Käufer zwar zum Scheine nützliche, in der That aber die Blüthender Literatur zerstörenden Nachdruckergeschäft, zur Freude allerRcchtlichdenkenden, ein Ziel gesetzt wurde.
Im Jahr 1500 wurden vom Kaiser Maximilian I. dieAchalmischen Rechte an die Stadt verpfändet. Jetzt erst eigentlichwar sie frei. Da die Verhältnisse der Städte zu Fürsten undAdel sich völlig geändert, so kam sie 1505 erstmals unter würt-tembcrgischen Schirm, unter welchem sie, mit einigen Unter-brechungen, bis zu Ende der reichstädtischen Verfassung blieb.
»Das Gefühl ihres Wohlstandes flößte der Stadt, welcheschon vor Luthers Reformation gegen die Mißbräuche der Stadt-geistlichen kräftig angekämpft, den Muth ein, rings umgeben vonFeinden der Reformation, sich doch derselben anzuschließen, undzwar so, daß der Impuls vom Volk ausgieng. Sie gehörte zuden eigentlichen Protestanten; ihr Bürgermeister Wepß unterschriebmit die Augsburgische Confession, und selbst durch das Interim,durch Geldbußen, Drohungen und spanische Reiter ließ sie sichnicht abtreiben, ja nicht, als sie 1552 von Karl V. ihrer Ver-fassung beraubt wurde, welche sie erst 1570 von Kaiser Maxi-milian II. wieder erhielt, und welche die reinste Demokratieunter den deutschen Reichsstädten war-
Als die Wunden des hierauf folgenden Krieges etwas ver-narbt waren, so traf die Stadt 1726 ein namenloses Unglück,eine Feucrsbrunst, welche den größten und besten Theil in einenSchutthaufen umwandelte.
Die von allen Seiten reichlich eingehenden Beisteuernmachten zwar den Wiederaufbau möglich; aber ihr vorigerGlanz kehrte nicht wieder. Die Stadt mit 11500 Einwohnern
zeichnet sich übrigens gegen andere alte Reichsstädte, durch einfreundliches Aeußere vortheilhaft aus, die Straßen sind meisten-theils regelmäßig, gerade, breit und die Häuser gut gebaut.
Im März 1803 wurde sie förmlich der damals noch her-zoglichen bald churfürstlichen Würtembergischen Landeshoheit un-terworfen, und fand bald unter Königlich WürtembergischemScepter die Mittel, schnell wieder emporzukommen. Verbesserungder Bildungsanstalten, erhöhte Kultur, freiere Bewegung undErweiterung der Industrie, erhöhter Wohlstand und Verschöne-rung der Stadt sind die unzweifelhaften Folgen, die sich all-mählig in und aus der neuen Lage entwickeln. Ein besondersregsamer Gewerbsbetrieb: die schon erwähnten zahlreichen Ger-bereien, Leimsiedcreien, Bortenwirkereien, Haubcnstickereien (für denWerth von ungefähr 100000 fl. jährlich) deren Erzeugnisse größ-tenteils die Frankfurter und Leipziger Messe zieren, so wie dieSpitzcnklöppelcien, Türkischrothfärbereien, Bleichereien und Glocken-gießereien sind in bedeutendem Schwung und bieten der Stadt undihrer Umgegend ergiebige Quellen des Wohlstandes. Jetzt ist dieStadt auch zur Hauptstadt des Schwarzwaldkreises erhoben undSitz der K. Regierung und K. Finanzkammcr dieses Kreises.
Unmittelbar vor einem ihrer Thore befinden sich die seitdem Jahre 1712 bekannten Schwefelquellen „der Hcilbrun-nen" genannt von mannigfaltiger Heilkraft und ein im Jahre1835 eröffnetes Badchaus mit freundlichen Gartenanlagen erleich-tert und vermehrt ihren Gebrauch von Jahr zu Jahr.
Von den ehemaligen vier Haupthorcn stehen jetzt nur nochzwei, das einen sehr alten Vaustyl verrathende östliche und dassich auf unserer Totalansicht von Reutlingen zeigende westliche.