56
allersüßesten Sendschreiben, welches mir über die Massenangenehm war. Doch, weil ich Arme ein so großes Ge-schenke dnrch nichts vergüten kann, so rufe ich zum Min-desten denjenigen an, von welchem ja das Beste uns zuTheil wird, und jede vollkommene Gabe kommt, damiter, nach seiner gewohnten Müdigkeit, gegen Eure Huma-nität meine Stelle vertrete, dadurch, daß er Euren Geisterleuchte und entzünde durch den Schimmer und die Liebeder wahren Weisheit, die über der Erde thront, undvom Vater alles Lichts herabsteigt, so zwar, daß Ihrnicht nur das Sichtbare und die Erde selbst, sondern auchdas Unsichtbare und Ewige zu begreifen beginnen möget,gehorsam dem Zurufe des Apostels: „Trachtet nach dem,was über, nicht was auf der Erde ist!" — Denn ichkann nicht umhin, zu gestehen, daß, so sehr mir die Be-schreibung und Lobpreisung meines irdische» Vaterlandes,die in jenem Büchlein enthalten, auch gefällt, mir den-noch unendlich erwünschter und süßer die Schilde-rung und Verherrlichung des himmlischen Vaterlandes,Jerusalem, nehmlich jenes hoher», wäre, welches überden Sternen liegt, woraus wir nach diesem Thal desJammers, der Drangsal und der Unwissenheit, verbanntsind, und nach welchem wir aus allen Kräften wieder hin-streben müssen.
Eure Würdigkeit kennt mich, ihre unwürdige Schü-lerin, als ihre begeisterte Anhängerin, und ich darf hin-zusetzen, als die Liebhaberin ihres Seelenheils: deshalbbitte ich Euch auf das dringendste, die weltliche Philoso-phie zwar nicht aufzugeben, wohl aber dieselbe höher aus-zuprägen, d. h. von den Schriften der Heiden zu denheiligen Büchern, von dem Irdischen zum Himmlischen,von dem Geschöpfe zum Schöpfer, Euch zu erheben.