Numero i.
für ein Bildniß Alexanders halten; den die Arbeit ist sovortreslich und voll Seele, daß es angemessener scheint, inihm ein Original irgend eines der besten Meister aus jenerZeit zu vermuthen/ als eine bloße Copie nach einer noch s»herlicken Bronze des Lusippus. Mit dem ebenfalls Ale-xander zubenanre» großen Kopfe im Museo Capitolinoha! es eine andere Bewandtniß. Visconti l) hält ihn fürden des Sonnengottes und beruft stch, um seine Meinungzu untcrstüzeu, vornehmlich daraus, daß in dem die Haareumfassenden Bande Löcher sichtbar sind, in welchem urfprünglichStrahlen von Metall mögen gestekt liaben, wie man auch aneiner ganzen nicht völlig lebensgroßen Statue des Sonnen«gottes in der Nilla Borghefe sehen kaii. 2> Er hättenoch hinzusezcn dürfen, daß auch der Wurf der Haarloken ei-nige Ähnlichkeit mit den Haaren jener Statue habe. Alleinan dem Kopfe im Cavitolino zeigen stch ganz offenbar die in-dividuellen Zuge eines Bildnisses: folglich ist es dem gutenlIefchmak zuwider, ja, es heißt den Geist der alte» Kunst ver-kennen, und sie herabwürdigen, wen man annehmen will, daßste eine Gottheit zwar in einem große» würdigen St»l derFormen, aber durchaus mit menschlichen, porträtähnlichen Zü-gen darstelle. Der capitolinifche Kovs hat individuelle Zuge,oder er hat das Ansehen eines idealilirten Porträts; seineWangen sind flacher, als ste bei idealischen Göttergestalten zufein pflegen; die Nase, »n welcher nur die Svize ergänzt ist,hat an der Wurzel mehr Aushöblung und einen mehr gebo-genen Rükeu; die Haare der Augenbrannen stnd angegebenund aus den Augäpfeln ist eine schwache Vertiefung, um denStern anzudeuten. Überhaupt verkündigt die Bildung desGesichts mäiiliche Jahre und gleicbwolil ist diefer Kovs bart-los bis auf wenig dünne Loken an der Wange neben demShre. Wer will aber glauben, daß ein weiser Künstler desAltertums einen ralirren Sonnengott dargestellt habe? Ausdiesen Gründen scheint der Kovs kein Sonnengott zu sein; ober aber wirklich Alerandcrs Bildniß ist, bleibt nncntschie-den. Die Neigung des Haupts scheint sreilich ein günstigerUmstand für eine folche Vermuthung; Vifeonti gber hatzum Behufe seiner Meinung auf eine sehr geistreiche Weise
1) t. i. 26.
2) Lculture, stan2i> Z. n. 2.