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Obgleich mir sebr wohl bewußt ist, geliebte Schwe-stern und Töchter, wie schlecht ich bei gewissen Leuten inKredit stehe, deßhalb, weil ich den zügellosen und muth-willigen Absall einiger gottgeweihten Jungfrauen mindergünstig gedeutet, als Viele wohl erwarten mochten, soertrag' ich dennoch sehr leicht die Krankungen jener Men-schen , da ich nicht nur über meine Ansicht in dieser Sachegenügende Rechenschaft mir ablegen kann, sondern auchso viele und überaus heilige Doktoren der Kirche zu An-walden habe, welche über alle einmüthig diejenigen, wel-che ihre, Gott einmal geweihte Keuschheit verletzen, nuneinmal den Stab brechen, ich will nicht sagen, sie ver-abscheuen.
Gleichwohl bin ich nicht so verblendet, daß ich al-les , was in Klöstern getrieben wird, für recht und lo-benswürdig halte, indem es bekannt genug ist, daß inden meisten menschliche Satzungen den Vorschriften Got-tes vorgesetzt werden, so zwar, daß man häufiger denWerken und Verdiensten der Menschen Kraft beimißt,als der Gnade und Gerechtigkeit, so durch den Glaubenan Jesus Christus gewonnen wird.
Wie gottlos und gräuelhaft dies sey, ist hier nichtOrt und Zeit, auseinander zu setzen. So viel ist gewiß,daß diejenigen, welche die Summe ihres Heils auf Zere-monien und Aussenwerke mehr als auf die VerdiensteChristi setzen, sowohl innert, als ausserhalb der Klösterfür die Hölle bauen. Ob ich gleich dies nicht so verstan-den haben will, ls verwürfe ich die Werke, da derGlaube ohne Werke todt ist, sondern nur insofern, daßich dafür halte, das Menschliche sollte niemals dem Gött-lichen vorgezogen werden.