Druckschrift 
2 (1832)
Entstehung
Seite
76
Einzelbild herunterladen
 

— 76 —

Nicht um das Haus handelte es sich bei der neuen Kö-nigswahl, sondern blos um die Person unter mehreren Glie-dern der Luremburg'schcn Dynastie; denn bei dieser, als dermächtigsten und in der Zeitbcdrängniß unauswcichbarcn, wollteman das Reich lassen. Einigen Nachrichten zufolge, hatte Jo-hann von Nassau, in Uebereinstimmung mit Köln, alsbaldnach Ruprechts Tod, den Ulrich Wcplcr nach Ungarn abge-schickt, König Sigisnmnd die Kröne der Teutschen anzubieten;allein da derselbe sich mehrerer, an ihn gestellten Bedingungengeweigert, auch, wahrend Wenzels Lcbzcit aus einem Ueber-rest von Schaam Bedenken über die Annahme des Antragsgeäußert hatte, so wurden die beiden Prälaten anderen Sin-nes und ihre Blicke richteten sich sofort auf den Bruder Si-gismunds, Markgrafen Jost von Mähren. Dieser Fürst warddurch die Votschaft nicht unangenehm überrascht. Es zeigtesich auch Aussicht auf friedliche Uebcrcinkuuft mir Wenzcslaus,welcher den ihm geraubten Titel durchaus fortgeführt hatteund der Vorschlag gefiel, diesem dem Namen eines „romischenKönigs" zu lassen, Jost aber den eines „romischen Kaisers"zu verleihen.

Diese Bemühungen suchte Burggraf Friedrich von Nürn-'berg, ein Mann von großem Gewicht in den Geschäften desReichs, zu vereiteln. Er beredete mit Sigismuud zu Ofenalle nöthige Maasrcgcln und setzte ihm auseinander, wie erdurch die Hoffnung auf Beendigung des Schisma's und derBeruhigung der Kirche hauptsächlich die öffentliche Meinung derMehrzahl unter den Ständen für sich erobern könne und müsse. DerBurggraf erhielt unbeschränkte Vollmacht, im Interesse desKönigs zu handeln. Friedrich bearbeitete daher die Pfalz,Trier und einige Städte hinter einander mit günstigem Er-folg.

Inzwischen hatte jedoch Johann von Nassau auch seiner-seits nicht gefeiert, sondern alles Nöthige für die Wahl seinesSchützlings Jvdocus vorgekehrt. Er lud sämmtliche Wahl-