Druckschrift 
4 (1842) P - Z
Entstehung
Seite
132
Einzelbild herunterladen
 

132

Ross.

inen gaben ihre Ansprüche in Schottland nicht auf, doch versäumtensie, diejenigen geltend zu machen, welche ihnen durch urkundlicheErbfolge zustanden. Von diesem Zweige des Hauses Koss in denNiederlanden war Johannes Matthias 11. holländischer Gouverneur-Di-rector in Indien. Aus seiner Ehe mit einer v. Schubert wurde am28. Novbr. 1787 Johannes, Graf v. 11., geboren. Er begab sich nachdem Tode seines Vaters am Anfange dieses Jahrhunderts nach War-schan, wo er in den verhängnissvollen Jahren 1812, 13 und 14 nichtohne bedeutende Opfer auf vielfache Weise thätig seine Tlieilnahmean Deutschlands, und vorzüglich an Preussens Interesse an den Taglegte. Durch seine Verwendung wurde auch vielen französischen undpolnischen Kriegsgefangenen ein milderes Schicksal zu Theil. Derhochselige Kaiser Alexander fand sich bewogen, in Anerkennung jenerVerdienste im Sommer 1813 zu Jauer in Schlesien ihm den St. Annen-orden in Brillanten zu verleihen. Kurze Zeit darauf überreichte derGraf dem Kaiser Alexander auf dem Schlosse zu Peterswalde beiReichenbach ein sehr kostbares Cabinetsstiick aus den nachgelassenenSammlungen seines Vaters. Dasselbe wurde an Werth auf 6000 Fl. ge-schätzt. Sehr huldreich nahm der Monarch diese Seltenheit persön-lich entgegen. Auf Veranlassung des verstorbenen Staatskanzlers,Fürsten v. Hardenberg, verliess Graf v. II. Warschau, verheissenen Ent-schädigungen für seine durch die Staatsverhältnisse in Siidpreussen ge-habten grossen Verluste entgegensehend, und erwählte von da anBerlin zu seinem Aufenthaltsorte. Im Jahre 1816 ertheilte Se. Ma-jestät der König von Preussen dem Grafen v. R. ein Anerkennungs-diplom der ursprünglichen Grafenwiirde fiir sich und seine Nachkom-men. Ein Vetter des Grafen ist Dr. Johann Wilhelm GottfriedRoss, geb. den 7. Juli 1772, lcönigl. preuss. wirklicher Oberconsi-storialrath, Bischof der evangelischen Kirche u. s. w. Er ist mitLuise de Werth vermählt, aus welcher Ehe zwei Söhne und zweiTöchter leben.

Das ursprüngliche Wappen der Grafen v. Ross zeigt im rothenFelde drei leopardirte, nach der rechten Seite aufspringende Löwen,oben zwei, unten einen, und auf dem gekrönten Ilelme eine weisseLilie. Nach dem preuss. Anerkennungsdiplom führt dieses grällicheHaus folgendes Wappen: Im rothen, mit einer neunperligen Grafen-krone bedeckten Schilde die drei Rossischen leopardirten Löwen;auf dem gekrönten Helme steht die weisse Lilie, und zu beiden Seitenwachsen aus den Helmdecken grüne Palmzweige. Zu Schildhalternist ein Löwe und ein Mohr gewählt. Am Fusse des Schildes ist einblaues Band mit der Inschrift: In magnis voluisse sat est. Der Mohrist eine Erinnerung an die merkwürdige Thatsache, dass Graf Johan-nes Matthias bei seinem Abgange aus Indien, laut Urkunde vom 28.Decbr. 1782, seinen sämmtlichen Sclaven die Freiheit und eine be-deutende Summe baaren Geldes schenkte. Die dem Helinschmuck hin-zugefügten Palmzweige erscheinen als Sinnbild des in milder Güte undin Bescheidenheit für ihr Vaterland und das Wohl Preussens gelei-steten Wirkens der verewigten hochtheuern Mutter des jetzt lebendengrätlichen Zweiges, die als ein Opfer ihres frommen Bestrebens im Jahre1814 starb. Das gewählte Motto bezieht sich auf das Hochgefühl derFreude des Grafen Johannes v. R., dem es am 20. Decbr. 1814 zuWien gelang, den von einem fremden Abenteurer versuchten Meuchel-mord an des Königs von Preussen Majestät zu verhindern. Ein Vor-fall, der ihm ganz besonders zum Gegenstande der väterlichen Freund-schaft des verstorbenen Staatskanzlers, Fürsten v. Hardenberg, machteund dessen Verheissungen auf Preussens vergeltenden Dank' erwarb.Gegenwärtig lebt der Graf v. R., nach vielfach gebrachten Oplern und