Druckschrift 
Charitas Pirkheimer, ihre Schwestern und Nichten : Biographie und Nachlaß
Entstehung
Seite
127
Einzelbild herunterladen
 

127

Maas überschritten. Doch weil Ihr so ganz an «ns ver-zweifelt, und dennoch schreibt, Ihr wollet diese Sachemit aller Aufrichtigkeit fortbetreiben, so ist es auch meinePflicht, mein Herz klar Euch zu weisen und ebenfallsaufrichtig in diesem Geschäfte zu Werk zu gehen, wie ichdenn auch stets E. W. gegenüber zu thun pflegte. Wirvertrauen ferner zu Gott, daß wir mit Wissen keine Ab-götterei unter uns hegen, und noch viel weniger weigernwir uns, unsere Irrthiimer einzusehen. Denn dies würdeim Widerspruch stehen mit Gott und der gesunden Ver-nunft. Daß wir aber auch nicht von jedem Geist unsbewegen lassen, kann ebenfalls nach den Gründen derVernunft nicht gleich von jedem zum Verbrechen uns ge-deutet werden. St. Paulus lehrt uns, alles zu prüfenund das Gute zu behalten. Wir kennen keine Feinde,wir verschwören uns mit Niemand zu einer Faktion zu-sammen, sondern, o des Schmerzes! wir sind von Allenverlassen. Gott erbarme sich unser! Wir wissen auch,daß wir unsere Zuversicht nicht auf die Regel unsers klö-sterlichen Lebens, sondern allein auf Gott setzen sollen undauf seinen einigen Sohn, unsern Herrn Jesus Christus,welcher uns durch sein Leiden und sein heiliges 'Blut er-löst und mit seinem himmlischen Vater versöhnt hat. Erverleihe seine göttliche Gnade auch an Ench und uns al-len, damit sein Leiden an uns nicht verloren sey.

Wir »erhoffen zu E. W., daß sie nicht plötzlichgegen uns nun so hart und unmild, als uns gedroht wor-den, sondern daß sie mit christlicher und brüderlicher Liebegegen uns verfahren werde, und — daß ich das InnereEures Herzens noch mehr öffne, — daß Ihr mit uns sohandelt, wie Ihr wünscht, daß man mit Euch handelnmöge, nach der Vorschrift des heil. Evangeliums.