Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
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Mach

e n.

Inmitten eines lachenden Thales, rund von unibuschten Anhöhenumschlossen, liegt zwischen Maas und Rhein, zwischen Lüttich und Köln,die alte Kaiserstadt Aachen. Einst des deutschen Reiches erste Stadt,noch setzt die erste gen Westen, wo deutsche Sitte, deutsche Sprache blüht,umhüllt sie der doppelte Zauber einer denkwürdigen Geschichte und einerreizenden Lage. Aus einer anmuthigen Umgebung von Villen, Gärten,Saatfeldern, Wiesen, Tetchen und Spaziergängen erheben sich die ge-drängten Häuserreihen, die altcrthümlichen Tanten der Stadt Karls desGroße». Sie umschließen die schönen Formen des Rathhauses, wo einstseine Pfalz gestanden, von der aus er alle Lande diesseits der Alpen be-herrscht,des Domes, wo seine Gebeine ruhen, des gewaltigsten Herr-schers, den Deutschland gekannt, wo Reich und Herrschaft der langenReihe seiner Nachfolger begonnen, bis mit der Krönung zu Aachen auchdie Glorie des deutschen Reiches entschwand. Darum mag gerade jetzt,wo sich wieder so allgewaltig das Streben nach Deutschlands Einheit,nach deutscher Größe erhebt, in jeder Hinsicht ein Blick auf die Stadtund ihre Geschichte an der Zeit sein.

Zuerst, denn es ziemt, ehe wir das Seiende betrachten, dessen Ent-stehung und organische Heranbildung zu bespreche», seien der GeschichteAachens einige Seiten gewidmet.

In den Landen, welche die Stadt umschließen, wohnten ursprünglichVölker gallischen, später aber germanischen Stammes. In wie ferndiese den Ort selbst begründet oder bewohnt, darüber fehlt jeder geschicht-liche Nachweis, und sogar die Sage schweigt. Erst durch den RömerGranus, einen Bruder des Kaisers Nero, soll der Stadt einige Bedeu-tung gegeben worden sein. Er soll die heißen Quellen Aachens geliebt(daher der lateinische Name ^uisgr-nu»,des Granus Wasser"),*)und den bis auf diese Stunde Granusthurm genannten rechten Thurmdes Rathhauses gebaut haben. So melden wenigstens schon die ältestenSchriftsteller über die aachener Geschichte. Daß aber die Römer sich dortlange aufgehalten, die ihnen, hergebrachter Sitte gemäß hochwillkommenenBäder fleißig benutzt haben, ist dem Bereich der Sage entrück , und durchdas stumme, aber dauernde Zeugniß vieler aufgefundenen römischen Mo-numente und Münzen erwiesen. So fand man schon im Jahre 1409vor der Stadt eine Reihe mit Inschriften versehener Steine, Bildnisseund Geschirre, im Jahre 1549 im Stadtwalde ein römisches Grabmal,im 17. Jahrhundert in der Stadt selbst mehrere Denkmäler, im Jahre1756 an der Stelle, wo jetzt die dem Dom angebaute s. g. ungarischeKapelle steht, ein wohl erhaltenes, vollständiges Römerbad, das leiderwieder gänzlich verschüttet worden, endlich noch vor einigen Jahren in

Nach der Meinung Neuerer soll der Name sich uon dem Worte Granius her-leiten, einem Beinamen des Apollo, als Schuxgotte der Gesundheit, Wir thundieser Controvcrsc, die uns wenig für sich zu haben scheint, nur ali solcherErwähnung,

Aachen, dich nennet der Ruhm vor vielen herrlichen Städten,

Denn du beherbergst gern in den elterthümlichen MauernJährlich der Fremdlinge Schaar! die Bekümmerten kommen beladenAch! mit Krankheitqual, und die Wiedergeburt zu dem LebenIst das holde Geschenk, das ihnen die sanften NapadcnNach der keuschen Umarmung zum Angedenken gewähren,

V,W. Neu deck, Deutschlands Heilquellen

der Nähe der Eisenbahnstation eine Wasserleitung, deren Backsteine nochden Legionsstempel trugen, zahlreicher anderer Fünde von mindererBedeutung nicht zu gedenken.

Indessen bleibt es jedenfalls sehr auffallend und merkwürdig, daßwir über diese ganze römische Zeit jedes näheren Aufschlusses entbehren,und alle Versuche, den sie bedeckenden Schleier auch nur einigermaßen zulüften, gänzlich erfolglos geblieben sind. Bis zur Zeit Chlodwigs, desStifters des Frankenrcichs, der nach Goldast's Zeugnisse auf einem zudem Ende in Aachen gehaltenen Reichstage 13 Kapitel als Anhang zuden von Pharanmnd errichteten salischen Gesetzen verkündigen ließ, undbis auf dessen Sohn Theodorich, der im Jahre 514 neben Metz Aachenzu seiner Residenzstadt erklärte, finden wir in Aachens Geschichte keinenfesten Haltpunkt. Urkundlich kommt die Stadt vor in einer im I. 653vom fränkischen Könige Siegebrecht, zu Gunsten des damaligen Erzbi-schofs Modoald gegen einen gewissen Hatto zu Aachen erlassenen Entschei-dung, worin Siegebrecht den aachener Pallast seinen Hauptpallast nennt,und so bezeugt, daß Aachen damals schon wirkliche Residenzstadt derfränkischen Könige war. *) Von Siegebrecht bis auf Pipin III. bietetdie Geschichte der Stadt wieder die Lücke eines ganzen Jahrhunderts.Pipin finden wir im I. 754 dort anwesend, als er durch eine von Aachenaus erlassene Urkunde dem neu erbauten Kloster Loreze im Bisthnm Lavaureinige Landgüter schenckt. 765 feiert er nach elfjähriger Abwesenheit inAachen das Weihnachts- und Osterfest. Wo, in welcher Kirche das ge-schehen, da damals dieCathedrale noch nicht erbaut, darüber fehlt wiederjede Nachricht, bis endlich mit Pipin's Sohne Karl die Stadt ans dembisherigen Dunkel heraustritt, um schnell zu einem Glänze zu gelangen,wie ihn nur der Schutz eines solchen Mannes in kurzer Zeit seinerSchöpfung denn das ist wohl das neuere Aachen, bereiten kann.

Höchstwahrscheinlich ist Karl, dessen Geburt um das I. 742 fällt,zu Aachen geboren, doch machen Jngelheim und Paris der Stadt dieseEhre streitig. Gewiß aber ist, daß gleich nach seiner 768 zu Nopon ab-gehaltenen Krönung er in Aachen die Wcihnachten beging, und von daan seine gewöhnliche Residenz aufschlug. Gegen das I. 780 erbaute erdort, auf dem jetzigen Markiplatze und um denselben herum, seine kai-serliche Pfalz, die eben so prächtig als umfangreich gewesen sein muß.Die Großwürdenträger der Krone, die geringere» Beamten, die Ge-sandten der unterworfenen Länder, die bei Hofe anwesenden Bischöfe undHerren, deren Vasallen und Gefolge, fanden alle Platz darin. Danebenumschloß die königliche Wohnung eine große Zahl geräumiger Säle fürdie Zusammenkünste der Prälaten und Baronen des Reichs, für die

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