XXV
Sendschreiben von der Reise eines Gelehrten nachItalien und insbesondere nach Rom.
An Herrn M. Franke.
diejenigen Reisenden von jenseit der Gebirge, die zumeiner Zeit in gelehrten Absichten nach Rom gekommen,hatten entweder die Fähigkeit nicht, oder nicht den rechtenEndzwek. Von der ersten Art war ein jungerDäne, wel-cher aus Frankreich hieher kam, die Proceßordnung(was däucht Sie?) zu lernen, mit ausdrüklicher Erklä-rung seiner Unachtsamkeit auf das Altertum. Dieser kamnach einem sechsmonatlichen verworrenen und verirrten Auf-enthalt einen Tag vor seiner Abreise zu mir, und ver-langte die Namen der geachtetsten hiesigen Gelehrten zuwissen, die ich ihm schriftlich gab, und mit diesen Namen,ohne weitere Nachricht von den Personen, ging er aus Romab. Von der zweiten Art würde ein deutscher Professorsein, welcher von nichts als von einer neuen Ausgabedes Horatius mit allen möglichen Variantenredete. Hätte dieser das Glük, nach Italien zu gehen,so würde dieses seine einzige Beschäftigung sein müßen,und er würde glauben, den Begrif der besten Weltdurch seine Arbeit zu erhöhen. Von gleichem Schlagehabe ich Reisende in Rom gekannt, und diese, nicht jene,sind zu belehren.
Der Mißverstand der Reisen dieser jungen Gelehrtenhat zwo Ursachen: erstlich weil sie mehr zum lehren, alszum lernen kommen, und zweitens, weil sie nicht unter-
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