Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
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"' Graf Simon I., welchergroßen Lust und Gefallen hatte,daß sein Land mit schönen Schlössern, Städten und Flecken ge-ziert würde," beschloß die inzwischen an Einwohnerzahl undWohlhabenheit emporgekommen? Stadt noch mehr zu erweitern,und so entstand die Neustadt, welche er mit Mauern umschloßund mit Stadtfreiheit, Bürgermeister und Rath versah. BeideStädte hatten demnach eine jede ihren besondern Magistratund in der Stiftungsurkande des Klosters auf der Neustadtvom Jahre >3<>K wird von Seiten der Altstadt der Bürger-meister Arnold von Barchosen und von Seiten der Neustadtder Bürgermeister Eonradt Wulner namentlich angeführt.Das Wappen der Altstadt war eine blaue Rose mit fünfBlättern nebst Löwen und Vogel Greif. Im Siegel gebrauchteman das grüne Wachs. Die Neustadt hatte gleichfalls eine fünf-blätterige Rose, daneben aber eine Frau mit langen Schleppen.Auch bediente man sich des gelben Wachses statt des grünen.Im Jahre 1369 wurden durch Simon III. die Magistrate bei-der Städte mit einander vereinigt.

Schon vor der Erbauung der Neustadt war Lemgo durchseinen Handel berühmt und ein reicher Stapelplatz für vielebenachbarte Länder. Außerdem war die Stadt in den hansea-tischen Bund aufgenommen worden. Sie gehörte in dieserEigenschaft zum Kölnischen Quartier.

Lemgo war unter den westphälischen Städten eine derersten, in welcher die Reformation gleich nach dem AuftretenLuthers Eingang fand. Ein großes Unglück aber entsprangspäterhin für Lemgo zum großen Theil aus eigner Verschul-dung und das waren die namentlich im 17. Jahrhunderte inseinen Mauern verhängten Hercnprozesse. Man muß erstaunenüber die Menge der Opfer und nicht minder über den Um-stand, daß die bereits lange eingeführte, aus dem Dränge nach

Erlösung und Erleuchtung entsprungene Reformation so wenighatte einwirken können auf die Erkenntniß der Gemüther. Dieunter dem Namen Blutbann dem Magistrate zugeständige Cri-minaljustiz war damals weiter nichts als ein protestantischesJnquisitionstribunal, welches in Lemgo seine Autodafe's feierte.Freilich muß dieser so wüste Fanatismus zum Theil mit ausdem selbst von vielen protestantischen Dogmatikern damaligerZeit jgenährten Glauben an Erscheinungen persönlicher Teufelmit Schwanz und Pferdefuß hergeleitet werden, aber wie vieleselbstsüchtige Beweggründe kamen hier mit ins Spiel, welcheder eignen Ueberzeugung zum Trotz sich von der Gier nachden confiscirten Gütern der Gemordeten überwältigen ließ.

Außer einer katholischen gibt es drei Kirchen in Lemgo:zwei lutherische und eine reformirte. Da sich Lemgo fast ganzzur lutherischen Religion bekennt, so ist letztere mehr für dieaus der Umgegend kommenden Landleute bestimmt. Ersteresind im altdeutschen Stpl erbaut und die größten des Landes.

Von sonstigen Häusern und Anstalten sind noch zu be-merken : der Lippehof, Schloß des Prinzen Friedrich zur Lippe,der Annenhof, Wohnung der jedesmaligen Aebtissin, Prinzessinzur Lippe, des Jungfrauenstifts zu St. Marien, das Gymna-sium, welches >524 von Simon II. begründet wurde, sowiemehrere zum Theil umfangreiche, früher von adeligen Familienbewohnte Häuser, die an Lemgo's segensreiche Vergangenheiterinnern.

Lemgo ist wegen seines großen Gebietes, mit vortrefflichenFeldern, Wiesen und Wäldern, die wohlhabendste Stadt desLandes. Auch ist sie reich an vielen Stiftungen, von denensich wohl an vierzehn aufzählen lassen. Die Zahl der Ein-wohner beträgt 4l)W, innerhalb der Ringmauern könnten aberwohl an SUMl» wohnen.

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