Druckschrift 
12 (1829)
Entstehung
Seite
XXXV
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XXXV

bestimmet und erläutert, und wir haben also drei Klas-sen der Kunst.

In der ersten Klasse, der Kunst der Ägypter,sind zwei verschiedene'Style zu merken; der ältere und dernachfolgende; und zum dritten finden sich Nachahmungenägyptischer Werke. Von allen drei Arten werde ich dievornehmsten Werke anzeigen. Der ältere Styl hat ver-muthlich gedauert bis zur Eroberung des Kambyses; undder nachfolgende und spätere ist von der Zeit der persischenund nachher der griechischen Regirung über Ägypten. Indem ältern Style scheinet die Bildung des Gesichtes zumTheile nach derNatur genommen, noch mehr aber »ach ei-nem angenommenen Systems gesormet zu sein. Die Köpfehaben alle eine den Sinesen ähnliche Bildung durch dieplatten und schräg gezogenen Augen, und durch den auf-wärts gezogenen Schnitt des Mundes; das Kinn ist klein-lich , und das Oval der Form des Gesichtes ist dadurchunvollkommen. Daß man nach angenommenen Regeln,und nicht blos nach der Natur gearbeitet, zeiget die Formsonderlich der Füße, deren Zehen einen geringern Abfall inder Länge mit einander haben, als es sich in der Naturfindet, und dieses erscheinet noch deutlicher in der Zeichnungdes Ganzen. Die Zeichnung der Figuren dieses älternStyls ist völlig idealisch: sie bestehet nnhrentheils ausgeraden Linien, welche wenig ausschweifen oder sich sen-ke»; es sind Muskeln >,nd Knochen wenig, Nerven aberund Adern gar nicht angedeutet. Der Stand dieser Figu-ren ist bekannt. Die Bekleidung an männlichen Figurenist ein Schurz um den Unterleib; an weiblichen Figurenist dieselbe nur durch einen hervorspringenden Rand anden Beinen und am Halse angedeutet; und diese Anzeigeder Kleidung dienet der Einbildung, sich dieselbe vorzu-stellen, wo sie an dem übrigen Körper gar nicht sichtbarist. Die vornehmste Figur dieses Styls ist männlich und