Vorwort zum vierten Baude.
A^ei Wanderungen im nördlichen Deutschland muß uns die Bedeutung ver Städte einenErsatz geben für den Mangel einer anziehenv schönen und gesegneten Natur ves Lanves. Dortentziehen uns Eisenbahnen keinen Genuß, wenn sie uns im Flug über weite Strecken tragen.Dort möchte man wohl wie in der Tausend und Einen Nacht auf des Magiers Rappen sitzen,oder in der Lederdecke des Zauberers Klingsohr liegen, um so im Nu von einem fernen Punktezum andern versetzt zu werden, ohne die Oedc und Dürftigkeit der mittleren Gegend zu sehen.
Einen ähnlichen Dienst leistet uns der vorliegende Band der Originalansichtcn. Hier wirduns nur Schönes und Merkwürdiges zu betrachten dargeboten. Nichts verkümmert uns die Freudedaran, Nichts erinnert uns, daß nicht Alles dort so ist. Von Einem bedeutenden Denkmale derKunst, oder Geschichte zu dem andern geleitet, stehen wir bald vor reichverzierten gothischen Kirchen,vor hohen Thürmen, oder alten Klöstern, balv vor Gebäuden, in welchen vcnkwürvige Männerver freundlichen Gewohnheit des Daseins und des Wirkens pflegten, oder aus deren eigenthüm-licher Bauart der Geist und Geschmack vergangener Zeiten zu uns spricht. Wir treten auf Markt-und Hafenplätze, vor Kauf- und Schauspielhäuser, auf Brücken, unter Thore, vor Brunnen,Säulen, Denkmäler des Ruhms und der Liebe. WaS Menschenhände innerhalb der viesmal inunsern Rahmen fallenden Gebiete Großes und Eigenthümliches bauten, das steht in seinen mannig-faltigen Formen vor unsern Augen, das gibt uns vollgiltiges Zeugniß von der Richtung undBildung der Zeiten, in denen die einzelen Bauten entstanden. Denn wohl reden die Steine, undihr kunstvolles Gefüge ist eine nicht schwer zu lesende Urkunde des menschlichen Geistes. Welch'ein Abstand der Zeiten und Sitten, wie Viel der vor- und rückwärts schreitenden Entwickelungliegt in der Mitte zwischen den Trümmern römischer Bäder, der Port» in Trier und
der Börsenhalle in Hamburg, dem Viävuct in Aachen, oder der Siegessäule in Hannover!
Durch den großen Brand in Hamburg kommt dieser unser vierter Band in den traurigenFall, Bilder ver Gegenwart und der Vergangenheit zugleich zu geben. Seit der Zeichner undver Stahlstecher ihre Platten vollendet haben, sind die Gebäude am alten Jungfernstieg undHopfenmarkte sammt der Petrikirche ein Raub der Flammen worden. Der 445' hohe Thurmdieser Kathedrale war seiner Höhe nach der 7te in der Reihe der mit den Pyramiden beginnendenFolge der höchsten menschlichen Bauten und bildete selbst die schlankste und zierlichste Backstein-pyramide, die wol je zum Himmel stieg.
„Doch die Elemente hassenDas Gebild' der Menschenhand."