Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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Tabor.

3?uf der Scheitelfläche eines steil über die Luschnitzemporragenden Felsenbergcs erbaute der Sage zufolge der böh-mische Edle Koten im Jahre 774 eine Bnrg, die nach ihmKotnow genannt wurde. Unter dem Schutze der Burgmauernsiedelten sich, wie es damals gebräuchlich war, Mannen undHörige des Burgherren an und so entstand im Laufe der Zeiteneine kleine Ortschaft. Im Jahre 12V8 soll das Schloß vonSezpma von Bitek erobert und sammt dem Flecken in Brandgesteckt worden sein. Von dieser Zeit an lag die Stätte durchbeinahe zwei Jahrhundertc wüst und verlassen. Dazumal wurdein der Gegend ein ziemlich lebhafter Bergbau betrieben, und woheutigen Tages Tabor liegt, bestanden einträgliche Goldwäschenim Flusse Luschnitz *). Hierdurch gelangte das Städtchen Austjoder Alt-Tabor zu ziemlichem Wohlstande.

Im Anfange des fünfzehnten Jahrhundcrtes begann inBöhmen eine religiöse Bewegung, die durch halb Europa nach-zitterte. Im Jahre 14 l 5 war Johannes Hus zu Kostnitz ver-brannt worden, aber seine Lehre verbreitete sich schnell undfand namentlich unter dem Landvolke des damaligen bcchincr**)und prachincr Kreises viele Anhänger. Die fanatischen Be-kcnner der neuen Sekte suchten und fanden einen zweckmäßigenVereiniguugspunkt auf dem Berge, wo die Trümmer der BurgKotnow standen. Im Jahre 142V strömte eine Schaar vonmehr als 4VVVV Husiten hier zusammen; aus Quadern desalten Schlosses wurden 3VV Steintische errichtet, an denen siedas Abenvmahl unter beiden Gestalten genossen und sich gegen-seitig Treue und Standhaftigkeit zuschwuren. Von hier ausunternahmen sie einen Verwüstungszug durch die Gegend. VomGlöckner Hromada geführt, kamen sie früh morgens am Ascher-mittwoche (21. Febr.) vor die Stadt Austj, welche dem eifrigkatholischen Herren Sezpma von Landstciu gehörte. Nach denFreuden der Faschingsnacht lagen die Bewohner im tiefenSchlafe. Ohne Widerstand erstiegen die Husiten die Mauernund ein fürchterliches Blutbad begann. Herr Sezpma selbstund die meisten Bürger fanden den Tod und die übrigen Be-wohner wurden vertrieben. Die Stadt wurde so gänzlich zer-stört, daß keine Spur mehr von ihr zu finden ist ***). Hieraufwurde die Burg Klokot, demselben Herrn Sezpma gehörig,erstürmt und verwüstet, worauf die Husiten wieder nach demerwähnten Berge zurückkehrten und ein Lager aufschlugen, dassie stark befestigten. Die Husiten gaben den Oertlichkeiten gernbiblische Namen; z. B. finden wir aus jener Zeit ein Jerusa-lem, Bethanien, einen Bach Cedron, einen Teich Jordan,

*) Aeneas Splvius spricht von Goldkörnern in der Größe kleinerErbsen.

**) Der bechipcr Kreis umfaßte das Gebiet des jetzigen tabvrer undbudweiser Kreises.

***) Bis 183(1 befand sich an dieser Stätte bloß ein Meierhof miteiner Mühle; seither wurde auf den Grundstücken desselben dieOrtschaft Alt-Tabor angelegt.

einen Berg Hebron ic. So nannten sie das neue Lager undden Berg Tabor.

Unter solchen Umständen nahm die jüngste der größerenStädte Böhmens ihren Ursprung und unter nicht minder stür-mischen Ereignissen sollte sie heranwachsen. Als König Sig-mund die Zusammenrottung der Husiten auf dem Berge Taborerfuhr, gab er dem obersten Münzmeistcr von Kuttenberg, Niklas,den Austrag, sie zu zerstreuen. Niklas brach mit tausend ge-harnischten Reitern aus und war bis Jung-Woschitz, zweiMeilen von Tabor, gekommen, als Cziczka herbeieilte, ihn inder Nacht auf den Eharfrcitag überfiel und fast alle Königlichenniedermachte. Pferde, Harnische und vollständige Rüstung fürtausend Mann waren die vollkommene Beute der Sieger. Cziczkakam nach Tabor und befestigte den Ort noch stärker. Vondieser Zeit an nannte sich die fanatischeste Partei unter denUtraquistcn, welche Cziczka anführte, nach ihrem Hauptwaffcnplatzedie Taboriten. Es liegt außer dem Zwecke dieser Zeilen,die Bestrebungen, Erfolge und die endliche Niederlage dieserPartei während jenes anarchischen Zeitraumes zu verfolgen:wir können hier nur eine kurze Uebersicht der Schicksale derjungen Stadt geben.

Bald hatte Tabor Gelegenheit, die Stärke seiner Be-festigung zu erproben. Im selben Jahre noch wurde es vonUlrich von Rosenberg auf König Sigmuuds Befehl durch zweivolle Wochen heftig belagert. Doch die Belagerten hatten einenEilboten nach Prag geschickt, von wo sich Niklas von Husineczschleunig zum Ersatze aufmachte. Am 29. Juni wurden dieBelagerer ganz unvermuthet angegriffen und zu gleicher Zeitmachten die Taboriten einen muthigcn Ausfall. Nach einigemWiderstande erlitt Ulrich von Nosenberg eine vollständige Nie-derlage. Eine reiche Beute an Geld, prächtigen Fcldbindenund Kleidern, Gold- und Silberbarren, Lebensmittcl, Zelte,Waffen und Kriegsgeräthe fielen den Siegern in die Hände;unter letzterem befanden sich auch zwei Belagerungsmaschinen(wahrscheinlich nach damaliger Art zum Steinwerfen), dereneine die Taboriten unbrauchbar machten, die andere als Sie-geszeichen in die Stadt nahmen.

Trotz dieses glänzenden Erfolges glaubten sich die Bewoh-ner von Tabor der königlichen und katholischen Partei, die imsüdlichen Böhmen, namentlich durch die mächtigen Roscnberge,vorherrschend war, doch nicht gewachsen. Ob sie wirklich mitden Königlichen geheime Unterhandlung gepflogen, ist nicht be-kannt; aber die taboritischen Heerhaufen, welche das Landdurchzogen, vermutheten es. Um den geargwohnten Abfall zuverhindern, kehrte 1427 plötzlich ein Theil des taboritischenHeeres zurück und besetzte die Stadt.

Bald jedoch nahte der Zeitpunkt, wo die verheerendeninneren Kriege ein Ende finden sollten. Bei Hrzib im kaurzi-mer Kreise unterlagen die beiden Prokope den vereinigten Ade-ligen und Städtern. Alsobald machten die Bewohner von