anzustoßen. Es ist die Meinung der Mehrzahl der Proteistauten, daß damals alles, was am Österreichischen Hofesich bewegt, von blindem Fanatismus und Absolutismuserfaßt gewesen, und besonders hat man auf den gründli-chen und geistreichen Grafen von Khevenhüller und seineFreunde den Vorwurf größter Zwcizüngigkcit und Leiden-schaftlichkeit gebracht; man darf aber, wenn auch öftersder Vorwurf parteiischer Darstellung oder geflissentlicherUmgehung wichtiger Thatsachen nicht abgewalzt werdenkann, dennoch nur die Annalcn des Letztgenannten unbe-fangen durchgehen, um die Überzeugung zu gewinnen, daßauch der Diplomat und Historiograph eines Ferdinand II.,wo es immer nur thunlich war, die schwachen und schlim-men Seiten seiner Partei ebenfalls mitangcgcbcn hat. Jaes tritt nicht selten ein sclbstständiger, klassisch-gebildeterCharakter hervor, den seine Zeit zwar vielfach verdorbenhat, den aber selbst viele ihrer Ereignisse und Bestrebungen,ja viele seiner eigenen Aufträge und Verrichtungen anzu-widern scheinen. Man muß menschlich und gerecht sepn undsich fragen, ob irgend ein Protestant jener Periode die Ge-schichte unparteiischer gegen seine Konfcssionsvcrwandtengeschrieben, als dieser Katholik Khevenhüller. Jede Parteiüberhäufte die andere mit Vorwürfen, bald der Tiranneiund des Götzendienstes, bald der Rebellion und der Ketze-rei; beide irrten und logen. Wer in den widerlichen undaufgehäuften Jntriguen jener Zeit tiefer geforscht und dieZwecke und Leidenschaften beider Theile sorgfältig vergli-chen hat, wird wohl das Schicksal der Teutschcn Nationim Ganzen bedauern, ohne jedoch eine andere Vorliebe fürdiesen oder jenen zu empfinden, als welche der Anblick desschwachern Unterdrückten im Kampfe gegen den übermäch-tigen Bedrücker, und die Äußerung einer (oft selbst jesui-tischen und zweideutigen) Freiheitskrast gegen den Despv-
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