Philipp, Hcrr zu Grcnsau, Johanns Schwager, hatteschon im Jahr 1520 seine Gattin verloren; da sie keineKinder ihm hinterlassen, und die Rückkehr des Grafen, wel-cher in Kriegsdiensten seit längerer Zeit von Hause abwesendwar, ziemlich zweifelhaft schien, so vermehrte sich jene Hoff-nung der Nassauer bis zu völliger Bestimmtheit der Erbfolgein den Besitzungen desselben. Die Ungeduld nach Erfüllungdes heißen Wunsches scheint ziemlich auffallend und voreilig sichausgesprochen zu haben, und beide Schwäger trafen bereits ihreAnstalten, ja verabredeten schon vorläufig eine Theilung. Al-lein Beide hatten zur Zeit noch die Rechnung ohne den Wirthgemacht; Philipp traf plötzlich wieder ein, und vermuthlichvon dem unziemlichen Wesen seiner Schwäger in Kenntnißgesetzt und darüber entrüstet, entschloß er sich, ihre Erwar-tungen zu Wasser zu machen; er setzte ncmlich seinen Vettervon der Büdinger-Linie, Dietcrich, zum Allcincrbcn seiner künf-tigen Vcrlassenschaft und vorläufig in den Besitz der BurgenVillmar und Grcnsau (Gränzgau) ein.
Johann und Salcntin, wiewohl durch diesen Schritt sehrüberrascht, gaben dennoch ihre Sache nicht verloren; sie nah-men, um sich zu verstärken, auch den dritten Schwager,Frank den Alten von Kroncnbcrg, in ihre Gemeinschaft aufund sannen auf gewaltsame Erwerbung des GrcnsauischcnErbes. Ein förmliches Bündniß ward zu diesem Zwecke un-ter den Dreien geschlossen. Ihre Macht schien dem bedroh-ten Diethcr so furchtbar, daß er zu einem Vergleiche sich ver-stand, welchem zufolge er einen Drittel des Ganzen erben,die übrigen zwei Drittel aber den verbündeten Schwägernüberlassen sollte; den Tnrnos auf dem Zoll bei Lahnstcin woll-ten sie in vier gleiche Theile unter sich theilen. Graf Jo-hann blieb auch cinswcilcn und bis zur völligen Wicdcrldsung,im Besitze des Zehntens zu Ober-Brechen, welcher ihm bereitsfrüher, pfandschaftlich, für die Aussteuer seiner Gemahlin, vondem Bruder derselben eingeräumt worden war. Der Vertrag