In derselben Stunde stellte er seine Schaarcn in Schlacht-ordnung, und nöthigte den Grasen, der das Räthsel sich nichtzu lösen wußte, ein gleiches zu thun. In dem Tumult ent-kam der Bauer zu den Scinigen. Als Bayard seine List überErwarten gelungen, und die feindlichen Anführer selbst inschlachtgcrüstctcr Stellung einander gegenüber sah, benütztc erdie Gelegenheit, und richtete durch sein Geschütz unter der Ar-mee des Grafen beträchtlichen Schaden an. Dieser auf dereinen Seite von der Besatzung, auf der andern von Sickingcn(den nunmehr er auch im Einvcrständniß mit Bayard wähnte)bedrängt, wußte lange nicht, was unter diesen Umständen zuthun. Die Flucht des Bauern erst brachte ihm einigermaßenLicht in die Sache. Aber Bayard hatte bereits den wirksamstenVortheil von der Verwirrung gezogen, den König von demVorfall unterrichtet, und dieser letztere rückte an der Spitzeseines Heeres bis Rheims vor, entschlossen, den Teutschen eineSchlacht zu liefern. Sickingcns Abzug hatte ihm den Uebcrgangüber die Maas freigelassen. Die kaiserlichen Anführer fühltensich, in der ungeheuern Verwirrung außer Stande, eine frischhcranzichendc Armee erwarten zu können, und beschlossen, Mc-ziercs aufzugeben, nachdem sie zu spät den großen Betrug ent-deckt. Epidemische Krankheiten, Mangel an Lebensrnitteln,und eine furchtbar eintretende Kälte nöthigten sie zum Rückzug.Frohlockend vernahm König Franz diese wichtige Nachricht,und schrieb in der Freude seines Herzens die merkwürdigen undächt französischen Worte an die Herzogin von Angoulcme:„Gott hat gezeigt, daß er ein guter Franzose ist."
Alle Berichte stimmen übcrein, daß der Rückzug des kai-serlichen Hcccrcs ein Meisterstück von Kriegskunst gewesen,und die Talente Nassaus und Sickingcns, vielleicht auchschon Sebastian Schertlins Genie, ans das Ruhmvollste sichbei dieser Gelegenheit entwickelt hätten ^°).
H Nach des Verfassers Darstellung in Franz von Sickingens
Biographie, I- 18- Kapitel.