Druckschrift 
2 (1832)
Entstehung
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Ohnwcit der Prcdigcrkirchc in der Schustergasse und auf demFischmarkte wurde Feuer angelegt. Die engen Straßen er-leichterten und beförderten dessen Verbreitung. Bald ergriffendie Flammen einen bedeutenden Theil der Stadt und dervor kurzem noch trübe Himmel ward mit furchtbarer Rothegefärbt. Dieser Anblick betäubte die streitmüden Bürger, unddie Begierde, ihre Habe, ihre Weiber und Kinder zu rettenund der Verheerung des Feuers Einhalt zu thun, vermochtesie vom Feinde abzulassen, der bereits zum großen Theil ausdem Thore getrieben war. Nicht sobald hatte es jener wahr,genommen, als er neuen Muth faßte, zum viertcnmalc vor-drang und mit Schwert, Speer und Geschoß unter den Ver-zweifelnden wüthete. Da in der Vertheidigung keine Einheitmehr herrschte, indem die eine Abtheilung den Kampf fort-setzte, während die andere zum Schutze der Hänser eilte, sohatten die Nassauer gewonnen Spiel. Eine gränzenlose Ver-wirrung bemächtigte sich der Allbcdrängtcn, und die wcithin-rcichcndcn Flammen, die herabstürzenden Balken, die wuth-cntbrannten Pferde crtodtetcn, was die Waffen nicht erreichtund das Blei der Büchsen verschont hatte.

Die zweite schreckliche Nacht brach an; noch setzte derKampf, obgleich immer matter, sich fort und kostete, währenddie Bürger haufenweise fielen, den Nassauischcn noch manchenMann. Da riefen der Herzog von Veldenz und der Grafvon Königsicin Jene an, sich zu ergeben, indem sonst allesbis auf den letzten Mann erschlagen und die Stadt völligzerstört werden sollte. Als die Unglücklichen um die Bedin-gungen fragten und um Häuser und Güter baten, erklärteLudwig mit empörender Härte: „Nichts ist mehr euer, alseuer Leben."

Diese Antwort zerstörte die letzte Hoffnung und den letz-ten Muth; man warf die Waffen weg und lieferte sich aufGnade und Ungnade ans. Noch waren zwar Thore Thürmeund Mauern von Bürgcrwachcn besetzt, welche angstvoll der