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Meine treffliche, inniggeliebte Schwester Charitas!Als ich vor den jüngstverflossenen Iahren, in der Eigen-schaft eines Gesandten unseres Freistaats, zu dem un-überwindlichsten und in unsterblichem Ruhme sortlebendenKaiser Maximilian, nach Niederteutschland reisete, undauf diesem meinem Wege nach Würzburg kam, besuchteund grüßte ich auch den Johannes Trithemius,den gewesenen Abt von Spanheim, meinen alten Freund.Ich wurde von ihm auf das Herzlichste empfangen, undnachdem wir, wie es zu geschehen pflegt, über unsereStudien Vieles hin und her gesprochen, siel die Rede auchauf jene sehr alten Handschriften, an welchen diese Stadtbesonders reich war, indem man allenthalben aus Klö-stern, selbst von Oberteutschland her, solche zusammenge-schleppt hatte. Ich munterte den Mann auf, zum ge-meinsamen Vortheil der Freunde der Wissenschaften, die-selben doch einst dem Publikum mittheilen zu wollen, be-sonders solche Handschriften, deren Inhalt schon berühmt,und durchaus vollständig vorhanden sey. Jener gab mirdarüber sehr zuvorkommend die Zusicherung, daß er diesthun wolle. Allein es dauerte nicht lange, so überraschteihn der neidische Tod; der brachte Alles wieder ins Stek-ken, und verhinderte, daß manche herrliche, griechische so-wohl als lateinische, Bücher ' nicht herausgegeben werdenkonnten; nicht ohne wesentlichen Schaden für die Litera-tur und sämmtliche gelehrte Welt. Allein auch nachdemein so großer Mann, wie Jener, dieser Sache entzogenworden, trachtete ich aus allen Kräften dahin, daß das,was er im Leben nicht mehr vollbringen mochte, wenig-stens nach seinem Tode ins Werk gesetzt würde. Langejedoch trachtete ich vergebens; denn sein gcsammter litera-rischer Nachlaß war so viel als verschwunden, also zwar.