Druckschrift 
1 (1837)
Entstehung
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Augsburg.

Wo deutscher Fleiß mit deutschem Geist sich paaret.Da prangt des Bürgcrwohlcs höchste Blüth';Es wird der cinz'lne Bürger selbst zum König,

Sein Handel reicht i» ferne Länder hin;

Es steigt der Häuser stolze Zahl empor.

Es blüh'» Gewerbflciß, Kunst und WissenschaftSo glänzte Augsburg einst in alter Zeit,

So strahl' es jetzt in schönerm Glänze wieder.

uzsburz ursprünglich der Hauptwohnplatz eines deutschenVolkes, der Vindelicier, sodann eine, durch Kaiser Aügustus gegründete, blü-hende und mächtige Colonie (^u^usta Vinllelieorui») und Hauptstadt derProvinz Vindelicien (später Rhätien), in der Folge eine der ansehnlichstenund durch Handel und Industrie blühendsten Reichsstädte und BischofssitzeDeutschlands, gegenwärtig Hauptstadt des königl. baierischen Oberdonaukrei-ses und Sitz der königl. Regierung dieses Kreises, einer Kammer des In-nern und der Finanzen, sowie eines noch immer sehr bedeutenden Handelsund Gewerbfleißes mit etwa 37000 Einwohnern in fast 4000 Häusern, liegtauf einem Hügel zwischen den beiden Flüssen, dem Sech und der Wertach,in einer zwar ziemlich flachen und einförmigen, aber in sehr üppiger Vege-tation prangenden Landschaft, aus welcher nur gegen Süden in bläulicherFerne die schneebedeckten Gipfel der Tyroler Berge bei heiterem Wetter em-porragen. Dieses höchst anmuthige Landschaftsgemälde von etwa 45 Stun-den im Umkreise und mit der Stadt im Hintergrunde überblickt man amschönsten von dem im Osten von Augsburg eine gute Stunde entfernten altenStädtchen Friedberg, welches gleich einer Mauerkrone die Stirn einer nichtunbedeutenden Anhöhe bekränzt. Es ist der Standpunkt unserer Totalansichtvon Augsburg (Ergänzungsheft Issro. 4.), an welche wir, wie gewöhnlich,unsere artistisch-topographische Beschreibung dieser höchst merkwürdigen Stadt,jedoch mit besonderer Hervorhebung der in den Specialansichten dargestelltenwichtigsten Punkte derselben, anreihen wollen. Unsere nächsten Bemerkungensind daher auch den beiden Hauptgebäuden und Zierden der Stadt, der Dom-kirche und dem Rathhause, gewidmet.

Die der heiligen Jungfrau geweihte Dom Kirche (Fro. 3.) ist ohneZweifel das älteste der jetzt noch vorhandenen Gebäude Augsburgs, und derPlatz, auf dem sie steht, einer der historisch merkwürdigsten. Denn hier,und zwar auf der Stelle, welche der obere Theil derselben einnimmt, wardas Forum der römischen Colonie, wo in öffentlichen Verhandlungen Rechtgesprochen wurde. Hier stand auch die Basilika oder die mit Bogengängenversehene, bedeckte Gerichtsstätte; und noch haben sich von dem Ponticus oderbedeckten Gang des Forums Säulenüberreste und Benennungen bis auf diegegenwärtige Zeit erhalten. In ihrer ersten Anlage, wahrscheinlich bereitsim sechsten Jahrhundert, wo nicht früher, unterlag die an dieser Stätte errich-tete Kirche den Stürmen der Zeit, besonders den verheerenden Einfällen der

Ungarn. Erst 994 ließ sie Bischof Luithold mit Unterstützung Adelheids, derGemahlin Kaiser Otto's, wieder herstellen, Bischof Ulrich erhob sie daraufzur Cathedrale, Bischof Bruno ließ sie bereits zu Anfang des eilften Jahr-hunderts erweitern und Bischof Heinrich 1037 mit Kreuzgängen versehen.Unter Bischof Embriko (1004 1077) kamen die zwei spitzen Glcckenthürmehinzu, und im Jahr 1072 goßen die zwölf Hausgenossen (Gehülfen des hie-sigen Münzmeisters) die noch jetzt vorhandenen bronzenen Thürflügel des(zweiten) vorderen Portals, welche auf mehreren Feldern mit vielen sowohlchristlichen als heidnischen Figuren und Gegenständen (als: der Erschaffungder ersten Menschen, einem Centaur ?c.) in erhabener Arbeit verziert sind.Bischof Siboto ließ 1229 den gegen Abend gelegenen unteren Chor über derGruft mit sehr starken Mauern aufführen. Unter dem Bischof FriedrichSpäth von Thurnegg wurde darauf der Dom innerhalb 10 Jahren erhöht.Im Jahr 1356 ließ der Bischof Marquard den östlichen Chor neu erbauen,welcher darauf erst im Jahr 1410 gewölbt und 1435 nach Abbrechung derSt. Johanniskapelle unter Bischof Peter nochmals erweitert wurde. Diebeiden Pforten der Kirche gegen das Frauenthor und gegen die Stadt zu,welche mit trefflichen Umstellungen von Heiligenbildern geziert sind, entstanden,die erste im Jahr 1344, die zweite im Jahr 1356. Im 16. Jahrhundertgab der berühmte Augsburger Baumeister, Eiias Holl, (geb. in Augsburg1573, gest. 1656) dem einen der Thürme, der auf einem mißlichen Grunderuhte, durch eine äußerst künstliche Vorrichtung mehr Festigkeit, und BischofHeinrich von Möringen ließ sofort den einen derselben im Jahr 1599, denandern aber 1609 mit Kupfer decken. In beiden befinden sich die Glocken,von welchen die größte, im Jahr 1467 gegossen, 95 Centner wiegt. Derneueren Zeit entstammt endlich die an der Kirche angebaute Sakristei. Soverschieden demnach die Zeiten sind, in welchen die einzelnen Theile dieserKirche entstanden, so verschieden ist auch der Styl derselben; nur das Hin-tere Schiff nebst den Thürmen trägt den byzantinischen, alles übrige hinge-gen den altdeutschen Styl. Das Ganze macht daher auch keinen harmoni-schen oder besonders erhebenden Eindruck auf den Beschauer, so sehr ihn sonstdieses Gebäude als historisches Denkmal anzieht.

Treten wir nun in das Innere, so finden wir uns in künstlerischer Hin-sicht mehr befriedigt. Ganz im altdeutschen Baustyl ausgeführt, stützt sichdasselbe auf 56 hohe, in zwei Reihen aufgestellte Säulen, von welchen 14