Druckschrift 
1 (1837)
Entstehung
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Vorwort.

Aie Städte Deutschlands sind es, welchen wir die größten Verdienste um die Aufklärung undganze' geistige Wohlfahrt unserer Nation verdanken. Sie haben den eigentlichen Pfleger und Bewahreraller aufstrebenden Bildung, den Burgerstand, ins Leben gerufen; sie haben ihm unter dem Schutz ihrerMauern und Privilegien Freiheit gegen innere und äußere Bedruckungen und eigenmächtige Eingriffe jederArt gewährt; sie haben dem Handel und allen Gewerben eine Bedeuttmg, eine Ausdehnung gegeben,welche nicht nur ihren Reichthum, ihre äußere Macht unglaublich erhöhten, sondern es auch möglich mach-ten, daß Kunst und Wissenschaft auf ihrem freien Boden auf das herrlichste gediehen. Sie sind es daherauch, welche wir noch jetzo und für alle Zeiten als die wahren Mittelpunkte der Freiheit und Aufklärung,des Reichthums und der materiellen Kraft unseres gemeinsamen Vaterlandes?n betrachten haben.

Es war daher gewiß ein ebenso zeitgemäßes als patriotisches Unternehmen, als wir uns die Aufgabesetzten, in unsern Original-Ansichten die historisch merkwürdigsten Städte Deutschlands in ihremgegenwärtigen Zustande, der noch so manche vielleicht schon in den nächsten Jahrzehnten nicht mehrvorhandenen Erinnerungen an die frühere mittelalterliche Zeit darbietet, mit ihrem ganzen Reichthuman öffentlichen und privaten Bauwerken bildlich darzustellen und mit Hilfe der diesen Abbildungen beige-gebenen Beschreibung ein treues und möglichst vollständiges Bild derselben zu gewähren.

Wenn man früher bei ähnlichen Unternehmungen sich gewöhnlich damit begnügte, die von einzelnenStädtm gerade vorhandenen, besseren oder schlechteren, Ansichten nothdürftig zu einem Ganzen zusammenzu stellen, und die Beschreibung dazu nur aus der Ferne, nach den allgemeinsten darüber verbreitetenNachrichten, zu entwerfen; so wurden hier dagegen die Zeichnungen, selbst mit großen Aufopferungen vonZeit und Geld, an Ort und Stelle aufgenommen und die artistisch-topographische Beschreibung, wo eSmöglich war, aus eigener Anschauung, stets aber nur aus geläuterter Quelle, geschöpft.

Der Zeichner, Architekt Ludwig Lange, schon von Jugend auf der deutschen Art und Kunst mitpatriotischem Enthusiasmus zugethan, verstand es nicht nur, seinen Standpunkt jedesmal ebenso historischbedeutsam, als malerisch günstig zu wählen, sondern er ließ es auch stets sein höchstes Bestreben sein, diemalerische Auffassung mit architectonischer und selbst historischer Genauigkeit zu vereinigen; ein Be-streben, worin die Künstler, besonders Ernst und Karl Rauch, Poppel, Müller, Snell u. s. w.,so rühmlich mit ihm wetteiferten, daß das Werk selbst sich wol mit vollem Rechte den ehrenvollen Nameneines neuen Merian verdient hat.