Druckschrift 
2 (1832)
Entstehung
Seite
46
Einzelbild herunterladen
 

der Sache, von Seite der Fürsten, empfindlich, beschloßen,die Tagsatzung zu Ober-Lahnstein und deren Resultate vor-laufig abzuwarten, und beantworteten die oberwähntc Einla-dung zögernd und ausweichend, zur großen Zufriedenheit desKönigs, welcher ihnen darüber schmeichelhafte Bclobungsschrci-bcn sandte. Allein die Städrc täuschten sich gleichwohl inihrer Erwartung von dem Nichtgclingcn dieser Versammlung,an deren Zustandekommen sie sogar gezweifelt. Am 11. Au-gust erschienen außer den Churfürsten und andern Fürsten eingroßer Theil des höhern und niedern Adels und selbst dieBotschafter fast aller rheinischen Städte»

Der König dagegen war ausgeblieben und hatte auch kei-nen Bevollmächtigten gesandt, in der Meinung, durch verach-tungsvolles Stillschweigen das über ihn so eigenmächtig sichsetzende Gericht zu verwerfen. Nunmehr war die Geduld derVerbündeten erschöpft, und Johann von Nassau, an der Spitzeseiner geistlichen Collcgcn, trug Churfürst Ruprecht die Kronedes heil, römischen Reiches an. Nach einigem Zaudern nahmdieser sie an und stellte zugleich Briefe aus, in welchen er sowohlden verschiedenen Beschwerden der Nation Rechnung zutragenverhieß, als auch den geistlichen Churfürsten viele wichtigeRechte einräumte. Diese, noch vor der Wahl unterzeichnetenBriefe sollten, in Folge ausdrücklicher Bestimmung, nach voll-zogener Krönung noch einmal bestätigt werden. Und nunsprach Johann, im Namen Aller, ani Tage Mariä Himmel-fahrt, vor dem Thore zu Obcr-Lahnstein, in Gegenwart einerzahlreichen Volksmenge über den trägen und entarteten Königdas Urtheil aus. Es lautete folgendermaßen:

„In Gottes Namen, Amen! Wir Johann, von Got-tes Gnaden, der heiligen Kirche zu Mainz Erzbischof, desheil. Reichs durch Teutschland Erzkanzlcr, verkündigen dießallen Leuten, den gegenwärtigen und den zukünftigen. Wieviel und mancherlei großer, kläglicher Gebresten, Irrungen undMißhclligkeitcn von langen Jahren und Zeiten in der heiligen