Gleich des folgenden Jahres nach dieser kritischen An»gelegcnheit, deren weitere Entwickelung nicht zu unsererAufgabe gehört, erhielt Vratislaus eine neuerliche Sen-dung in gleicher Eigenschaft nach Spanien, woselbst erbereits bekannt und von den Geheimnissen der Kabinettebeider Staaten das vertraute Organ gewesen war. Dies-mal war es jedoch mehr eine Ceremonie, nämlich um we-gen des Hinscheides König Philipps III. die Trauer, undwegen des Ncgierungs-Antritts von Philipp IV. die Glück-wünsche des Kaiserlichen Hofes zu übcrmachen. Daß dabeiwichtige Interessen dennoch in der Stille mitverwahrt wor-den, ist leicht zu ermessen. Der Graf war auch diesmalmit Pracht aufgetreten, und viele edle und' bedeutendePersonen aus Österreich und Böhmen, unter andern dieBernstein, Starreinberg, Tona, Hardegg und seine Vet-tern von Fürstenberg, hatten ihn auf dieser Reise beglei-tet. Im Februar 1621 kehrte er zurück und der Kaiser zeigtesich mit seinem ganzen Benehmen außerordentlich zufrie-den. Er erhielt 1660 Dukaten Zulage zu dem bisher genos-senen Jahrgchalte und der Freiherr von Bernstein, aufseine Veranlassung, eine Pension von 2600 Dukaten auf
Rabmen mittheilen. So lange die StaatSpapiere darüber nochunter Schloß und Riegel sich befinden, ist keine wahre Ge-schichte möglich. Die Resultate der meisten diplomatischenUnterhandlungen sind nur Lügen, welchen der Erfolg Siezverliehen, d. h. gewöhnlich sind ganz andere Dinge vorange-gangen, begehrt und verneint worden, als in der Folge her-auskömmt. Der Zufall selber, die Bestechung und die Gewaltunterbrechen den natürlichen Kausal.Zusammenhang, und oftfinden sich Wirkungen ohne alle Ursachen, bis die Memoire»und Briefe der Günstlinge, Maitressen und Beichtväter Auf-schluß gewähren.