die Reformen, welche er mit den Bettelmönchcn vornahm unddie Liberalität, welche er gegen dic verfolgten Juden bewies.
Weniger duldsam erzeigte er sich den unglücklichen Coll-hardcn und Bcguttcn, welche unter schwärmerischer Form,philosophischere Ansichten von Gott und Unsterblichkeit, Glau-ben und Kirchthum in einem rohen und fanatischen Zeitaltergeltend zu machen versucht. Sowohl er selbst, als MagisterHeinrich vom Stein verfolgten und quälten die Armen aufmancherlei Weise. Schwere Ketten belasteten dic Männer;Beschimpfungen dic Frauen. Aber in Kcrkcrnacht und unterRuthcnstrcichen bewahrten sie eine seltene Kraft des Gemüthesund einen festen Glauben an die Thorheiten und Verbrechenihrer Zeitgenossen. Ihre geistvollen Reden und fromme Lie-besdienste söhnten viele edlere Geister mit ihren eigenen Ge-brechen und Ausschweifungen aus.
Johann schützte die Nachbarschaft vor den Plackereiender Wcgclagcrei, dadurch, daß er Schrecken unter die Raub-ritter brachte, welche er ehedem wohl selbst begünstigt. DieRuinen von Tannenbnrg verkündigten seinen wiewohl spät erwach-ten Ernst gegen derlei Gefährdung des öffentlichen Friedensund Rechtes.
So wenig dieses Nassauers Gemüth dem Wunderglaubendes Jahrhunderts geöffnet seyn mochte, so erlebte er doch wäh-rend seiner Regierung einen merkwürdigen Fall, oder vielmehrer benutzte schlau die Sage des gemeinen Volkes, um durcheinen wunderbaren Gnadenort mehr in Mitte seines daran be-reits nicht armen Sprengels auf dasselbe mit dem Talismanereligiöser Schauer zu wirken. Oder wem waren Walldürnund dic heilige Hostie daselbst wohl unbekannt? Ein Prie-ster ncmlich, welcher dic heilige Handlung mit »»geweihterund nachlässiger Hand verrichtet, sah mit Entsetzen den Weinim Kelche sich in Blut verwandeln und auf dem Tüchlcin,welches über denselben gelegt zu werden pflegt, in der Mittezwar das Bild des Gekreuzigten, rings um dasselbe aber Bc-