wurden viele Häuser geplündert), noch hielten sie sich so langewie die Franzosen. Am 26. November mußten sie unter fort«währendem Gefechte mit den Bürgern und den nachrückendenösterreichischen Truppen die Stadt verlassen.
Die Friedensperiode, welche hierauf eintrat, benutzte dieKaiserin-Königin zu mancher guten Stiftung und zur Herstel-lung des Königsschlosscs auf dem Hradschin; doch währte derFriede leider nicht lange. Die Preußen rückten abermals inBöhmen ein, und als sie in der Schlacht bei Prag (6. Mai1757) den Sieg über die Oesterreicher davon getragen, beganndie schrecklichste Belagerung Prags, welche die Geschichte nuraufgezeichnet hat. Friedrich II. selbst leitete diese Belagerung,aber mit einer Barbarei, welche man einem so gebildeten Für-sten nicht zutrauen sollte. Auf die herrlichsten Gebäude warendie meisten Kanonen gerichtet, vorzüglich auf die Metropolitan-kirche. Diese begann binnen 3 Tagen mehr als 30 mal zubrennen, viele von ihren gothischen Bauverzicrungcn wurdenheruntergeschossen, der Vordcrthcil des Domes mit SchorrsGemälde war von mehr als hundert Kugeln getroffen. 21 Tagewährte die furchtbare Beschießung, bis die Niederlage bei Ko-lin (18. Juni) die Preußen zum Abzug zwang. Die Stadthatte schrecklich gelitten, denn 28668 Bomben, 58876 Kugelnund 518 Karkassen waren in dieselbe geschleudert worden.Acht hundert achtzig Gebäude waren theils ganz zerstört, theilsdurch Brand und Kugeln verwüstet, in der Neustadt lagenganze Gassen in Schutt und Trümmern.
Sobald aber der Friede hergestellt war, wandte bie Kai-serin ihre ganze Sorgfalt der Hinderung dieser Uebel, demWohle des Landes zu. Ein gleiches Ziel setzte sich ihr Nach- !folger Joseph II. Eine Menge nützlicher Einrichtungen, treff- !lieber Institute wurden ins heben gerufen. Prag erhielt ei»ganz neues Aussehen, da viele der zahllosen Kirchen und Klö-ster Prags aufgehoben und theils ganz niedergerissen, theils inAmtsgebäude, Magazine, Wohlthätigkeitsanstalten ?c. umge-wandelt wurden. Bon den Collcgien der Jesuiten (aufgehoben1778) wurde eines für die Universität, das zweite als Garni-sonöspital verwendet, das dritte zum „Handhaus" umgebaut.Die vier prager Städte wurden (1781) unter einen Magistratund einen k. k. Stadthauptmann vereinigt, die Gräben, welchedie Alt- und Neustadt trennten, ausgefüllt. Da auch die Kri-minaljustiz eine radikale Verbesserung erhielt (I782>, so ver-schwanden von den Plätzen der Stadt die Pranger und K"fige,">welche dieselben verunziert hatten, und an der Moldau dieKörbe, in welchen strafwürdige Bäcker sonst untergetaucht wor-den waren. — Als im I. 1771 cine schreckliche Hungersnothausbrach, die zwei Jahre wüthete, kam Joseph selbst nach Pragund suchte durch die kräftigsten Mittel dem Elende zu steuern
Prag sah keinen Feind mehr innerhalb seiner Mauern;aber seine Bewohner gaben einen schönen Beweis ihres Muthes,als in den französischen Kriegen das Vaterland in Gefabrwar. 3000 Mann später noch mehre — schlössen sich derLegion des Erzherzogs Karl an, 806 Studierende bildeten eineigenes Bataillon. Vom 12. Juni bis 10. August 1813 warPrag der Sitz eines Congresses, der aber erfolglos blieb. Alsnach dem Siege bei Culm und der großen Völkerschlacht bei Leipzigzahllose Verwundeten nach Prag gebracht wurden, da sah man dierührendsten und herzerhebensten Beweise der edlen Wohlthätigkeit,welche die schönste Blume in dem Tugendkranze der Pragerinenist. Die Damen des Adel- und des Bürgerstandes wetteifer-ten in der Pflege der Kranken, mit solch' enthusiastischer Auf-
») Solche eiserne Käsige standen z. B. auf dem Roßmarkte und demaltstädter großen Ringe. Die Sträflinge wurden oft nackt binein-gcstcckt und mit Honig bestrichen; so blieben sie — von Fliegen»nd Wespen entsetzlich gepeinigt, — mehre Tage den Blicken derVorübergehenden ausgesetzt.
opftrung, daß sie oft selbst in Krankheiten verfielen. Da dieSpitäler nicht hinreichten, die Zahl der verwundeten Kriegerzu fassen, wurden sie auf das freudigste von Privaten in ihrenWohnungen aufgenommen.
Als die Kriege mit Frankreich beendet waren und einlanger, segensreicher Friede eintrat, konnte die Regierungihre Sorgfalt wieder ganz dem Wohle ihrer Länder widmen.Unter dem weisen und milden Scepter der Monarchen Franz I.und Ferdinands I. entfaltete sich Böhmens Hauptstadt zu einerBlüthe, die ihr zur Zeit ihres Sturzes wohl Niemand geweissagthätte. Die glanzvollen Zeiten Karls und Nudolphs sind wie-dergekehrt, nur verschönert durch den milden Geist der Ein-tracht, die man damals vergebens suchte.
Handel und Industrie, diese Haupthcbel des allgemeinenWohles, sind wieder aufgeblüht, theils durch weise Maßregelnder Regierung, theils durch wirkungsreiche Vereine, theilsdurch die Thatkraft der Bürger. Den Verkehr befördern nachallen Richtungen herrliche Straßen, mit dem Norden stehtPrag seit dem vorigen Jahre durch die Moldau-Elbe-Dampf-schiffahrt in rascherer Verbindung, und bald wird es auch mitDresden und Wien, und hierdurch mit dem Norden und Sü-den, in innigster, schnellster Verbindung stehen durch die Ei-senbahnen, welche auf Staatskosten anzulegen unsre Negierungein so bvchssnniges Beispiel den übrigen Staaten gegeben hat.Was innerhalb der Mauern Prags selbst für Eröffnung neuerCommunikationswege geschah, darüber berichteten wir anmehren Stellen unseres Werkchens. Die Kunststraße, die Kai«ser-Franzens-Brückc, der Franzenquai, die Wpschehrader Straßesprechen laut für die Rüstigkeit unsrer Zeitgenossen in Vollen-dung schöner Werke. Diesen wird sich vielleicht bald eineneue Bergstraße auf dem Laurenzbcrge anschliessen. Se. Erc.Hr. Graf Chotek, der gegenwärtige Oberstburggraf vonBöhmen, hat diese und zahlreiche andre Bauwerke ins Lebengerufen, seine Energie bat das alterthümlichc Prag in einezugleich elegante Stadt umgewandelt, sein Beispiel hat dieBürger zu zahlreichen neuen und schönen Bauten angceifert.Das alte Prag hat sich verjüngt, moderne Eleganz eint sichmit aller Kraft, und über den neuen Prachtbauten schwebenschützend und schirmend die hundert Thürme der uralten Zeit.
Biedersinn und Wohlthätigkeit, Liebe zur Kunst und Wis-senschaft sind erstere immer heimisch geblieben, letztere aus demSchutt einer geschmacklosen Zeit neu und kräftig wieder erstan-den. Sie sprechen sich in zahllosen Vereinen und Institutenaus. Viele derselben haben wir in unserem Werkchen genannt.
Und somit hätten wir — freilich mit einer durch den Raumbedingten Gedrängtheit — das Wichtigste auS Prags Geschichteberührt und in flüchtigem Umriß den Geist seiner Bewohnerskizzirt. Nur Ein Streben dürfen wir noch nicht unerwähntlassen, das in unsrem Jahrhundert in Prag erwacht ist undeinen Hauptzug in der Charakteristik unsrer Gegenwart bildet.Die Liebe für unsre alte, schöne Sprache ist neu erwacht, dieSprache wird wieder gereinigt von den Schlacken, welche sichin einem mebr als hundertjährigen Zeitraume ihr angesetzthatten, und findet von Tag zu Tag mehr Eingang in hohenund niederen Ständen. Die cechische Literatur hebt sich untersolchen Vorkämpfern, wie Palacky, Schafausk, Jungmann.Auch Hanka hat große Verdienste um das neue Aufleben derSprache und Literatur. Aus diesem edlen Kranze ist erst kürz-lich Celakowsky geschieden, einem ehrenvollen Rufe als Pro-fessor der slawischen Sprachen und Literatur folgend. Unterden Jüngern wirkt Amerling mit ernstem, glühendem Eifer.Wenn Alle gleich diesen ihren Willen und ihre Kraft zumschönen Ziele vereinen, dann ist die Zeit nicht mehr fern, wodie böhmische Nation ihr herrliches Kleinod, ihre Sprache,rein, geläutert und gckräftig wieder besitzen wird!