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Gothische Holz-Architektur
Entstehung
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sondern die Zeichnung über die Fugen hinläuft, hätte auch, wasnamentlich bei verschiedenen Stärken am Platze gewesen wäre, jedemdieser Theile eine besondere Form gegeben werden können. Mandenke sich unter Fig. 6 noch eine Knagge, so hat man ein Beispiel. Fig. 18, 19 und 20. Träger auf einer Knagge. Fig. 21 zeigt einekomplizirtere Bildung, indem unter dem Träger zunächst das mitdemselben gleiche Stärke habende Laschenholz a steht, welches mitseiner halben Stärke in der Mauer steht und in derselben sein Auf-lager hat. Der Unterzug b wird durch das Kopfband c gehaltenund giebt so eine weitere Unterstützung für den Träger ab. Aufdem Träger liegen die Sattelhölzer c, welche die Balken d tragen.Es braucht nicht erst bemerkt zu werden, welcher Reichthum derFormen auf diese Weise zu erzielen ist, ja schon durch die Kon-struktion selbst geboten wird.

Tafel 3. Freistehende Ständer. Es finden dieselben bei derUnterstützung weit freiliegender Träger oder solcher Träger, aulwelchen eine Holzwand ruht, oder zur Begrenzung eines Treppen-lochs, d. h. zur Unterstützung des um dasselbe freiliegenden Gebälkesund bei mehreren derartigen Fällen ihre Anwendung. Wie oft mitVortheil für die Konstruktion und auch für das Ansehen Hängewerkeund andere komplizirtere Konstruktionen durch einen solchen Ständerersetzt werden könnten, der etwa in der Mitte eines Saales stehendfür den Gebrauch desselben durchaus nichts Störendes haben, unddann reich geschnitzt und mit glänzendem Farbenschmucke demganzen Räume zu einer weit gröfseren Zier gereichen würde, alshundert gewöhnlich verwandte kostspieligere Dinge, ist leicht begreif-lich. Es ist hierbei der Kunstfertigkeit eines Zimmermannes ein soreiches Feld geboten, dafs es kaum einzusehen ist, wie der Gebrauchsolcher Holzständer, die in den durch die Konstruktion bedingtenweiten Entfernungen stehen und dadurch keinen Platz versperren,der mifsverstandenen Anwendung griechischer Säulen hat weichenmüssen, welche gerade die für die beabsichtigten Zwecke unpassendstenMittel sind, ganz abgesehen von der falschen und durchaus wenigDauer gewährenden Konstruktion, durch welche sie ermöglichtwerden. Es kann hierbei nur von dem üblichen Gebrauche die Redesein, Vorplätze, Vorhallen und ähnliche Räume mit jonischen oderdorischen Säulen anzufüllen und an die hölzernen Träger so vielBretter, Latten und Rohr anzunageln und dann Gyps darüber zukleben, bis endlich eine dem griechischen Architrav ähnliche Körper-masse gebildet wird. Böttchers treffliches Werk enthält eine Reiheder prachtvollsten Beispiele dieser Gattung, und ist in vorliegendenBlättern nur der Versuch gemacht, nach den daraus hervorgehendenPrinzipien einzelne Beispiele für bestimmte vorkommende Fälle zuentwerfen. Uebrigens ist die Bildungsfähigkeit dieser Ständer sogrofs, dafs es in jedem vorkommenden Falle leicht sein wird, fürdenselben passende und verschiedene Gestaltungen zu finden. Anmittelalterlichen Bauwerken finden sich dieselben meistens von Eichen-holz ausgeführt; dies ist auch jedenfalls die passendste und schönsteHolzart dazu, und ihre Verwendung dürfte selbst in Gegenden, woMangel daran ist, wegen der bei gewöhnlichen Bauten geringen An-zahl solcher Ständer ohne grofse Kosten möglich sein. Inzwischenkann man auch ebensowohl gutes trockenes Föhrenholz verwenden,welches, wenn nur gut mit heifsem Leinöl getränkt, gleichfalls nichtreifsen wird, und reifst es ja an einzelnen Stellen, so kann man esleicht ausspänen oder selbst auskitten, wenn die Sprünge klein sind.Vor allen Dingen aber hüte man sich vor dem von Manchen beliebtenVerfahren, solche Ständer durch Dämpfe austrocknen zu wollen, dasist, wie mir Erfahrungen gezeigt haben, die schlechteste Manier vonallen. Erster Grundsatz bei Bildung solcher Ständer ist, dafs sie auseinem Stück, ohne angenagelte Glieder und Leisten, gebildet sind,welche, im günstigsten Falle und auf die geschmackvollste Weiseangebracht, doch eine ganz willkürliche, mit dem Zwecke nichtsgemeinhabende Zuthat sind, und gerade das sichtbare Gesetz derBildung der Ständer verschwinden machen, abgesehen davon,dafs solche dünne Leistchen, welche gewöhnlich anstatt der Kapitalerverwendet werden, selten lange in gutem Zustande bleiben, und wennsie gar auf den Ecken auf Gehrung gearbeitet sind, hier sehr baldFugen entstehen, die unr so häfslicher sind, weil die einzelnen Stückedann die spitzwinkelige Gestalt zeigen, zu der sie der Gehrung halberzugeschnitten werden mufsten, und bei näherer Betrachtung sichergiebt, dafs sie, wenn auch wieder zusammen gebracht, doch nichtmehr zusammen passen würden. Weit weniger nachtheilig ist eineFuge, welche die Profilirungen senkrecht durchschneidet, wie wirin späteren Fällen zeigen werden. Da man nun, um reichere Formenzu erzielen, solchen Ständern in ihren verschiedenen Höhenabschnittenverschiedene, jedoch immer aus einem Grundquadrat gebildete Grund-rifsformen giebt und die Uebergänge aus der einen Form in dieandere durch Profilirungen bildet, welche dann an ihren Ober- undUnterflächen mehr oder weniger, je nach ihrer Neigung Hirnholzzeigen, so ist hierdurch, namentlich bei Anwendung von Tannenholz,ein Fingerzeig gegeben, dafs gerade an diesen Stellen die Anwendungeines schützenden Ueberzugs von Farbe statthaben solle. Inwieweitnun dieser Farbenüberzug zur Verzierung anderer Theile, welcheLangholz zeigen, zu verwenden, hängt von der Bestimmung und der

besonderen Neigung des Baumeisters ab. Wir werden in einzelnenBeispielen verschiedene, schon mit gutem Erfolge angewandte Farben-zusammenstellungen angeben. Wenn nun also alle Grundrifsbildungendes Ständers aus einem Grundquadrat, welches sich nach dem jedes-maligen Bedürfnifs richtet, gebildet sind, so mufs dieses Grundquadratam Fufse und Kopfe des Ständers die Grundrifsform abgeben undzwar schon aus konstruktiven Gründen. Entweder steht der Ständerauf einem Steinsockel oder auf einer auf den Balken liegendenSchwelle, oder auf diesen selbst. Im ersten Falle würde sich dieProfilirung des Ständers, wenn man sie der Bequemlichkeit halberdurchhobeln wollte, schlecht mit dem Steinsockel vereinigen lassen,wenn man sie nicht auch in diesem fortlaufen und darin aufhörenlassen wollte, aber es würde dann die Arbeit, die der Zimmermannspart, der Steinhauer zu machen haben, abgesehen davon, dafs eswidernatürlich wäre, die der Holzarbeit eigenthümliche feinere Pro-filirung in Stein fortzusetzen. Steht aber der Ständer ohne Stein-sockel auf der Schwelle oder dem Balken, so müfsten die Fufsboden-dielen gleichfalls beim Anschlufs an den Ständer nach dessen Profileausgekehlt werden. Am oberen Ende des Ständers aber, da, wo erden Träger trägt, ist es Gesetz, die gröfstmöglichste Fläche zumAuflager des Trägers zu gewinnen, daher hier jedwedes Auskehlendesselben gänzlich falsch sein würde. Die Ständer unterscheidensich nun erstlich hinsichtlich des Sockels nach den schon erwähntenzwei Fällen, dann aber hinsichtlich ihrer Verbindung mit dem Trägerauf verschiedene Weise; oft stehen sie ohne weitere Hölzer unterdiesem, in welchem sie dann verzapft sind. Beispiele dieser Artgeben die Figuren 1, 4 und 17. Fig. 1. Ein einfacher Ständer mitabgefaseten Ecken, welcher nur an seinem oberen viereckigen Theiledie in Fig. 3 in gröfserem Mafsstabe gegebene Verzierung trägt.In Fig. 3 könnten die mit a bezeichneten Gründe farbig sein, blauoder roth. Fig. 2 giebt die Grundrifskonstruktion, wobei das äufsereQuadrat ab c d den Steinsockel anzeigt. Fig 4. Ein etwas reicheresBeispiel. Fig. 5. Die Grundrifskonstruktion, wobei der im Aufrifsgezeichnete Steinsockel, der auch da fehlen könnte, weggelassen ist.

Fig. 6 zeigt den Uebergang aus dem Fasen in das Viereck.Fig. 7 giebt den Grundrifs des oberen Theils a in gröfserem Mafs-stabe. Fig. 8 das Profil bei b. Hinsichtlich der Farben könntenhier die Rundstäbe r vergoldet werden, oder bei einfacherer Aus-führung auch wohl schwarz oder schwarz und weifs gewunden, diemit h bezeichneten Theile grün und der kleine Fasen / roth gemaltsein. Dann könnte die durch die kleinen Fasen gebildete Nuth n inFig. 6, sowie der Theil o roth gemalt werden und in dem oberenquadratischen Theile die unteren langen Felder im Mafswerk blauund die oberen kleinen roth sein. Fig. 9. Ein reicherer Ständerohne Steinsockel. Fig. 10. Der Grundrifs dazu. Es unterscheidetsich dieser Fall von dem vorhergehenden dadurch, dafs, währenddort Ständer und Träger bündig waren, hier der Ständer stärkerund oben zu einer Zarge ausgeschnitten ist, während von dem Trägerbeiderseits gleichfalls so viel weggeschnitten ist, dafs er in der ge-bildeten Zarge Platz findet; der Durchschnitt Fig. 14 und die per-spektivische Ansicht Fig. 15 zeigen dies deutlicher. Fig. 11 zeigtden Grundrifs bei a und Fig. 12 bei b. Fig. 13 giebt in perspek-tivischer Ansicht die Ecke c. Fig. 16 zeigt eine bei sonst gleicherGrundform andere Bildung des unteren Theils. Fig. 17. Ein acht-eckiger Ständer. Der Sockel, wie das Kapitäl sind quadratisch.Fig. 20 giebt den Grundrifs in gröfserem.Mafsstabe, und zwar derTheil von a bis b den Grundrifs für den Theil ab im Aufrifs, undso b c für b c, c d für cd im Aufrifs in gröfserem Mafsstabe.Fig. 19 zeigt das Mafswerk des mittleren Theils des Ständers, woauch die Grundrifsbildung einer Seite des Achtecks dargestellt ist.

Fig. 21 giebt die Verzierung im oberen Würfel in dreifachemMafsstabe und Fig. 23 die verschiedenen Gesimsprofile ia doppeltemMafsstabe. Es würde sich dieser Ständer besonders zu reicheremfarbigen Schmuck eignen. Fig. 24. Ein einfacher Ständer mitKnaggen zu beiden Seiten. Fig. 25. Der Grundrifs hierzu.Fig. 26. Die Seitenansicht des oberen Theils der linken Seite.Fig. 27. Ein reicher verzierter Ständer mit verschiedenen Knaggen.

Fig. 28. Die Grundrifskonstruktion in gröfserem Mafsstabe.Fig. 29. Die Seitenansicht des oberen Theils der linken Seite.Fig. 30. Das Detail der Verzierung im Träger auf der rechten Seite.

Tafel 4. Freistehende Ständer. Fig. 1. Ein Ständer mit Unter-zug und Kopfband. Auch hier ist, wie schon Tafel 3 in einem Fallegezeigt wurde, der Träger in eine aus dem Ständer geschnitteneZarge gelegt. Fig. 5 zeigt den Durchschnitt; ab c d ist der Durch-schnitt des Trägers, f g h i der aus dem Ständer ausgeschnitteneTheil, so dafs also auf dem Ständer der Träger die Form a e f g h i kannimmt. Ein Gleiches gilt von dem Unterzug, dessen Grundforml m n o auf dem Ständer, durch welchen er durchfafst, die Formp q r s annimmt. Fig. 2 zeigt den Grundrifs in gröfserem Mafs-stabe. Wie Fig. 1 erweist, ist die untere und obere Holzstärke durchden gewundenen Stab über die schwächere des mittleren Theils fort-gesetzt. Ebenso gut hätte sich diese Holzstärke auch zu jeder anderenVerzierung benutzen lassen und führt die Benutzung derselben aufdie reichsten Bildungen. Fig. 3 zeigt das Profil x und ist hier an-