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4 (1843)
Entstehung
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W a m b u r g.

«Hamburg, die größte, reichste und am meisten bevöl-kerte freie Stadt Deutschlands liegt, einen Halbkreis bildend,unter dem 53", 34J 25" nördlicher Breite und 27", 56^ öst-licher Länge, gegen Süden und Südwest an der schiffbarenElbe und gegen Nordest an der Alster.

Die Entstehung Hamburgs fällt in das Jahr 808 n. Chr.und wurde von Karl dem Großen veranlaßt, indem dieserunter mehreren Festen, die er zum Schutz seiner Länder gegendie Ucberfällc der Slaven und Wenden bauen ließ, auch diesogenannte Hammabnrg, Hochburg oder Hochbucki amUser der Niedcr-Elbe in Nordalbingien gründete. Hammaoder Ham heißt nämlich im Altsächsischen ein waldbegrenzterAnger, und diese Hochburg stieß nach alten Urkunden östlich aneinen Buchenwald, westlich an ein Eichcngehölz (nach demnoch heutzutage eine Straße das Eich holz genannt wird).

Um die christliche Religion zu cultiviren und mehr undmehr auszubreiten, ließ Karl neben dieser Burg eine Kapelleerrichten, auf demselben Platze, wo nachmals Hamburgs Domprangte. Kolonisten jeder Art, doch meistenthcils Fischer, sie-delten sich bald nun zwischen der Burg und der Kirche an,und schnell verpflanzte sich von hier aus das Christenthum überganz Nordalbingien, die dänischen Inseln und selbst Norwegenund Schweden. Der Grund zu Hamburgs Freiheit ward auchschon damals gelegt, denn bei der Einweihung genannter Ka-pelle erklärte Kaiser Karl die unter dem Namen Hammabnrggegründete Kolonie zurfreien Stadt" und sprach:es ist desKaisers Wille, daß diese Leute ihre Freiheit behalten und Gottdienen sollen, denn Gott hat dem Kaiser den Sieg über siegegeben." Zu gleicher Zeit beabsichtigte der Kaiser einenErzbischof einzusetzen, der über geistliche Angelegenheiten die >Oberherrschaft haben sollte, denn das weltliche Regiment führtehier ein Legat oder Statthalter des Kaisers, der mit Hülfeder Wittigsten, d. h. der besten und verständigsten Bürger,die dann Schöppcn genannt wurden, Recht und Gerechtigkeithandhaben mußte. Karl der Große starb aber 814, ohne einErzbisthum zu Hamburg errichtet zu haben. Erst Karls Sohn,Kaiser Ludwig der Fromme, brachte 83 l das Erzstift zuStaude und setzte den frommen Ansgar als Erzbischof vonHamburg und Bremen ein; doch haben die Erzbischöfe in Ham-burg niemals die Oberherrschaft in weltlichen Dingen erhalten.

Der zerrüttete Zustand des fränkischen Reichs nach Karlsdes Großen Tode wirkte auch aus Hamburg schädlich ein undverhinderte fortan den schnellen Wachsthum dieser Stadt. Ham-burg war nun fast ein Jahrhundert lang den Ueberfällcn heid-nischer Nationen ausgesetzt; vornehmlich ward es öfters von

den Wenden, Slaven und normännischen Seeräubern geplün-dert und niedergebrannt. Als aber Kaiser Otto I. oder derGroße an die Regierung kam, erhielt Hamburg eine mächtigeStütze an ihm und strebte bald wieder blühend empor. Derkaiserliche Statthalter, Herr mann Bi kling, der seit 957in Hamburg regierte, ward 962 von Otto zum Herzog vonSachsen ernannt; hierdurch ging in der hamburgischen Negie-rung eine große Veänderung vor. Hamburg stand nun nichtmehr unter kaiserlichen Legaten, der neue Herzog von Sachsenwar jetzt sein Oberhaupt. Herrmann Billing ist als Stifterdes hamburgischen Gemeinwesens zu betrachten.

Der Friede, den Hamburg unter Otto genossen, wurdebald nach dieses Kaisers Tode gestört. Im Jahre 1012 ver-wüstete eS der wendische Fürst Mistevoi, und 1072 erlitt esdie fürchterlichste Zerstörung durch den Däneukönig JarlKruko. Der durch die Dänen niedergebrannte Dom warderst 1126 an der Stelle wieder erbauet, wo er bis 1803stehen blieb.

Eine schönere Zeit begann für Hamburg, als es 1106vom sächsischen Herzog Lothar oder Lüder mit den sächsischenProvinzen diesseits der Elbe vereinigt ward und diese Be-sitzungen unter dem Namen Holstein dem edlen Haus derSchauen burger zum Lehn übergeben wurden. Diese deut-schen Grafen begünstigten auf alle Weise die Stadt, die alsein fester Punkt ihrem Reiche von großem Nutzen war. Sobewirkte Graf Adolph III. 1189 fünf Freiheitsbriefe vomKaiser Friedrich I,, wodurch der Stadt Hamburg gänzliche Zoll-freiheit und das Fischfangsrecht auf der Elbe bestätigt wurden.Durch Vermittelung der Schauenbnrger erhielt Hamburg auchein Weichbild und eigne Gerichtsbarkeit; es wurden Consulesals Stadtregenten eingesetzt und die Grafen von Holstein be-hielten sich nur die Einsetzung eines kaiserlichen Landvogts oderAmtmanns (^tlvuealus oder 1'r.ieleeuis) vor. Hamburg, vonjetzt an als eine freie Stadt des deutschen Reichs be-trachtet, erweiterte mehr und mehr seinen Umfang und knüpftenach allen Seiten hin Handelsverbindungen an; besonders trates mit den Niederlanden und England in lebhaften Verkehr.Und als im Jahre 1152 Vardowieck (bei Lüneburg), derbisherige Stapelplatz alles Handels und aller Industrie desnördlichen Deutschlands, von Heinrich dem Löwen zerstörtwurde, schwang sich Hamburg bald zur blühendsten Handels-stadt empor.

Der Anfang des 13. Jahrhunderts war für Hamburgwieder unheilbringend. Der Däneukönig Knut VI. und seinBruder Waldemar II. verbreiteten ihre Kriegsmacht über die