Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
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terrassenförmigen Garten und ein im Freien errichtetes Thea-ter, wo fast jeden Tag im Sommer Vorstellungen von denMitgliedern des zweiten Theaters gegeben werden. Nicht sel-ten trifft man dort an schönen Nachmittagen über 300t> Zu-schauer versammelt, welche, vor kleinen Tischen sitzend undverschiedene Erfrischungen zu sich nehmend mit der größtenAufmerksamkeit der Darstellung zusehen und selbst durch ein-tretenden Regen sich nicht stören lassen, sondern ruhig unteraufgespannten Schirmen ihre Plätze behaupten. Die Damenstricken dabei emsig, während die Herren gemüthlich ihre Ci-garren rauchen. In den Zwischenacten ergötzt sich das Publi-kum theilweise auf einer dicht neben der Bühne angebrachtenRutschbahn, oder promenirt in dem herrlichen Garten. Hinterdem Theater befindet sich ein großer Platz, auf dem von Zeitzu Zeit Feuerwerke abgebrannt werden. Außerdem kann manim Tivoli abwechselnd Jongleurs, Seiltänzer, Athleten undAlpen-Sänger bewundern. Der neben dem Tivoli be-findliche Wintergarten verdient vor Allem gesehen zu wer-den; denn nichts kann wohl überraschender und angenehmersein, als wenn man hier mitten im Winter, wo alles draußenmit Schnee bedeckt ist, in einem großen Saale unter Orangen,köstlich dustenden Blumen und Bäumen mit reifen Früchten be-haglich seinen Kaffee schlürft. An Sonntagen findet man auchein wohlbesetztes Orchester vor, welches dann Abends oft inden Nebensälen dem tanzlustigen Publikum Galoppaden undWalzer aufspielt.

Außerhalb des Berliner- und des Lübecker-Thors liegenwiederum viele Belustigungsorte der Hamburger; z. V. Hain,Horn mit einem Thiergarten en miniature, Billwärdcr,Bergedorf, den Vierlande; WandSbeck, Schiffbeck,Stcinbeck und Fricdrichsruhe. Nach diesen Orten hinwerden die meisten Spazierfahrten gemacht und oftmals trifftman dort kaum noch ein Unterkommen.

Von St. Georg gehen wir nun durch das Steinthornach Hamburg zurück, besehen vn passant das dicht neben demThorerechts in dem Wallgartenbefindliche aus Erz gegosse-ne Denkmal Ad o lph 6IV. von Schaucnburg und besteigendann die zwischen dem Stein- und dem Deichthor sich er-hebende Altmannshöhe. Auf diesem Punkte genießen wireine herrliche Uebersicht über die ganze Stadt und ihre nächsteUmgegend, und können von hier aus auch den in der Nähedes Dcichthors liegenden Bahnhof der Bergcdorfer Eisen-bahn betrachten. Leider wimmelt diese Anhöhe immer vonKindern und Ammen, so daß man wie dies überhaupt aufden schönsten Partien des Wallgartcns der Fall ist sich nieungestört den Natnrgenüsscn hingeben kann.

Hamburg und dessen Sehenswürdigkeiten haben wir nunvon allen Seiten kennen gelernt werfen wir jetzt nur nocheinen flüchtigen Blick auf seine Einwohner. In Betreff desCharakters findet man bei der Mehrheit der Hamburger

Ertreme jeder Art wunderlich gepaart. Grobheit und Dienst-fertigkeit, Habgier und Wohlthätigkeit, verschwenderischer Lurusund schmuzige oder geizartige Sparsamkeit, Gaunerei und Pie-tismus sind häufig genug die Eigenschaften eines Charakters.Das Temperament der Hamburger nähert sich dem phleg-matischen; sie haben dem zu Folge wenig Einbildungskraft, be-sitzen wenig Reizbarkeit und Lebhaftigkeit, neigen sich mehr zumErnst als zur Lustigkeit, sind mehr arbeitsam als thätig, undausdauernd aber nicht erfinderisch. Hamburg ist kein produ-cirender Staat. Seine Einwohner beschäftigen sich mit demLandbau gar nicht, und mit Fabriken nn Ganzen genommennur wenig. Fast alle leben mittelbar oder unmittelbar vonder Handlung; der Handel ist das große Trieb-Rad alles ih-res Trachtens; daher achten sie nur das, was aus diesen Be-ziehung hat und schätzen an allen Talenten und Wissenschaftenhöchstens nur den praktischen Nutzen. Die Gelehrten undDichter machen wenig Glück in Hamburg die Hamburgerselbst zeigen auch gar keine Anlage zur Dichtlunst.

Die Verfassung des hamburgischen Staates ist, wieman aus der geschichtlichen Einleitung sieht, das Ergebniß ei-ner durch langwierige Faklionsstürme belehrten Erfahrung, undweder ganz demokratisch noch ganz aristokratisch oder ganz re-präsentativ ist sie alles Dreics zusammen. Die drei wesent-lichen Zweige unsrer Regierung sind: der Senat oder die Voll-ziehungsgewalt; die Kammer- oder die Finanzver-waltung, und die erbgesessene Bürgerschaft (d. h. dieHausbesitzer), oder die gesetzgebende Gewalt, welchemittelst der Oberaltcn in die Vollziehnngsgewalt gesetzlicheingreift, während der Senat die Jnitative bei Gesetzcsvor-schlägen behauptet. Der ehemals hier so thätige Faktionsgeistist durch diese Verfassung ganz in seine Gränzen zurückgewiesen,und statt seiner herrscht Ruhe, Sicherheit und Freiheit in ei-nem solchen Grade, wie vielleicht in keinem andern Staate.Wir haben zwar noch alte Institutionen, die gänzlich ver-schwinden müßten, oder mindestens doch einer bedeutenden Re-form bedürften im Allgemeinen aber fühlt sich der Ham-burger mit der gegenwärtigen Verfassung zufrieden und denkt auch,vermöge seines Temperaments, nicht leicht an Aenderungen.

Das entsetzliche, jetzt weltbekannte Unglück die großeHamburger FeuerSbrunst von I8IS veranlaßt uns, nocheinige Zeilen dieser Beschreibung beizufügen. Wir wollen kemtreues Bild der Schreckenstage liefern, da viele Andere unsbereits zuvorgekommen sind und Jedermann wohl hinlänglichüber dieses Unglück unterrichtet ist; wir beabsichtigen nurdurch diese Nachschrift unsern Lesern zu bemerken, daß vor-liegende Bilder sammt dem erläuternden Tcrt schon vor demBrande vollendet waren und wir das Wcrkchcn jetzt dem Pu-blikum nur zur Erinnerung an das alte Hamburg über-geben haben.