande der Bewunderung des Zeitalters, seine Gesinnun-gen Inhalt des Gesanges der Dichter geworden. Das StiftLimburg rühmt ihn als seinen Stifter, Dittkirchc» als seinenWohlthäter; Otto als den Netter seiner Krone wider diebösen Anschläge Eberhards und Gisclberts, deren ersten erselbst mit der Schärfe des Schwertes schlug. Im Jahre948 starb er, mit herzoglicher Würde bekleidet. In derKurziboldkirchc zu Limburg ward er beigesetzt.

Der ihm vorangehende Bruder, somit der zweite unterden Dreien, hieß Eberhard der Jüngere. Der Ge-schichtschreiber des salisch-nassau'schcn Hauses hat genug-sam seine Identität mit dem in einer Urkunde erscheinendenGrafen von Meyenfeld dieses Namens dargethan, welcherzum Unterschied von dem diesseits des Rheins waltendenHerzog Eberhard, auch der überrhcinischc hieß. SeineGemahlin war eine Verwandte des Herzogs Friedrich vonLothringen; er selbst starb im Jahr 966, hinterließ zweiSöhne: Kon rad und Otto.

Bereits früher ist gemeldet worden, daß Gebhard Ik.(dritter Sohn des Grafen Odo) mit Uda zwei Söhne,Udo und Hermann, erzeugt. Als der Vater (910)starb, befand sie sich noch in ihrer Kindheit. Die väterlicheErbschaft aber war also vertheilt : Udo empfing die Graf-schaft des obern Rheingau's, des Gan's Kunigcsundra unddie salischen Besitzungen in diesen Gegenden; Hermann