Ganzen erkielt. Ueber der Mitte des Schlosses, dessen plattesitalienisches Dach, sowie das der Flügel mit einer znm Theilmit Vasen verzierten Balustrade umgeben ist, erhebt sich, demGanzen gleichsam zur Krone dienend, eine runde, 41 Fußhohe, mit Kupfer gedeckte Kuppel, welche innerhalb eine 62Fuß im Durchschnitt haltende Rotonde bildet, deren gewölbtein Cassetten eingetheilte und in Relief gemalte Decke von ISfreistekenden korinthischen Säulen getragen wird. In derselbenbefinden sich die Bildnisse aller Ahnherrn des kurfürstlichenHauses in Lebensgröße, von den einheimischen Künstlern Range,Weigand, S. Rukl, von der Embde und Hummel gemalt.
Den übrigen reichen Inhalt dieses Schlosses in seineneinzelnen herrlichen Sälen und Zimmern, sowie auch die das-selbe umgebenden großartigen Gartenanlagen, einer speciellenBeschreibung und eigner Anschauung überlassend, wenden wiruns der zweiten architektonischen Hauptmerkwürdigkeit ^derWilhelmshöhe, der sogenannten Löwenbnrg, zu. Im Ge-schmacke der Ritterzeit erbaut und angelegt, athmet sowohlder äußere Bau, als die innere Einrichtung dieser Burg, derenGrundmauern aus dem Felsen, worauf sie stehen, gehauenzu sein scheinen, vollkommen den Geist der Vorzeit. Sowiedie meisten anderen Anlagen auf der Wilhelmshöhe, hat auchdieses Schloß seine Entstehung dem Kurfürsten Wilhelm I.zu verdanken, der es in den Jahren 1792—1796 nach seinereigenen Idee durch Jussow erbauen ließ. Es hat ungefähr dieGestalt eines länglichen Vierecks, in dessen Mitte der Schloß-hof sich befindet. An seinen beiden Seiten erhebe» sich zweiThürme, von denen der eine vor Alter größtcntheils eingestürztzu sein scheint, der andere noch unbeschädigte aber 130 Fußhoch ist. Durch zwei gewölbte Thore gehen von zwei Seitenher Eingänge in das Schloß über Zugbrücken, die an schwereneisernen Ketten auf und nieder gezogen werden können. So-wie das Acußere dieses Ritterschlosses alle Spuren des Alter-
thums aufs täuschendste an sich trägt, so entspricht auch dieinnere Einrichtung, selbst bis auf die unbedeutendsten Gegen-stände, dem Geschmacke des Zeitalters, in dem es erbaut zusein scheint. Unter die interessantesten Zimmer der Art gehörtder runde, 30 Fuß im Durchmesser haltende und eben so hoheRittersaal, und im Stockwerke darunter der Speisesaal, (beideim Thurme befindlich). Aus ersterem bietet sich dem Auge dieentzückendste Aussicht dar. Außer diesen und andern Gemä-chern findet man in der Burg eine Rüstkammer mit allenWaffen und Armaturen aus der Ritterzeit, eine Ritterbiblio-thek und eine gothische Capelle. An der Balustrade beimEingange in Letztere befinden sich die Statuen des heiligenBonifacius mit einer Art und der heiligen Elisabeth und inden Nischen der Capelle die der heiligen Ursula als Schutz-patronin und des heiligen Augustin. Auch ältere Gemäldezieren dieselben, unter andern ein heiliger Ritter, dessen Malereiaus biblischen Sprüchen bestellt. Die Fenster sind mit Glas-malereien geschmückt, welche aus dem Stifte Obernkirchenstammen. Auch steht in der Capelle außer dem Begräbniß-monumente eines alten Ritters, dessen in Stein ausgehauenesBild in voller Rüstung zu sehen ist, ein Sarkophag von car-rarischem Marmor, in welchem die sterblichen Ueberreste desverewigten Stifters derselben ruhen. An der Hauptwand derVertiefung, in welchem derselbe steht, ist ein allegorisches Haut-relicf, 9 Fuß lang und 4 Fuß hoch, von der Meisterhand desHofbildhauers Ruhl, welches den Empfang des Verewigtenim Elysium darstellt. Hinter der Burg befindet sich ein imalterthümlichen Geschmacke angelegter Burggarten, welchenviele hohe Tannenhecken in verschiedene regelmäßige Figurenabtheilen; südlich neben demselben aber war früher auch einmit Schranken umgebener Turnierplatz nebst einer Schaubühne;nordöstlich endlich gränzt ein Thiergarten daran, welcher sichbis zur, Fasanerie hinabzieht.